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Nach Mord an Mädchen «Justiz, wach auf!»: Proteste in ganz Frankreich

Ein Mord hat in Frankreich eine Protestwelle ausgelöst. Nun lässt der Justizminister Zehntausende Fälle überprüfen.

Mehrere Tausend Menschen haben am Montagabend in ganz Frankreich gegen die Rolle der Justiz im Mordfall Lyhanna demonstriert. Die Proteste richteten sich auch gegen den Umgang mit sexueller Gewalt im Allgemeinen.

Der Fall Lyhanna

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Lyhanna, eine 11-jährige Schülerin aus einer Ortschaft mit 6000 Einwohnern im Süden Frankreichs, war Ende Mai vor ihrer Schule verschwunden. Wenige Tage später wurde ihre Leiche in einem Landwirtschaftssilo gefunden.

Der Hauptverdächtige, ein 41-jähriger Mann, kannte Lyhanna, weil sie mit seiner eigenen Tochter befreundet war. Er wurde wegen Verdachts auf Entführung und Freiheitsberaubung angeklagt und in Untersuchungshaft genommen. Er hatte im landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet, in dem die Leiche gefunden wurde.

Der Mann soll bereits früher Gegenstand mehrerer Anzeigen oder Meldungen gewesen sein. Eine Anzeige wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen war ohne Folgen geblieben.

In über 160 Städten versammelten sich die Menschen, so auch vor dem Justizministerium in Paris. Es wurden Rücktrittsforderungen gegen Justizminister Gérald Darmanin laut.

Menschenmenge mit Protestschildern.
Legende: «Schützt unsere Kinder»: Demonstration in Paris (8.6.2026). REUTERS / Gonzalo Fuentes

Dieser räumte Versäumnisse ein: «Es mangelt uns weder an Gesetzen noch an Mitteln. Wir haben dem Thema Vergewaltigung von Minderjährigen nicht die nötige Priorität gegeben», sagte er bei einer Ansprache. Als erste Massnahme habe er angeordnet, dass 70'000 offene Fälle und Meldungen nun bearbeitet und geprüft werden sollen.

Person im Anzug steht in elegantem Raum mit Büchern, Scheinwerferbeleuchtung im Hintergrund.
Legende: 70'000 offene Fälle sollen nun geprüft werden: Justizminister Gérald Darmanin. REUTERS / Gonzalo Fuentes

Zu den Protesten aufgerufen hatten zahlreiche Frauen- und Kinderrechtsorganisationen. «Gebt uns die Justiz zurück», «Für die Opfer ist die Strafe unverjährbar» oder «Wenn ein Kind um Hilfe ruft, ist jedes Schweigen zusätzliche Gewalt», war auf den Plakaten an der Demonstration in Paris zu lesen.

In Frankreich kocht die Wut hoch

«Die Aussagen von Kindern werden überhaupt nicht ernst genommen, die Justiz stellt die Unschuldsvermutung viel stärker in den Vordergrund als die Aussagen der Opfer», sagt eine der Organisatorinnen der Kundgebung in der Stadt Agen in Südfrankreich, deren Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zum Tod von Lyhanna führt. Auch dort versammelten sich mindestens tausend Menschen vor dem Justizgebäude, unter ihnen Kinder.

Prominente an Kundgebung

Eine Kundgebung vor dem Justizministerium in Paris fand trotz polizeilichem Verbot statt. «Wovor haben sie Angst? Vor der Wut der Frauen und Kinder?», sagte dazu die Präsidentin der Frauenrechtsorganisation Fondation des femmes. Anwesend waren auch zahlreiche prominente Schauspielerinnen und Aktivisten. Ein Polizeiaufgebot schützte das Gebäude des Justizministeriums.

Die Wut über den Fall der getöteten Lyhanna fällt in den Kontext der Debatte über sexuelle Gewalt im Zusammenhang mit Anschuldigungen gegen den bekannten Sänger Patrick Bruel. Dieser wurde kürzlich in Polizeigewahrsam genommen, nachdem zahlreiche Frauen ihm Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen vorgeworfen hatten.

«Was ist gefährlicher, eine Regierung und eine Justiz, die Vergewaltiger frei herumlaufen lassen, oder eine Demonstration von Pazifisten, die dafür sorgen werden, dass die Welt wieder ins Lot kommt?», sagte in Paris die Fernsehmoderatorin Flavie Flament, die gegen Bruel Anzeige erstattet hatte.

Mehrere Organisationen fordern nun die Verabschiedung eines umfassenden «Gesetzes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder». Der Vorschlag für dieses Gesetz war bereits Ende 2025 eingereicht worden, bisher aber nie geprüft worden.

RTS, 8.6.2026, 19:30 Uhr ; 

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