29 Migranten vor Lampedusa erfroren

Eine neue Flüchtlingstragödie erschüttert Italien. Mindestens 29 Flüchtlinge sind bei einer Mittelmeer-Überfahrt in Richtung Lampedusa erfroren. Extreme Wetterbedingungen erschwerten die Rettungsarbeiten.

Helfer und Flüchtlinge auf Rettungsboot Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Einige Bootsflüchtlinge konnten von der Küstenwache gerettet werden. Doch für viele kam jede Hilfe zu spät. Keystone/Archiv

Bei extremen Wetterbedingen sind vor der italienischen Insel Lampedusa mindestens 29 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Sie starben während der Überfahrt von Libyen nach Italien in einem kaum seetüchtigen Boot an Unterkühlung, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Die italienische Küstenwache, die den Migranten trotz starker Winde und hoher Wellen zur Hilfe eilte, kritisierte, dass die Schlepper trotz schlechten Wetters Flüchtlinge losschickten.

Nach Angaben der Küstenwache geriet das Boot mit mehr als 100 Menschen an Bord in der Nacht zum Montag in Seenot und setzte einen Notruf ab. Zwei Motorboote der Küstenwache eilten den Menschen zur Hilfe und brachten die Flüchtlinge in Sicherheit. Für 29 von ihnen kam jede Hilfe zu spät, sie starben an Unterkühlung.

Bis zu neun Meter hohe Wellen

Die italienische Küstenwache berichtete über eine Rettungsaktion unter schwierigsten Bedingungen, unter anderem wegen bis zu neun Meter hohen Wellen. «Es ist ein Wunder, dass wir in dieser Situation noch dutzende Menschen retten konnten. Die Rettungsmannschaften haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt», sagte ein Sprecher der Küstenwache.

Unter dem Druck der neuen Flüchtlingstragödie wächst in Italien die Forderung nach einer Ausdehnung des von der EU-Grenzschutzagentur Frontex koordinierten Mittelmeer-Einsatzes «Triton». Dieser hatte im November Italiens Hilfsprogramm für Flüchtlinge im Mittelmeer, «Mare Nostrum», ersetzt. Menschenrechtler hatten davor gewarnt, dass sich «Triton» mehr auf die Abschreckung als auf die Rettung von Flüchtlingen konzentriere. «Mare Nostrum» hatte in einem Jahr weit mehr als 100'000 Menschen gerettet.

«Triton-Einsatz reicht nicht»

Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, erklärte sich über die neue Flüchtlingstragödie erschüttert. «Dieses neue Drama beweist, dass der Triton-Einsatz nicht genügt, um Menschenleben zu retten», sagte Nicolini. «Die 366 Toten von Lampedusa haben nicht geholfen, die Worte des Papstes haben nicht geholfen, wir sind wieder da, wo wir vor Mare Nostrum waren. Das ist die Realität.»

Im Oktober 2013 war ein Flüchtlingsboot vor Lampedusa gekentert. Dabei waren 366 Flüchtlinge ums Leben gekommen.

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