30 Jahre Montrealer Protokoll Wie die USA die Ozonschicht retteten

Vor dreissig Jahren wurde ein wichtiges internationales Abkommen beschlossen: das Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht. Es gilt bis heute als das erfolgreichste internationale Umweltabkommen. Beinahe wäre es nicht zustande gekommen.

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Bildlegende: Zum Schutz unseres Planeten: Vor 30 Jahren wurde das Montrealer Protokoll beschlossen. Getty Images

  • Am 14. September 1987 wurde das internationale Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht beschlossen.
  • Es schrieb vor, dass die Produktion von Substanzen, die das Ozon schädigen, gedrosselt werden muss.
  • Das Protokoll gilt seither als erfolgreichstes Umweltabkommen – und diente auch dem Klimaabkommen als Vorbild.

1974 ertönte der Warnruf. Die Ozonschicht sei bedroht: Chemische Stoffe, die als Treibmittel in Spraydosen und als Kühlmittel in Kühlschränken verwendet wurden, könnten aufsteigen und die Atmosphäre zerstören. Diese These stellten die Forscher Sherwood Rowland und Mario Molina auf.

Weckruf mit politischen Folgen

Sie publizierten die These in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Die politische Sprengkraft war ihnen jedoch bewusst, sagt der Wissenschaftssoziologe Reiner Grundmann heute.

«Den Autoren war durchaus klar, dass es eine politische Dimension gab. Die Industrie, die die Stoffe herstellte, wurde sofort Thema: Konnten die Stoffe ersetzt werden? Sollte man die Verwendung politisch regulieren?» Sprich: Die Ozonkiller – die sogenannten FCKW – zu verbieten.

Die Warnung der Forscher kam vor allem in den USA an. «Die ‹New York Times› und andere Qualitätsmedien griffen das Thema auf. Und Rowland startete zusammen mit anderen Wissenschaftlern und Umweltaktivisten eine Kampagne, um die FCKW zu regulieren.»

Die USA – ein Umweltschützer

Doch die Industrie lehnte die Forderungen strikt ab, weil die Warnung der Forscher bloss auf einer Hypothese beruhte. Trotzdem geschah nur drei Jahre später etwas, was aus heutiger Sicht überrascht: Die USA verboten die FCKW in den Spraydosen – als weltweit einziges Land.

Damals war das Land in Sachen Umwelt in vielen Dingen voraus. Und weil die US-Regierung ihre Industrie nicht benachteiligen wollte, drängte sie fortan auf ein globales Ozon-Abkommen.

Mitte der 1980er-Jahre hatte die Ozonschicht über Europa und den USA tatsächlich schon um einige Prozent abgenommen. Doch die meisten Länder, darunter viele europäische, wollten immer noch nicht handeln.

Die Ozonschicht nimmt ab – ein Schock

Die Wende kam 1986. Wissenschaftler hatten beobachtet, dass im Frühling das Ozon über der Antarktis dramatisch abgenommen hatte. Nicht um wenige Prozent, sondern um die Hälfte, sagt der Schweizer Ozonforscher Johannes Staehelin: «Das war eine riesige Überraschung. Das hatte niemand erwartet.»

Nicht nur die Forscher waren überrascht, sagt der Soziologe Reiner Grundmann, der die Geschichte des Ozon-Abkommens untersucht hat.

Auch die Politiker waren überrascht, die damals über ein Abkommen verhandelten: «Das hat für Verwirrung und für Schock gesorgt und für die Bereitschaft, dass man jetzt etwas tun sollte.»

Am Anfang ganz harmlos

Ein Jahr später, 1987, einigten sich die Staaten auf das Montrealer Protokoll. Es schrieb vor, dass die Produktion von Substanzen, die das Ozon schädigen, gedrosselt werden musste.

Allerdings nur einige Substanzen und nur langsam, sagt Ozonforscher Staehelin: «Das ursprüngliche Montreal-Protokoll hatte nicht viel Zähne. Es brachte erst eine geringe Regulierung. Das Erstaunliche war, dass es in den darauffolgenden zehn Jahren drei oder vier Mal verschärft wurde.»

Hautkrebsfälle verhindert

Das Ozonloch über der Antarktis erholt sich langsam. Auch die Ozonschicht über unseren Köpfen ist wieder etwas dichter geworden. Ohne Montreal-Protokoll hätte es in Zukunft einige Millionen mehr Hautkrebsfälle pro Jahr auf der Welt gegeben, so Schätzungen.

Klimaabkommen: der gescheiterte «Nachfolger»

Dieser Erfolg des Montreal-Protokolls hatte Strahlkraft, sagt der Soziologe Reiner Grundmann. Die Staaten, die mittlerweile über ein Abkommen fürs Klima verhandelten, wollten nach demselben Muster vorgehen: «Klein anfangen und dann die Schraube immer ein bisschen weiter andrehen, immer anspruchsvoller werden», so Grundmann.

Aber was beim Ozon funktionierte, ist beim Klima gescheitert. Der Grund: Für Kühlmittel einen Ersatz zu finden, ist relativ einfach. Aber um den Klimawandel zu bremsen, muss die Wirtschaft viel tiefgreifender umgebaut werden. Darum dauert die Rettung vor dem Klimawandel etwas länger.

Sendung: SRF 4 News, Rendez-vous, 14.09.2017, 12.30 Uhr.

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