«Huffington Post»: Laienjournalismus als Erfolgsmodell

Während traditionelle Medien gegen die Krise kämpfen, ist die Online-Zeitung «Huffington Post» seit Jahren erfolgreich. Ihr Erfolg ist der Triumph eines anderen journalistischen Geschäftsmodells: Fast jeder kann für die Zeitung schreiben. Dieses Modell soll nun auch in Deutschland Anwendung finden.

Arianna Huffington spricht auf einem Podium. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit Publikumsbeteiligung zum Erfolg: Arianna Huffington, die Gründerin der «Huffington Post». Keystone

44 Millionen Leser besuchen allein in den USA jeden Monat die Website der «Huffington Post». Damit hat die Online-Zeitung nach nur achtjährigem Bestehen bereits die Online-Ausgaben zahlreicher grosser Zeitungstitel überholt. 2012 wurde sie zudem als erste Online-Zeitung überhaupt mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Suchmaschinen-Optimierung

Der grosse Erfolg der «Huffington Post» gründet jedoch nur bedingt in journalistischen Eigenleistungen. Dass die Plattform so viele Leser erreicht, hat vor allem auch damit zu tun, dass sie wie kaum ein anderes Medium mit den Eigenheiten des Internets umzugehen weiss.

Durch die gute Vernetzung mit anderen Websites sind die Beiträge perfekt an die Relevanzkriterien von Suchmaschinen angepasst. Ausserdem nutzt die «Huffington Post» konsequent die Leser als Lieferanten neuer Inhalte – für die «Huffington Post» schreiben nicht nur Journalisten, sondern auch unzählige Blogger und Privatpersonen, die über ein grosses Fachwissen in bestimmten Sparten verfügen.

Kritik an Gratis-Journalismus

Dass diese Autoren für ihre Leistungen in der Regel nicht bezahlt werden, hat der «Huffington Post» auch Kritik eingebracht. Besonders deshalb, weil die Gründerin Arianna Huffington ihre Zeitung 2011 an den Internetkonzern AOL verkaufte – für satte 315 Millionen US-Dollar. Nach dem Verkauf blieb Arianna Huffington weiterhin Chefredaktorin und trieb die Expansion der Plattform in andere Länder voran. Lokale Ausgaben der«Huffington Post» gibt es inzwischen unter anderem in England, Frankreich, Italien und Japan. Und ab dem 10. Oktober auch in Deutschland.

Arianna Huffington zu Gast am WEF 2012

9:46 min, vom 28.1.2012

Das Internet-Unternehmen «Tomorrow Focus», das zum Medienkonzern «Hubert Burda Media» gehört und unter anderem die Nachrichtenseite «Focus Online» herausgibt, hat von der amerikanischen «Huffington Post» die Lizenz für einen deutschen Ableger erworben. Und verfolgt hoch gesteckte Ziele: Innert fünf Jahren soll die«Huffington Post» zu den fünf grössten Nachrichtenportalen Deutschlands gehören und einen operativen Gewinn in Millionenhöhe erwirtschaften.

Nutzer und Journalisten sind gleichwertig

Wie beim US-Vorbild sollen auch in Deutschland Gastautoren zum Erfolg führen. Sebastian Matthes, designierter Chefredaktor der deutschen «Huffington Post», sagt, die Seite sei keine gewöhnliche News-Seite, weil hier Beiträge von Nutzern gleichwertig neben den Artikeln von Journalisten stehen werden.

Bis Matthes allerdings sein Amt antreten kann, leitet «Focus Online»-Kollege Daniel Steil die Redaktion interimistisch. Wie kress.de berichtete, kommt Matthes bei seinem bisherigen Arbeitgeber, der «Wirtschaftswoche», nicht rechtzeitig aus seinem Vertrag frei. Matthes solle möglichst bald dazustossen.

Starten wird die deutsche «Huffington Post» mit einem 15-köpfigen Redaktionsteams, dessen Aufgabe vor allem das Verfassen eigener Artikel sein wird. Ein derart breites Themenspektrum wie die US-Ausgabe wird man so aber zumindest zu Beginn nicht abdecken können.

«Wir werden uns aber mittelfristig sehr breit aufstellen – Unser Ziel ist, über alles zu berichten, was die Menschen tagtäglich interessiert. Ich möchte zum Beispiel sehr schnell ein eigenes Ressort für Nachhaltigkeit und ‹Green Living› aufbauen. Zunächst starten wir aber mit den Kern-Ressorts wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.», sagt Matthes.

Aufmerksamkeit statt Geld

Um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen, ist Matthes auch auf Beiträge von Bloggern angewiesen, die bereit sind, kostenlos für die «Huffington Post» zu schreiben. Anfragen, die an verschiedene Blogger verschickt wurden, haben in der deutschen Blogger-Szene bereits eine hitzige Debatte entfacht.

Während einige nicht bereit sind, ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung zu stellen, sehen andere den Gewinn an Aufmerksamkeit als ausreichende Entschädigung. Matthes zufolge wurde bereits mit 35 Autoren eine Übereinkunft getroffen, mit zahlreichen weiteren sei man noch im Gespräch.