Zum Inhalt springen

Header

Audio
Manchmal digital, mehrheitlich analog: Lehrmittel an unseren Schulen.
abspielen. Laufzeit 08:01 Minuten.
Inhalt

Bildungswesen Digitalisierung der Schule: So bald werden wir das Buch nicht los

Die Schulen wurden im Shutdown zur Digitalisierung gezwungen. Was ist davon geblieben? Lehrmittel – in gedruckter Form.

Für das Monitoring zur Digitalisierung, Link öffnet in einem neuen Fenster der Bildung befragte die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung rund 6000 Schüler und Schülerinnen. Nur ein Fünftel gab an, dass an ihrer Schule täglich digitale Lehrplattformen zum Einsatz kommen. Gedruckte Lehrmittel sind also Standard. Und das, obwohl wir viele andere Medien längst komplett digital konsumieren.

Langsam mahlende Lehrmittel-Mühlen

Ein Grund für den Rückstand ist die Komplexität unseres Bildungswesens mit seinen vielen Protagonisten, die alle mitreden wollen (und sollen). Deshalb braucht es Jahre, um ein Lehrmittel zu entwickeln. Ob dieses dann «digital» ist, hängt von der Definition ab.

Lehrmittel-Verlage fahren zweigleisig

Box aufklappenBox zuklappen

Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, fahren die Lehrmittel-Verlage zweigleisig. Sie drucken ein Lehrmittel, bieten es aber auch elektronisch an. Die meisten Schulen bevorzugen es aber analog. Beim Zürcher Lehrmittelverlag etwa bestellen – abhängig vom einzelnen Produkt – rund 80 Prozent der Schulen und Lehrpersonen ein Lehrmittel in gedruckter Form.

Für viele Lehrpersonen ist bereits PDF digital. Für andere gehört zur digitalisierten Schule zum Beispiel eine Plattform, auf der sie «auf Knopfdruck» alle Lehrmittel auf die verschiedenen Schulen und Fachschaften verteilen können.

Nur noch analog geht bei kaum einem Verlag mehr

Trotz der zurückhaltenden Digital-Strategie der meisten Verlage gibt es vereinzelte Lehrmittel, die nur noch digital angeboten werden.
Beim Zürcher Lehrmittelverlag, Link öffnet in einem neuen Fenster zum Beispiel für das haptische Fach «Textiles und technisches Gestalten». Es beinhaltet zehn Projekte, bei deren schrittweisen Umsetzung die Schülerinnen und Schüler durch Videos- und Fotos unterstützt werden.

Ein anderes Beispiel ist «My Skill Box, Link öffnet in einem neuen Fenster» des Berner Hep Verlags, eine Onlineplattform für die Lernbereiche «Gesellschaft» und «Sprache und Kommunikation».Oft kommen unkonventionelle Ideen für neue Lehrmittel von den Lehrpersonen selber – oder auch von pädagogischen Fachhochschulen. Die des Kantons Thurgau etwa hat zusammen mit der FH Graubünden ein Pilotprojekt durchgeführt mit einem fächerübergreifenden, digitalen Lehrmittel.

Lehrmittel – nie fertig, immer im Fluss

Mit «Base Camp, Link öffnet in einem neuen Fenster» erstellen SchülerInnen von Hand Skizzen für einen Fisch («Biologieunterricht»). Die Skizzen dienen als Vorlage, um den Fisch zu modellieren – im Fach «bildnerischen und technisches Gestalten».

Im dritten Schritt scannen die SchülerInnen ihre bunt bemalten physischen Fische mit dem Smartphone und erstellen so ein digitales 3D-Modell, mit dem sie den Fisch im Fach «Medien und Informatik» animieren. Was auf Papier begann, schwimmt am Schluss im Computer.

«Base Camp» zeigt, was möglich ist mit einem digitalen Lehrmittel und was «digital» bedeuten kann: Das Lehrmittel ist anpassungsfähig, nie fertig – es «wächst» mit den Schülerinnen und Schülern mit und kann bei Bedarf auf verschiedenes Vorwissen und Fähigkeiten der einzelnen Kinder eingehen.

Von mehrheitlich analog zu mehrheitlich digital

Viele Verlage entscheiden sich derzeit für die digitale Ausgabe eines Lehrmittels, wenn es pädagogisch Sinn macht. Diese Prämisse wird sich irgendwann wohl umdrehen: Die vorherrschende Form wird digital sein – wenn es pädagogisch Sinn macht, gibt es ein gedrucktes Buch dazu.

Bis dann haben die Schulen noch etwas Zeit, ihre Infrastruktur fit zu machen für digitale Lehrmittel. Es gibt Nachholbedarf. In der am Anfang erwähnten Umfrage gaben rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, dass es an ihrer Schule kein Internet gibt. Knapp die Hälfte von ihnen sagte, es gäbe zwar Internet – aber es sei zu langsam.

SRF 4 News, 2. Juli 2021

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Luis Luethi  (Lusi)
    Danke für den spannenden Beitrag. Können sie eine Quellenangabe für den Beitrag zu Basecamp bereitstellen? Ich würde gerne Kontakt mit den Autoren aufnehmen. Dabei hilft ein Youtube Verweiss nicht sonderlich.

    Freundliche grüsse
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Luis Luethi
      Guten Tag Herr Luethi
      Hier finden Sie weitere Informationen: www.phtg.ch/hochschule/die-phtg/qualitaetsentwicklung/seite-detailansicht/person/damian-miller/
      Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Luciano Rousseau  (LLR)
    Es ist erwiesen, dass Kinder mit digitalen Lehrmitteln weniger aufnehmen können als mit physischen Lehrmitteln. Wenn das Ziel ist, die Kinder mit weniger Wissen aufzuziehen, dann machen die Behörden, Pädagogen und Verlage alles richtig.
    Wenn man ihnen aber Wissen für die Zukunft mitgeben will, sollte man auf digitale Unterrichtsstunden weitestgehend verzichten.
  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Das ist auch gut so.
    Stellen wir uns mal vor, alle Schüler der Welt würden einen Laptop nutzen. Wer kommt für die Stromrechnung auf - und wer für die Herstellung von Strom?
    CO2-Gleichgewicht von diesen Geräten? Was wenn sie ersetzt werden müssen - wer beseitigt die Altgeräte? Dann kommen Microsoft & Co. und wollen immer wieder einen Update - das kostet Geld ohne Ende.
    Freundliche Grüsse, ee