Lawinenwinter 1999

Vor 15 Jahren führten drei langanhaltende Nordweststaulagen zu intensiven Niederschlägen. Die Neuschneesummen lagen über einen Zeitraum von 30 Tagen verbreitet bei über fünf Metern. Insgesamt gingen in den Schweizer Alpen rund 1550 Schadenlawinen nieder.

Zwischen dem 27. Januar und dem 25. Februar 1999 sorgten drei langanhaltende Nordweststaulagen am Alpennordhang für ergiebige Niederschläge. In der letzten der drei Perioden vom 17. bis am 25. Februar 1999 gab es im Berner Oberland, in der Zentralschweiz, in den Glarner Alpen, im Prättigau und im Samnaun insgesamt mehr als 200 cm Neuschnee. Am meisten Schnee fiel in dieser Zeit im Skigebiet von Elm (knapp 1700 m ü.M.) mit 447 cm.

Staublawine donnert den Berg hinunter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gesprengte Lawine in Anzere. Keystone

Verbreitet 5 Meter Schnee

Innerhalb von 30 Tagen fielen am Alpennordhang verbreitet mehr als 500 cm Schnee. Während den drei Niederschlagsperioden waren die Winde oft stark bis stürmisch. Somit wurden beträchtliche Schneemengen verfrachtet. Zum ersten Mal seit der Einführung der fünfteiligen europäischen Lawinengefahrenskala (1993) wurde über längere Zeit von den beiden höchsten Stufen Gebrauch gemacht. An sechs Tagen wurde die Stufe 5 (sehr gross) prognostiziert. Die Folge dieser aussergewöhnlichen Niederschläge war eine grossflächige, intensive Lawinenaktivität.

Lawine über einer Galerie. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verschüttete Galerie der BLS. Keystone

1550 Schadenlawinen

Insgesamt gingen in den Schweizer Alpen im Winter 1998/1999 rund 1550 Schadenlawinen nieder. Die Gesamtzahl mittlerer und grosser Lawinen ohne Schadenfolge ist nicht bekannt, beträgt aber vermutlich mehrere Tausend. Besonders ausgeprägt waren die Waldschäden. In den Kantonen Bern, Uri und Glarus wurden gebietsweise 120 bis 200-jährige Bestände geschlagen. Im Verhältnis zur grossen Lawinenaktivität wurden 1999 nur wenige Personen bei nicht-touristischen Unfällen erfasst (28) oder getötet (17). Insgesamt verschütteten über 100 Lawinen auch Verkehrswege.

Galtür stark betroffen

Besonders hart traf es das grenznahe Ausland. Im Österreichischen Galtür und im naheliegenden Weiler Valzur kamen bei Lawinenniedergängen insgesamt 38 Personen ums Leben.

Tiefverschneiter Hang mit nur knapp sichtbaren Lawinenverbauungen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Überfüllte Lawinenverbauungen am 25.2.1999 am Murstock, Prättigau SLF/T.Russi

Weitere schwere Lawinenwinter

Seit dem Jahre 1500 gab es mehrere verherende Lawinenwinter. Seit Beginn der systematischen Beobachtungen 1940/41 wurden neben 1999 in den Wintern 1950/51 und 1974/75 am meisten Schadensmeldungen registriert. Weitere zerstörerische Lawinenwinter wurden aus den Jahren 1888, 1808, 1749, 1720, 1689, 1598 und zwischen 1566 und 1576 überliefert.

Quellen:

  • Wiesinger, T.; Adams, M., 2007: Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen. Winter 1998/1999. Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr. Winterbericht SLF. Davos, Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. 233 S.
  • Pfister, Ch.; Wetternachhersage, 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen, Seite 158 bis 261.