16'000 neue Gefängniszellen für Frankreich?

Übervolle Gefängnisse gelten als Brutstätte für terroristisches Gedankengut. Dem will Frankreichs Justizminister entgegenwirken: Bis 2025 brauche es massiv mehr Zellen.

Dass sich Gefangene bisweilen hinter Gittern radikalisieren, ist bekannt. Nun will Frankreichs Justizminister Jean-Jacques Urvoas gegen die übervollen Gefängnisse im Land vorgehen. Er sieht Bedarf für den Bau von rund 10'000 bis 16'000 neuen Zellen bis 2025.

Die Unterbringung in Einzelzellen sei auch ein Mittel, um das Abgleiten von Häftlingen in den Fanatismus zu verhindern, sagte Urvoas bei der Vorstellung seiner Vorschläge in der Justizvollzugsanstalt Fresnes südlich von Paris. Über die Umsetzung muss noch entschieden werden.

Blick durch eine Gefängnistüre durch, Wärter im Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es war eine Medienkonferenz der anderen Art: Justizminister Urvoas informierte direkt im Gefängnis Fresnes. Keystone

Notorisch überbelegt

Anfang August kamen in Frankreich knapp 69'000 Inhaftierte auf 58'500 Gefängnisplätze. Manche Haftanstalten beherbergen doppelt so viele Gefangene wie vorgesehen. Das Land wurde deshalb bereits vom Europarat kritisiert. Eigentlich hatte ein Gesetz schon 1875 das Prinzip der Unterbringung in Einzelzellen festgeschrieben, es wurde aber nie eingehalten.

Das Thema hat durch Beispiele islamistischer Attentäter an Brisanz gewonnen, die sich im Gefängnis radikalisiert haben sollen. Einer der beiden Brüder, die den Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» verübten, lernte den Komplizen, der kurz darauf einen jüdischen Supermarkt angriff, im Gefängnis kennen. In fünf französischen Gefängnissen gibt es inzwischen spezielle Trakte für Radikalisierte.