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Wissen Reden wie Cicero: Antike Redekunst für die Gegenwart

Die römische Redekunst spielt bis heute eine wichtige Rolle. Noch immer reden viele Politiker wie Cicero. «Reden wie Cicero», das ist der Name eines Kurses zum Schweizerischen Lateintag. Kursleiter Dominik Humbel erklärt die Regeln der Rhetorik und wieso die Kunst Ciceros bis heute so wichtig ist.

Ein Mann spricht mit einem Metafon, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Legende: Musik, Wein und «Reden wie Cicero»: In Brugg wird am 5. November die lateinische Sprache gefeiert. Getty Images

In einer Rede geht es darum, ein Problem so aufzudröseln, dass man es anpacken kann und dass man keine Angst mehr hat davor. Das sagt Latein- und Griechischlehrer Dominik Humbel über die Rethorik von Cicero. «Das ist ein rationales Vorgehen, welches die Emotionen zurückdrängt.»

Vernunft schafft Sicherheit

Eine Rede kann beim Publikum ein Sicherheitsgefühl hervorrufen. Dieses entspringt zum einen dem Weltbild, das der Redner dargelegt hat, und zum anderen der Methode, dass er ein Problem rational angeht. Vernunft schafft Sicherheit.

Sozusagen das antike «Yes We Can», «Wir schaffen das». Elemente der antiken Redekunst findet Dominik Humbel in heutigen politischen Reden allenthalben. Ohne Cicero gibt es keinen Wahlkampf, keine Parlamentsdebatte.

Humbel sagt aber auch: Faktentreue und Rationalität hätten für den römischen Staatsmann und Philosophen im Zentrum gestanden. Um Wahrhaftigkeit, um die Kraft des besseren Arguments sei es ihm gegangen, in jenen unruhigen Zeiten des ersten Jahrhunderts vor Christus.

Das ABC der Rhetorik

Dominik Humbel nennt drei Aspekte der Redekunst nach Cicero. Folgt man dieser klassisch römischen Struktur, gelingt einem eine Rede, die das Publikum wirklich überzeugen kann.

Die drei Aspekte der Redekunst nach Cicero

Redesituation
Erstens geht es um das Verhältnis zwischen dem Redner, dem Publikum und
dem Problem. Eine Rede wird in einer klar definierten Situation
gehalten: Ein Mensch spricht zu einem Problem zu einer Gruppe von Menschen.
Aufgabe des Redners
Zweitens hat der Redner bestimmte Aufgaben gegenüber dem Publikum, das er für seine Meinung gewinnen möchte: Lehren, Erregen und Erfreuen.
Lehren heisst, Fakten zu vermitteln. Erregen bedeutet, Emotionen zu erzeugen. Erfreuen meint, die Hörerschaft zu unterhalten und einzubeziehen.
Aufbau
Eine ideale römische Rede gliedert sich in sieben Teile: Einleitung, Problemanalyse, Lösungsformulierung, veranschaulichende Geschichte, Argumentation, Widerlegung der Gegenargumente und Schluss.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 4.11.2016, 12:10 Uhr.

Lateintag und Lateinmonat

Die lateinische Sprache tritt zur Zeit in der Schweiz gleich doppelt an die Öffentlichkeit: zum einen beim «Lateinischen Kulturmonat» in St. Gallen. Zum anderen im aargauischen Brugg: Dort findet am 5. November der Schweizerische «Lateintag» statt. Mit Musik, Theater, Wein, Büchern – und mit Workshops. Einer davon heisst «Reden wie Cicero».

1 Kommentar

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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Es gibt den Unterschied zwischen Forum Romanum und z. B. dem plebejischen Circus Maximus. Soll heissen, das Patentrezept, um viele Leute zu erreichen und Einfluss zu nehmen, entspricht dann doch eher LeBon als Cicero: Die Massen werden mit Emotionen bewegt, während Fakten auf wenig Interesse stossen. Komplexe Inhalte oder gar Beweisketten werden nicht honoriert. Die Wortwahl hat sich zwischen den Spielen im Circus Maximus und denjenigen um z. B. die US Präsidentenwahl kaum verändert.
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