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Legende: Video Weiteres Flüchtlingsdrama vor Süditalien abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.06.2014.
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International 30 Flüchtlinge bei Überfahrt erstickt

Die italienische Küstenwache hat vor Sizilien ein Schiff mit 30 Leichen entdeckt. Sie seien auf dem Boot erstickt. Die Überfahrten seien noch gefährlich geworden, seitdem immer mehr Menschen in ein Boot gepfercht würden, sagt SRF-Italien-Korrespondent Massimo Agostinis.

Auf einem Flüchtlingsboot vor der Küste Siziliens sind rund 30 Leichen entdeckt worden. Das teilte die italienische Küstenwache mit. Die Leichen befanden sich auf einem Schiff mit rund 590 Flüchtlingen. Früher, mit kleineren Booten, seien die Überfahrten schon sehr gefährlich gewesen; nun jedoch würden die Passagiere so in die Boote gepfercht, dass sogar Erstickungsgefahr drohe, sagt SRF-Italien-Korrespondent Massimo Agostinis. Zwei schwangere Frauen und mehrere Notfallpatienten wurden umgehend an Land gebracht, wie die Küstenwache mitteilte.

Die italienische Marine brachte am Wochenende nach offiziellen Angaben rund 5000
Bootsflüchtlinge in Sicherheit.

9000 Kinder aufgegriffen

Die Behörden sprachen von sieben Schiffen mit Flüchtlingen, die vor den italienischen Küsten aufgegriffen wurden. Damit stieg die Zahl der Flüchtlinge, die in diesem Jahr aus Nordafrika kommend in Italien eintrafen, auf mehr als 60'000.

Vor ein paar Jahren, zur Zeit der tunesichen Revolution, kamen vor allem junge Männer nach Europa. Mit dem Bürgerkrieg in Syrien habe sich das geändert, sagt Agostinis: «Zurzeit verzeichnet man eine grosse Zunahme von Flüchtlingen aus Syrien. Meistens sind es grosse Familien, die die Überfahrt nach Italien wagen.»

Die Hilfsorganisation Save the Children machte zudem darauf aufmerksam, dass unter den in diesem Jahr aufgegriffenen Flüchtlingen bereits mehr als 9000 Kinder seien. Bisweilen seien sogar Kinder auf den Flüchtlingsschiffen, die noch nicht fünf Jahre alt seien und die nicht von Angehörigen begleitet würden.

«Europas gemeinsame Sache»

Nachdem im Jahr 2013 bei verschiedenen Flüchtlingsdramen mehr als 400 Menschen ertrunken waren, hat die italienische Marine die Operation «Mare Nostrum» gestartet, mit der ein rechtzeitiges Auffinden Schiffbrüchiger gewährleistet werden soll.

Mare Nostrum bringe tatsächlich etwas, sagt der Italien-Korrespondent. «Es sinken weniger Flüchtlingsboote als vorher. Viel mehr Menschen werden gerettet.» Allerdings halte diese Operation Flüchtlinge nicht von der Flucht ab; der Zustrom von Flüchtlingen geht weiter.

Italien registriert die Flüchtlinge nicht

Der italienische Innenminister Angelino Alfano erklärte, er erwarte von den anderen europäischen Staaten, dass sie die Aufnahme der Bootsflüchtlinge als gemeinsame Sache betrachten. Dies vor dem Hintergrund, dass der italienische Geheimdienst befürchtet, dass im Hinterland von Libyen 500'000 bis 600'000 Menschen auf eine Überfahrt warteten, wie Agostinis sagt.

Die Forderung Italiens nach mehr Solidarität von Europa sei nur zum Teil berechtigt, meint Massimo Agostinis: «Einerseits erhält Italien mehrere Millionen pro Jahr, damit es diese Menschen betreut. Andererseits müsste das Land alle Flüchtlinge erfassen und gemäss Schengen-Regelung auch bei sich behalten.» Doch Italien habe das Gefühl, von Europa in Stich gelassen zu werden; deshalb erlaube es den Flüchtlingen, in den Norden zu gelangen. «Von dort können sie nicht nach Italien zurückgeschickt werden, denn man weiss nicht, dass sie dort an Land gekommen sind.»

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Ch. Gerber , Basel
    Solange die Flüchtlinge nicht an der Seegrenze gestoppt und zurück Begleitet werden, werden immer mehr kommen. Es gibt keine Abschreckung noch motivation für die Flüchtlinge somit auch kein ende... Aber solange die Italienische Küstenwache diese nach Italien holt, solange werden die es Versuchen und dabei teils leider auch Sterben wie in diesem Artikel.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher , Frauenfeld
    Die Absichten der Illegalen erkennt man an der Zahl derjenigen, die ihren Antrag tatsächlich in Italien stellen. Die meisten tun dies nicht und reisen weiter. Sehr beliebt sind die CH und D. Dort werden x mal so viel Anträge gestellt wie in Italien. Asylbetrug begeht auch, wer um die halbe Welt reist anstatt in einem sicheren Nachbarland Schutz zu suchen. Das Asylrecht wird in der jetzigen Form nicht mehr lange bestehen.Australien hat die Weichen schon gestellt und andere Länder werden folgen.
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  • Kommentar von G. Niedermann , Zürich
    An all diesen tragischen Todesfällen trägt die verfehlte Migrationspolitik der gesamten EU und Schweiz eine grosse Mitschuld. Würde man endlich rigoros gegen Schlepperbanden, illegale Einwanderung vorgehen, gäbe es auch keine Flüchtlingsbootsunfälle mehr! Helft den Menschen vor Ort und lasst sie nicht mehr ganze Meere auf oder in Barken überqueren.
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    1. Antwort von M.Schmid , Bern
      So lange wir reich und Länder in der Umgebung sehr arm oder in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, wird es Flüchtlinge geben, welche hierher fliehen wollen. "Rigoros gegen Schlepperbanden und illegale Einwanderung" vorgehen zu wollen hilft da wenig. Den Leuten vor Ort helfen wäre natürlich schön. Wenn das gut funktionieren würde, würde auch keiner mehr fliehen. Aber bis jetzt waren die Anstrengungen nicht annähernd genug dazu.
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