Der Bundesrat will die rechtliche Situation von Transmenschen und Menschen mit einer Geschlechtsvariante verbessern. Die Änderung des Geschlechts und des Vornamens im Personenstandsregister sollen mit einer einfachen Erklärung möglich werden.

SRF hat mit Justizministerin Simonetta Sommaruga über die Beweggründe des Bundesrats für diese Anpassung des Zivilrechts gesprochen.

SRF News: Jetzt kommen die Kritiker und sagen, Sie nehmen viel zu viel Rücksicht auf eine kleine Minderheit. Was antworten Sie ihnen?

Simonetta Sommaruga: Zahlenmässig geht es tatsächlich um wenige Menschen. Aber für die Betroffenen, die sich nicht identifizieren können mit dem Geschlecht, das man ihnen als Kind zugeteilt hat, ist der Leidensdruck sehr gross. Ich glaube, für diese Menschen ist dieser Schritt ganz wichtig, denn wir können ihnen wirklich eine grosse Erleichterung verschaffen.

Sie schlagen den Bogen von der Patchwork-Familie bis zu den Transmenschen. Kann die Politik und die Gesetzgebung all diesen Phänomenen und Identitäten gerecht werden?

Das Zivilrecht ist vor über 100 Jahren entstanden. Es bildet heute in verschiedener Hinsicht die Realität der Menschen nicht mehr ab. Darum haben wir auch in den letzten Jahren Revisionen gemacht. Wir schauen, dass sich die traditionelle Familie im Gesetz wiederfindet, aber auch Patchwork-Familien, Regenbogen-Familien, Homosexuelle, Heterosexuelle und jetzt eben auch Transmenschen. Es ist ganz wichtig, dass wir Schritt für Schritt schauen, dass das Zivilrecht für alle da ist. Und heute hat der Bundesrat einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht.

«  Diese Fragen, gerade von Transmenschen mit Geschlechtsvarianten, das ist neu auf dem politischen Parkett.  »

Wäre es denn nicht einfacher und vor allem ehrlicher, wenn direkt das dritte Geschlecht eingeführt würde wie in Deutschland?

Der Bundesrat hat gesagt: wir machen diesen Schritt (mit der einfachen Änderung im Personenstandsregister, Anm. d. Red.). Das dritte Geschlecht möchte der Bundesrat nicht einfach einführen. Er ist bereit, dazu einen Bericht zu erstellen.

Man muss sich bewusst sein: Diese Fragen, gerade von den Transmenschen mit Geschlechtsvarianten, das ist neu auf dem politischen Parkett. Und ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir das jetzt Schritt für Schritt anschauen und nicht gleich alles miteinander abhandeln.

Das Gespräch führte Georg Häsler.