Zum Inhalt springen
Inhalt

Dichtestress im Dschungel Laserblicke auf das Leben der Mayas

Anfang Jahr brachten Forscher dank Lasertechnik verborgene Maya-Kultur zutage. Die Daten wurde nun genauer ausgewertet.

Eine Karte, die Maya-Bauten zeigt.
Legende: Unsichtbare Stätten sichtbar gemacht: Die Maya-Kultur wurde von Forschern neu vermessen. Keystone / Pacunam / Handout

Grün, soweit das Auge reicht. So sieht es aus, wenn man über die Regenwälder Guatemalas fliegt. «Das Blattwerk sieht aus wie Brokkoli», sagt die Maya-Spezialistin Anabel Ford. Auch am Boden sehe man oft nur ein paar Meter weit.

Viele glauben, eine Zivilisation im tropischen Urwald sei schlicht unmöglich, so Forscher Marcello Canuto: «Im Englischen pflegt man zu sagen: Zivilisationen gehen in den Dschungel, um zu sterben.»

Die Maya als Gegenbeispiel

Die Zivilisation der Maya beweist das Gegenteil: Sie war hoch entwickelt und städtisch organisiert – mitten im Regenwald. Marcello Canuto konnte das mit einem internationalen Team eindrucksvoll belegen.

Ein Blick auf den Tikal.
Legende: Touristenmagnet Tikal: Rund um die antike Mayastadt soll es viele bisher verborgene Bauten gegeben haben, sagen Forscher. Keystone / Rodrigo ABD

Bisher waren von den Maya vor allem einzelne Stätten bekannt wie der Touristenmagnet Tikal mit seinen Tempel- und Palastanlagen. Nun legen die Forscher eine Gesamtschau vor – von einem Gebiet so gross wie nie geahnt.

Über 60'000 bauliche Strukturen

Vom Flugzeug aus wurden 2000 Quadratkilometer Regenwald in Guatemala und Mexiko untersucht – mit einem Lidar. Dieser Lidar sendet Laserstrahlen aus, die durch das «Brokkoliblattwerk» bis zum Boden hindurchgehen.

Ein Bild von einem Maya-Tempel.
Legende: Die Mayabauten kommen dank der Lasertechnik zum Vorschein. Keystone / Pacunam / Handout

So könne man in speziellen Karten Boden-Erhebungen sichtbar machen, erklärt der Forscher der amerikanischen Universität Tulane.

Auf solchen «Bodenkarten» registrierten die Forscher die Konturen von über 60'000 baulichen Strukturen – Häuser, Befestigungsanlagen, Bewässerungskanäle, Paläste und Strassen.

Eine vernetzte Stadtlandschaft

Das Meiste stammt aus der Zeit zwischen 600 und 800 nach Christus, aus der späten Blütezeit in der Geschichte der Maya. Damals lebte dieses untergegangene Volk in einer vernetzten Stadtlandschaft, zeigen die Lidardaten.

Es gab eher wenige rein ländliche Gebiete, dafür viele kleine und grosse Städte. Im Urwald lebten ganz offensichtlich sehr viel mehr Menschen als lange gedacht.

Sehr dicht besiedelt

«Etwa sieben bis elf Millionen Menschen haben vermutlich damals im gesamten Maya-Tiefland in Mittelamerika gelebt», schätzt Marcello Canuto. Dieses Gebiet umfasst etwa zweimal die Fläche der heutigen Schweiz.

Doch in der Schweiz lebten damals – im Frühmittelalter – viel weniger Leute. Die Maya lagen mit ihrer Bevölkerungsdichte vielleicht 10 bis 20 Mal höher. Vielleicht war der Maya-Regenwald sogar weltweit das am dichtesten besiedelte Gebiet.

Analysen vor Ort sind nötig

Doch wie zuverlässig sind die Hochrechnungen der Forscher? Maya-Spezialistin Anabel Ford von der University of California in Santa Barbara, die nicht an der Studie nicht beteiligt war, hält die Zahlen für überzeugend. Doch man müsse die neuen Entdeckungen nun einzeln am Boden überprüfen.

Eine Karte von den Maya-Städten.
Legende: Karten zeigen, wo die Maya ansässig waren und anbauten. Doch erst die Analyse vor Ort kann diese Daten bestätigen. Keystone / PACUNAM / HANDOUT

Denn der Teufel stecke im Detail: Um zu verstehen, was die Forscher gefunden haben, brauche es zwingend auch Analysen vor Ort.

Vor allem manche ländlichen Strukturen in den Karten könnten auch falsch interpretiert sein, so die Archäologin. Gewisse Linien seien wohl eher natürliche Bodenstrukturen als – wie von den Forschern vermutet – landwirtschaftliche Felder.

Intensive Landwirtschaft und ein dichtes Strassennetz

Tatsächlich gehen die Forscher von einer viel intensiveren Landwirtschaft aus als bisher für die Maya angenommen.

Bewässerungs- und Entwässerungsanlagen, terrassierte Felder oder Bauten gegen Bodenerosion seien verbreitet gewesen, so Marcello Canuto. Und ein dichtes Strassennetz habe nicht nur städtische, sondern auch ländliche Gebiete erschlossen.

«Vermutlich gab es einen regen Austausch zwischen den städtischen und ländlichen Maya, weil die Städte auf Lebensmittel vom Umland angewiesen waren», nimmt der Forscher an. Auf den Verbindungsstrassen zirkulierte daher auch viel Verkehr. Allerdings nur Fussgängerverkehr.

Lieber zu Fuss unterwegs

Die Maya, so hochentwickelt sie waren, benutzten das Rad nicht, obwohl sie es kannten. Auch Lasttiere hatten sie keine. Sie trugen daher die Maisernte eigenhändig zu den Märkten und bauten ihre riesigen Städte mit blosser Muskelkraft.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Es gibt eine Tatsache, wenn die stimmt sagt sie alles über die Kulturen. Die Spanier haben das Gold verehrt und als Währung gebraucht, die Indianer hatten Kakaubohnen als Währung gebraucht, das Gold war für sie die Ausscheidung der Götter. Das wirkliche Gold ist für Sie aber Schwarz, die Erde, deshalb sagt ein Chimgauer Bauer auch, die mit EM und Terra Pretta arbeiten, meine Gild ist im Boden oder meine (Pfanzen) MEINE KOHLE IST IM BODEN und damit auch das CO2.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    2005 wurde Terra Preta die dunkle Schwarerde, Erde des Jahres, jene Erde die vielleicht eine der fruchtbarsten der Welt ist. Ausser Lavaerde. Eines der Geheimisse der Landwirtschaft war schon damals 10-15 Prozent Pflanzenkohle in der Erde. Auch im Amazonasgebiet gibt es relativ unfruchtbaren roten, gelben und eben sehr fruchtbaren schwarze Böden, Menschgemachter Boden. Dreck ist eben nicht gleich Dreck.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen