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Wunderwelt der Insekten Bizarre Ameisen: Zombies, Sklaven, Honigtöpfe

Mehr als 15‘000 Ameisenarten leben auf der Erde. Sie alle haben ihre Eigenarten: Einige verketten sich zu Brücken. Andere stellen ihren Körper als Vorratsspeicher zur Verfügung. Und wieder andere werden von Parasiten fremdbestimmt. Ein Einblick ins Leben einiger Ameisen-Völker.

  • 1. Willenlose Zombies

    Ein Pilz-Stiel wächst aus dem Kopf einer Ameise
    Legende: Wenn der Pilz aus dem Kopf wächst, ist die Ameise bereits tot. David P. Hughes

    Werden Rossameisen von einem Pilz befallen, sind sie nicht mehr sich selbst: Der parasitische Hefepilz übernimmt das Kommando über den Ameisen-Körper. Fremdbestimmt taumeln die Insekten wie Zombies aus ihren Nestern im tropischen Regenwald und klettern auf Blätter knapp über dem Boden. Dort zwingt der Parasit die Ameisen, sich festzubeissen. Dann tötet er seine Opfer mit einem Chemikalien-Cocktail. In der leblosen Ameise wächst der Pilz weiter und treibt schliesslich einen Stiel aus ihrem Kopf, Link öffnet in einem neuen Fenster. Daran bilden sich Pilzsporen, die zu Boden fallen und dort neue Ameisen infizieren. Dann beginnt der Kreislauf von vorne.

  • 2. Süsse Honigtöpfe

    Ameise mit kugelrundem Hinterleib, der eine honigfarbene Flüssigkeit enthält
    Legende: Dieser prall gefüllte Honigtopf lebt in den USA. Honigtopf-Ameisen kommen aber auch in Australien und in Afrika vor. Imago

    Manche Ameisen dienen ihren Nest-Genossinnen als lebende Vorratsbehälter. Wenn viel Nahrung vorhanden ist, stopfen sie so viel Futter in sich hinein, dass ihr Hinterleib kugelrund anschwillt. Prall gefüllt hängen sie dann regungslos von der Decke des Ameisenbaus – wie Töpfe voll Honig. Wenn das Futter knapp ist, würgen die Speicher-Ameisen für ihre hungrigen Kolleginnen Nahrung hoch. Früher nutzten übrigens auch Menschen die süssen «Honigtöpfe»: Für die Ureinwohner Australiens waren sie eine Delikatesse.

  • 3. Flinke Brückenbauer

    Wenn Wanderameisen vor einem Abgrund stehen, bauen sie eine Brücke – aus ihren Körpern. Sie brauchen weder Anführerin noch Ingenieurin. Wo, wann und wie eine Brücke entsteht, entscheiden sie gemeinsam. Wie raffiniert sie dabei vorgehen, zeigt das Video oben: Die Ameisen bauen die Brücke an der schmalsten Stelle auf, verlängern sie dann schrittweise und schieben sie über die breite Kluft. Wanderameisen leben in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Dort sind sie fast ständig unterwegs und ziehen oft um. Die lebenden Brücken sind drum praktische Abkürzungen, die viel Zeit und Energie sparen.

    Quelle Videomaterial: Matthew Lutz, Princeton University & Chris Reid, University of Sydney

  • 4. Fiese Sklavenhalter

    Rötliche Amazonen-Ameisen tragen Puppen und Larven in ihr Nest.
    Legende: Amazonen-Ameisen kehren mit fremden Puppen und Larven von einem Beutezug zurück. Wikimedia Commons/James C. Trager

    Nicht alle Ameisen sind fleissig. Einige lassen Sklavinnen für sich arbeiten. So tun es zum Beispiel die in Nordamerika, Asien und Europa lebenden Amazonen-Ameisen: Ihre Königin dringt ins Nest einer anderen Ameisenart ein und tötet die dortige Herrscherin. Die fremde Königin betört die Arbeiterinnen mit Duftstoffen und zwingt sie so, ihr zu dienen. Als Sklavinnen ziehen sie die Brut der neuen Herrin auf. Einmal erwachsen, schwärmen die Nachkommen der Amazonen-Königin aus und rekrutieren neue Sklavinnen: Sie überfallen fremde Kolonien und stehlen die Brut. Die versklavten Ameisen nehmen ihr Schicksal aber nicht immer widerstandslos hin: Manchmal rebellieren sie und töten den Nachwuchs ihrer Unterdrückerinnen.

  • 5. Lebende Flosse

    Ein Floss aus roten Ameisen schwimmt auf dem Wasser, daneben Fische
    Legende: Ein Floss, das sich selbst repariert: Wenn Fische einzelne Ameisen wegknabbern, werden sie sofort ersetzt. Imago

    Feuerameisen bilden bei Überschwemmungen ein Floss. Sie verhaken dazu Beinchen und Mundwerzeuge ineinander. Kleinere Ameisen stopfen die Löcher zwischen den grösseren Kolleginnen. In knapp zwei Minuten steht so eine schwimmende Rettungsinsel bereit. Die Ameisen-Königin erhält den sichersten Platz in der Mitte. So treibt die Kolonie wochenlang auf dem Wasser – bis sie einen geeigneten Ort findet, um ein neues Nest zu bauen.