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International 34. Prozess gegen Berlusconi – und seine Beliebtheit steigt

Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich erneut vor Gericht verantworten. Er soll 2006 einen Senator bezahlt haben, damit der das gegnerische Mitte-Links-Bündnis verlässt – um seinen Gegner Romano Prodi zu stürzen.

Legende: Video Berlusconi pfeift auf Prozesse und Verfahren. abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.02.2014.

Für Silvio Berlusconi ist es beinahe Routine: Das jüngste Verfahren gegen den 77-jährigen ist bereits der 34. Prozess. Dem früheren Ministerpräsidenten wird vorgeworfen, 2006 als Oppositionsführer einen Senator aus dem linken Lager mit Geld dazu bewogen zu haben, sich seiner konservativen Partei anzuschliessen.

Er habe damit den Sturz der Regierung von Romano Prodi erleichtern wollen. Bei der zweistündigen Anhörung in Neapel liess sich Berlusconi durch seine Anwälte vertreten. Laut Anklage übermittelte der damalige Oppositionsführer dem Senator Sergio de Gregorio über einen Vertrauten drei Millionen Euro. De Gregorio hat bereits gestanden und der Justiz Einzelheiten des Transfers geschildert. In den ersten beiden Tagen des neuen Verfahrens geht es nun zunächst nur um Verfahrensfragen.

Nur Berlusconis Gesicht ist gut sichtbar, beleuchtet in der Dunkelheit.
Legende: Trotz seiner Justizprobleme bleibt Berlusconi in Italien ein Idol. Seine neu gegründete Partei hat rund 6 Mio. Anhänger. Reuters

Auf der Liste der geladenen Zeugen stehen neben Prodi der frühere Richter Antonio di Pietro sowie zwei ehemalige Senatoren, die Berlusconi ebenfalls zu bestechen versucht hatte. Am Mittwoch beschäftigt sich das Gericht mit der Frage, ob der Senat als Nebenkläger auftritt. Der Präsident der oberen Parlamentskammer, Pietro Grasso, fühlt sich nach eigenen Angaben «moralisch dazu verpflichtet».

Berlusconis Anwälte werden bei dem Prozess zu widerlegen versuchen, dass ihr Mandant den Senator tatsächlich bestach. «Ich denke, die anderen werden sich verteidigen müssen. Wir sind uns der Unschuld Berlusconis sicher», sagte sein Anwalt Michele Cerabon.

Bereits rechtskräftig verurteilt

Berlusconi war bereits im vergangenen August wegen Steuerbetrugs verurteilt worden. Hinter Gitter muss er wegen seines hohen Alters zwar nicht. Im April wird ein Gericht aber entscheiden, ob er unter Hausarrest gestellt wird oder ein Jahr Gemeinschaftsdienst leisten muss. In Folge der rechtskräftigen Verurteilung wurde Berlusconi aus dem Senat ausgeschlossen und verlor damit seine parlamentarische Immunität.

Vergangenen Sommer wurde Berlusconi überdies in erster Instanz wegen der Prostitution von Minderjährigen und Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dagegen wird vermutlich in diesem Jahr ein Berufungsprozess beginnen. Wegen des Verdachts der Zeugenbeeinflussung in dem sogenannten Rubygate-Prozess wurden Ermittlungen gegen Berlusconi eingeleitet, die zu einem weiteren Prozess führen könnten.

Der «Cavaliere» bleibt ein Idol

Trotz seiner Justizprobleme hat Berlusconi in Italien weiterhin politisches Gewicht. Ende vergangenen Jahres gründete er seine alte Partei Forza Italia neu. Umfragen zufolge unterstützen ihn nach wie vor sechs bis sieben Millionen potenzielle Wähler.

Bei der anstehenden EU-Parlamentswahl will er Stimmung gegen den Euro machen, erst am Samstag bezeichnete er diesen als «fremde Währung» für Italien.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Giordano Bruno, Altendorf
    Hier gaben also wieder drei Personen Ihre Meinung ab, die weder etwas von Italien noch von Berlusconi verstehen. Der gehörte zumindest zu jenen Personen, die nicht auf der Schweiz herumhacken, so wie die Linken EU-Brüder. Ihr Schweizer sollte lieber froh sein, wenn es mehr Berlusconis in Europa gibt. Offenbar gibt es noch immer Schweizer die nicht verstehen, dass jene linken EU-Diktatoren - die Berlusconi abgesägt haben - nun die Schweiz im Visier haben und einverleiben wollen.
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Was zu Denken gibt ist das Verherrlichen von Despoten und Oligarchen in unserer Zeit und das nicht nur in Italien.
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  • Kommentar von André P., ebikon
    "unterstützen ihn nach wie vor sechs bis sieben Millionen potenzielle Wähler" - das geht auch nur in Italien , 6 - 7 mio. sind 6-7 mio. zuviel - traurig!
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