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International 168 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen

Nicht alle Kinder können auch tatsächlich Kinder sein: Elf Prozent der 5- bis 17-Jährigen weltweit gehen nicht spielen oder lernen, sondern arbeiten – viele von ihnen unter gefährlichen Bedingungen. Trotzdem sieht eine aktuelle Studie grosse Fortschritte.

Legende:
Kinderarbeit zwischen 2000 und 2012 Arbeitende Jungen und Mädchen im Alter zwischen 5 und 17 Jahren. ilo.org

Im Bergwerk, in der Fabrik, in der Landwirtschaft – weltweit gibt es nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) etwa 168 Millionen Kinderarbeiter. Damit müssen elf Prozent aller 5- bis 17-Jährigen arbeiten – mehr als die Hälfte von ihnen unter Bedingungen, die ihre Gesundheit oder Sicherheit gefährden. Dies geht aus einem Bericht der ILO für das Jahr 2012 hervor.

Dazu zählen etwa Arbeiten mit gefährlichen Gerätschaften, in der Nacht, unter Wasser oder unter Tage sowie sexuelle Ausbeutung. Als Kinderarbeiter gilt, wer mehr als nur leichten oder auf wenige Stunden begrenzten Tätigkeiten nachgeht – auch unbezahlt.

Besserer Arbeitsschutz für Kinder

Im Kampf gegen die Kinderarbeit gibt es aber Fortschritte. Seit Beginn der ILO-Statistiken im Jahr 2000 habe die Kinderarbeit um ein Drittel abgenommen, teilten die Macher der Studie mit. Im Vergleich zu damals gab es 2012 beinahe 78 Millionen weniger Kinderarbeiter.

Vor allem bei den Mädchen war der Rückgang erheblich: Den Schätzungen zufolge müssen von ihnen inzwischen 40 Prozent weniger arbeiten. Bei den Jungen waren es 25 Prozent.

Immer mehr Staaten bekennen sich der Organisation zufolge zu einem besseren Arbeitsschutz für Kinder, setzen zum Beispiel ein Mindestalter für Beschäftigte fest oder verbieten die schlimmsten Formen der Kinderarbeit per Gesetz.

Zwei Kinder schleppen Materialsäcke
Legende: Zahlenmässig gibt es in Asien und im Pazifikraum am meisten Kinderarbeiter. Hier zwei Minderjährige auf den Philippinen. Keystone

Erfolge, aber nur langsam

2008 und 2009 habe die Kinderarbeit selbst angesichts einer globalen Wirtschaftskrise abgenommen – dies zeige, dass eine positive Entwicklung nicht nur vom Wirtschaftswachstum abhänge, sondern auch vom politischen Willen, resümiert der Bericht.

Allerdings stellen sich diese Erfolge für die ILO zu langsam ein. Das Ziel, bis 2016 die gefährlichsten Formen von Kinderarbeit ganz zu beseitigen, werde definitiv nicht erreicht.

Nicht nur Problem der armen Länder

Zahlenmässig leben die meisten Kinderarbeiter in Asien und im Pazifikraum. Prozentual ist ihr Anteil jedoch in Afrika südlich der Sahara am höchsten, dort arbeitet jedes fünfte Kind.

Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz, nennt der «Tagesschau» mehrere Gründe für den Rückgang – unter anderem «die grossen Investitionen in Bildung von Seiten der Entwicklungsorganisationen und der Staaten».

Nach ILO-Angaben ist Kinderarbeit nicht nur ein Problem der ärmsten Länder oder der armen Haushalte innerhalb eines Landes. In absoluten Zahlen betrachtet, lebten sogar die meisten Kinderarbeiter in Ländern mit mittlerem Nationaleinkommen. Ein Phänomen, das auch Müller beobachtet. «In den europäischen Ländern mit den zunehmenden Sorgen und Nöten der Familien hat Kinderarbeit wieder zugenommen.» Als Beispiel nennt sie Griechenland. «Das bereitet uns Sorgen.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Die Kinder-NICHT-Arbeit hat sich erst in den letzten 8o Jahren etabliert und auch nicht bei Allen... man kann unser Verwoehnsystem nicht auf alle Nationen uebertragen.. es gibt Orte wo die Kinder zum UEBERLEBEN gebraucht werden
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @F.NANNI/Haben Sie irgend eine Ahnung wie dieses Leben NACH dem UEBERLEBEN aussehen soll?Leben einfach um zu Überleben,und Kinder zeugen,damit man selbst überleben kann.Diese wiederum,zeugen Kinder damit sie selbst wenigstens überleben können usw.unsf.Frauen als"Gebärapparate"die wie Maschinen ein sinnloses Perpetuum Mobile in Gang halten?.Ein Leben voller Herrlichkeit?Hauptsache leben?Und sei es nur als Dreck?Was liegt dazwischen?Religionen die Vermehrung proklamieren.Egal wie,wozu,warum?
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      @F.NANNI/Gegenwärtig beschäftigen sich diese jedoch(Kirchen),wie wir sehen können vor allem damit,ihre Wahrheitsansprüche/Dogmen zu verteidigen.Sie entfernen sich damit Meilenweit von ihrem Kernthema DIE LIEBE(allumfassend/nicht auf Sex bezogen).Ohne Liebe aber ist menschliche(materielle)Existenz nicht möglich.Bleibt nun die Frage,unter welchen Lebensbedingungen sie sich entfalten/wachsen kann.Unter Ausbeutung,Elend,Unterdrückung?Oder durch Empathie,Wertschätzung,Solidarität,Verantwortungsbew.?
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    3. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      A Kaeser, gut geschrieben..! Nur man muss die Tatsachen sehen, WIR haben keinen Einfluss auf die Voelker, und ein Mehrpreis fuer Kleider geht garantiert in die Taschen der Grossklotzer. Das Problem ist nach wie vor die Ueberbevoelkerung der Welt und die masslose Zuwachs-manie der Wirtschaft.
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    4. Antwort von A.Käser, Zürich
      @F.NANNI/Gehe mit Ihnen einig.Der Weg zu einer liebevolleren Gesellschaft kann nur über einen Prozess der Bewusstwerdung der Liebe und über unendlich viele kleine Taten in diese Richtung unter Einbezug einer Eigenverantwortung,erreicht werden.Ein unsinniges,rasches,ungehemmtes Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Wachstums-Manie der Wirtschaft stehen der Entwicklung zur Liebe,diametral gegenüber und verhindern diese(egoistische Absichten).Ohne Liebe wird kein Überleben möglich sein.
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