1500 Brennstäbe werden umgelagert

In der Atomruine Fukushima hat die Bergung von rund 1500 Brennstäben begonnen. Die Aktion soll ein Jahr dauern und ist nicht ungefährlich: Die Brennstäbe dürfen nicht beschädigt werden, sonst droht eine neue Verstrahlung.

Weiss gekleidete Tepco-Arbeiter stehen um einen castorähnlichen, zylinderförmigen, etwa 5 Meter hohen Behälter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit grösster Vorsicht werden die Brennstäbe in Reaktor 4 geborgen. Reuters

In der Atomruine Fukushima hat die riskante Bergung von rund 1500 Brennstäben aus dem Abklingbecken eines der beschädigten Reaktorgebäude begonnen. Die Brennstäbe gelten neben den täglich zunehmenden Massen verseuchten Wassers mit als grösste Gefahrenquelle auf dem AKW-Gelände.

Bergung der 1500 Brennstäbe dauert ein Jahr

Die Bergung wird voraussichtlich ein volles Jahr dauern. Diese müsse mit «höchster Vorsicht» erfolgen, erklärte der Chef der japanischen Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka. Die Arbeiter sollen die 1331 abgebrannten sowie 202 unbenutzten Brennstäbe einen nach dem anderen mit einer Spezialvorrichtung in einen castorähnlichen Behälter hieven. Dieser Vorgang geschieht in dem Becken unter Wasser.

Sobald der Container mit 22 der 4,5 Meter langen Brennstäbe gefüllt ist, wird er mit einer Kranvorrichtung auf einen LKW gehoben. Dieser bringt ihn dann zu einem anderen Gebäude in rund 100 Meter Entfernung, wo die Brennstäbe laut Tepco sicherer als bisher in einem Abklingbecken gelagert werden können.

Tepco spielt Gefahr herunter

«Abgebrannter Brennstoff birgt potenziell ein sehr grosses Risiko», sagte Chef-Atomaufseher Tanaka kürzlich zu der nun begonnenen Bergung. Er selbst sei darüber mehr besorgt als über das Problem mit den riesigen Mengen verstrahlten Wassers.

Der AKW-Betreiber Tepco seinerseits versicherte, dass eine erneute Katastrophe samt Kernspaltung sehr unwahrscheinlich sei. Die für die Bergung installierten Spezialvorrichtungen sollen sicherstellen, dass keine Brennstäbe versehentlich herunterfallen. Selbst wenn ein Brennstab brechen und Strahlung freigesetzt würde, bestehe kein grosses Strahlenrisiko für die Umgebung des AKW, so Tepco.

Bergung der Brennstäbe in Fukushima (unkomm.)

0:29 min, vom 18.11.2013

400 Tonnen atomarer Brennstoff

Kritiker sind jedoch angesichts immer wieder auftretender Pannen wie Lecks in Tanks mit hochgradig verseuchtem Wasser von den Fähigkeiten Tepcos nicht überzeugt: Kernkraftgegner warnen, die rund 400 Tonnen Brennstoff könnten das Tausendfache an Strahlung der Atombombe von Hiroshima freisetzen.

Experten halten das jedoch für abwegig, zumal sich die Brennstäbe in dem Becken in den vergangenen drei Jahren längst ausreichend abgekühlt hätten. Der Reaktor 4 war zum Zeitpunkt des Erdbebens am 11. März 2011 wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Daher war es auch nicht wie in den Reaktoren 1 bis 3 zu Kernschmelzen gekommen.

Trümmerteile des Daches im Abklingbecken

Das Gebäude wurde jedoch beschädigt und das Dach über dem im obersten Stockwerk gelegenen Abklingbecken bei der Wasserstoffexplosion zerstört. Dabei fielen Trümmerteile in das Wasserbecken mit den Brennstäben. Dies könnte nun zu Problemen führen, falls sich solche Trümmer beim Herausziehen der Brennstäbe verkeilen. In diesem Fall könnten die Brennstäbe beschädigt werden.

Rückbau dauert Jahrzehnte

Die Umlagerung gilt als erster grosser Schritt zur Stilllegung des AKW. Der vollständige Rückbau der Anlage dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern. Nach Ansicht der Regierung kann frühestens in etwa zehn Jahren damit begonnen worden, die Kerne der Reaktoren 1 bis 3 zu entfernen. Wegen der extremen Strahlung weiss jedoch niemand, wo sich der geschmolzene Brennstoff überhaupt befindet. Er dürfte sich bei der Kernschmelze durch den Kernmantel hindurch in den Boden gefressen haben.

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