Das GIF wird 30 GIFs bewegen nicht nur Katzen

Vor 30 Jahren entstand das GIF. Seither hat Dateiformat das Netz geprägt. Es ist Zeit, dem GIF danke zu sagen.

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5 Gründe, warum wir GIFs lieben

1:17 min, vom 1.6.2017

Liebes GIF

Ich bin ein Fan von Dir. Es ist mir egal, ob Du verpixelt bist, epileptische Anfälle verursachst oder mir zum hunderttausendsten Mal Michael Jackson beim Popcorn-Mampfen zeigst. Du bist das Internet mit all seinen Stärken und Schwächen.

Deine Geburt, ganz pragmatisch

Wäre Deine Geschichte ein Märchen, würde es mit den Worten «Es war einmal in Ohio» beginnen. Es ist aber kein Märchen. Deine Erfinder der Firma CompuServe in Ohio träumten nicht von Feen und Elfen – da kann Kult-Elfe Legolas noch so irritiert um sich blicken.

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Wie sagt man nun?

Der GIF-Erfinder besteht darauf, dass die korrekte Aussprache dschiff sei. Argumentieren kann man für beide Aussprache-Varianten. Das harte G leitet sich von der Bedeutung des Akronyms ab: graphic interchange format. Das weiche G wertet GIF als eigenes Wort. Jedenfalls sind beide Varianten verbreitet und beide stehen im Oxford Dictionary.

Deine Erfinder träumten von einer einfachen Lösung: Sie wollten ein Format für farbige Bilder, das möglichst wenig Speicherplatz verbrauchte. Im Juni 1987 wurdest Du Wirklichkeit.

Dank Dir konnten nun bunte Bilder dargestellt und getauscht werde – obwohl die Modems noch unglaublich langsam waren. Dein Name hält was er verspricht: graphic interchange (dt. Übertragungsdatei) format.

Hauptsache es glitzert und glänzt

Was mich fasziniert: Du warst Deiner Zeit voraus. Das WWW, wie wir es kennen, kam erst ein paar Jahre später. Wenn jemand die Websites der 1990er-Jahre geprägt hat, dann Du.

Damals ging es bei Websites nicht um schickes Design. Damals mussten Websites einfach viel Inhalt haben, bunt sein und blinken – am liebsten mit witzigen Figuren, die sich auf alle Ewigkeit in Loops um die eigene Achse drehten.

Das Alter bekommt Dir gut

Ein paar dieser Augenkrebs-Verbrechen sind heute noch online. Sie sind schrecklich und schön zugleich. Man kann seine Design-verwöhnten Augen schier nicht von ihnen abwenden. Lass Dich von den GIF-Hatern nicht entmutigen; Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Um ein Haar wären Dir neue technologische Errungenschaften zum Verhängnis geworden: Das Internet ist schneller denn je und Speicherplatz gibt es zum Verschwenden. Böse gesagt: Du bist obsolet.

Aber: Du hast Dich tapfer gehalten – und neu erfunden. Auf Plattformen wie 4chan und tumblr hast Du eine neue Rolle gefunden: In den Kommentarspalten bist Du eine Kunstform geworden, die Emotionen vermittelt.

Seit Buzzfeed GIFs einsetzt, bist Du sogar ein journalistisches Stilmittel. Und selbst Facebook erlaubt Dich seit zwei Jahren in seiner Timeline – obwohl es sich lange gegen Dich wehrte. Es befürchtete, dass Dein quirliges Naturell – das sogar eine Katze Yoga machen lässt – seine Timeline ins Chaos stürzen würde.

30 Jahre nach Deiner Erfindung bist Du Popkultur, ja sogar Kunst. Wahrscheinlich auch, weil Dein Patent längst abgelaufen ist. Jede und jeder darf mit Dir arbeiten. Das ist Internet von seiner schönsten Seite.

Die Macht ist mit Dir

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Ein Format mit 1000 Formen

Es gibt kein Gefühl, das man nicht mit Dir als Reaction-GIF ausdrücken kann. Keinen ikonischen Film, dessen Szenen nicht in Endlosschlaufen laufen.

Auch die Marketingabteilung von «Star Wars» hat Dein Potenzial erkannt. Auf giphy.com zeigen sie offiziell die besten Momente der Saga von Deiner schönsten Seite – in hoher Auflösung. Andere werden folgen.

Tu mir einen Gefallen: Schliesse Dich nicht der dunklen Macht an. Bleibe weiterhin offen für jeden und jede – auch wenn der Loop nicht immer perfekt ist.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Screenshot, 6.6.2017, 17.40 Uhr.