10 Jahre iPhone Wird das iPhone immer runder?

Das iPhone feiert den 10. Geburtstag. Ecken und Kanten hat es kaum. Denn die mag Designer Jony Ive nicht.

Jony Ive macht mit einem iPhone ein Foto. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Niemand bei Apple könne Designer Ive sagen, was er zu tun hat, meinte Steve Jobs einmal. Reuters

9. Januar 2007: Das Gerät, das später zu Apples erfolgreichstem Produkt werden sollte, hatte keine Tastatur und einen grossen, runden Knopf. Ausgestattet mit einem 3.5-Zoll Bildschirm verzichtete Apple beim iPhone auf viele übliche Smartphone-Bauteile und gab somit den Startschuss für eine neue Generation.

Auch innerhalb von Apple markierte das iPhone eine Wende. Die Werkstatt der Designer wurde mit dem iPhone zu dem Ort, in dem alle zukünftigen Apple-Produkte ihre Reise beginnen würden – obwohl die kreativen Köpfe schon bei der Entstehung von ikonischen Geräten wie dem halbdurchsichtigen iMac G3 grossen Einfluss hatten.

Ein Porträt von Jonathan Ive mit der königlichen Auszeichnung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sir Jonathan Ive wird im Buckingham Palace als «Knight Commander» geehrt, die zweithöchste Klasse des Verdienstordens. Getty Images

Der Geschmack eines Mannes

Verantwortlich für das iPhone-Design war Jonathan («Jony») Ive. Der 49-jährige Chief Design Officer von Apple arbeitet seit den 90er-Jahren für die Firma und gab neben dem iPhone auch iMac, MacBook, iPod und iPad ihre Formen. Ive gehört zu den mächtigsten Leuten des weltweit wertvollsten Unternehmens.

Diese Verantwortung sei ihm oft zu viel, sagte er im Interview mit «The New Yorker» vor zwei Jahren. Es bereite ihm Unbehagen zu wissen, dass 100'000 Apple-Angestellte von seinen Entscheiden abhängen – von seinem Geschmack.

Menschliche Formen

Ives Stil zeichnet sich aus durch Schlichtheit und Zurückhaltung – seine Freunde bei Apple behaupten allerdings, sein persönlicher Geschmack sei viel protziger als das Design vermuten lässt. Fasziniert von Kanten – und besonders davon sie zu umgehen – verwendet er Materialien wie gebogenes Glas.

«Menschen sind soft und Formen sollten es auch sein», sagte einmal der österreichisch-schwedische Architekt Josef Frank, von dem Jonathan Ive grosser Fan ist. Werden zukünftige iPhones demnach softere und rundere Formen annehmen? Werden sie so noch leichter aus der Hand gleiten?

Dick auftragen

Auf Antworten des Maestros wartet man vergeblich. Steve Jobs entschuldigte seinen engen Freund Ive meist bei öffentlichen Ansprachen – eine Befreiung, von der Ive bis heute Gebrauch macht. Er sei schüchtern.

Jony Ive kann jedoch in Kurzvideos dick auftragen. Mit getragener Stimme preist er hier die Vorzüge der neusten Produkte an.

Form folgt Funktion

iPhones und MacBooks tanzen dann in Zeitlupe durch das Video, begleitet von berührender Klaviermusik. Dazu verwendet Jony Ive blumige Adjektive wie «akribisch», «bemerkenswert» und «brillant» und lässt sie mit seinem britischen Akzept – der auch nach über 20 Jahren in Kalifornien intakt ist – pathetisch klingen.

Die Videos sind inzwischen Kult (es gibt zahlreiche Parodien). Und Jonathan Ives Erfolg bleibt ungebrochen. Würde er Apple plötzlich verlassen, fühlten sich die Aktionäre betrogen. So wird er vermutlich noch ein paar weitere iPhones designen. Wie diese aussehen, wissen wir nicht. Doch so viel verrät sein Designmotto: «Form follows function».

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Tageschronik, 9.1.2017, 11:45 Uhr.

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