Mit einem offenen Brief an die Fifa schlägt eine internationale, 20-köpfige Wissenschaftsgruppe Alarm. Grund sind die hohen Temperaturen, die während der Fussballweltmeisterschaft der Herren erwartet werden – und deren mögliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. In dem Brief werden die bisherigen Massnahmen als «inakzeptabel» bezeichnet.
Der Bericht von RSI mit deutschen Untertiteln
Erstmals seit 32 Jahren findet die WM wieder auf dem nordamerikanischen Kontinent statt, in Mexiko, Kanada und den USA. Gemäss einer Analyse von World Weather Attribution könnte das Thermometer bei etwa einem Viertel aller Spiele den Index für die thermische Belastung des Körpers bei 26 Grad überschreiten.
Bei fünf Spielen sogar 28 Grad – ein kritischer Punkt für die Gesundheit. Gemessen wird dies im sogenannten WBGT (Wet Bulb Globe Temperature). Dabei handelt es sich um die Kombination von Temperatur, Feuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung.
Reichen die jetzigen Massnahmen?
Die Fifa hat für jedes Spiel bisher eine obligatorische Pause von drei Minuten pro Halbzeit vorgesehen. Dazu klimatisierte Bänke für den technischen Stab und eine konstante Überwachung des WBGT-Index. Für Fans sollen zudem Schattenbereiche, Vernebelungssysteme und Wasserstellen geschaffen werden. Zudem soll es möglich sein, versiegelte Flaschen in Stadien mitzubringen. Des Weiteren, so die Fifa, soll der Spielplan angepasst werden, um möglichst wenige Spiele dann auszutragen, wenn es am heissesten ist.
In dem wissenschaftlichen Brief wird jedoch noch mehr gefordert, darunter doppelt so lange Abkühlungspausen oder das Verschieben beziehungsweise das Aussetzen einzelner Spiele.
Bereits 1994 ein Problem
Gefahr droht nicht nur den Fussballspielern, sondern auch allen Mitarbeitenden, Freiwilligen und den Fans, die stundenlang der Sonne ausgesetzt sind – etwa beim Anstehen.
Zu den gefährdetsten Regionen zählen etwa die Stadien im Süden der USA oder in Mexiko, namentlich Miami, Dallas, Houston, Atlanta, Monterrey und Mexiko-Stadt. Dort liegen die Temperaturen oftmals über 30 Grad und es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bereits an der WM 1994 in den USA waren Temperaturen von über 40 Grad Celsius gemessen worden.
Die Fifa hat nicht direkt auf den Brief reagiert, verteidigt jedoch die derzeit geplanten Massnahmen.
In Mexiko hat das Klima während der WM bereits in der Politik seine Kreise gezogen. Vergangene Woche hatte der Bildungsminister erklärt, das Schuljahresende um einen Monat vorziehen zu wollen. Als Argumente lieferte er einerseits die logistischen Auswirkungen des Fussballevents, andererseits die zu erwartende Hitzewelle. Dies führte zu Protesten von Eltern und Schulverbänden, sodass auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum intervenieren und die Massnahmen zurückziehen musste.
Die Fussballweltmeisterschaft der Herren findet dieses Jahr vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt. Das erste Spiel der Schweiz findet am 13. Juni statt.