Überfall auf Casino 36 Tote in Manila – Täter war vermutlich spielsüchtig

Hinter dem Angriff in der philippinischen Hauptstadt steckt laut Polizei ein Einzeltäter.

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Überfall in Casino fordert Dutzende Todesopfer

2:01 min, aus Tagesschau am Mittag vom 2.6.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • In der philippinischen Hauptstadt Manila hat am Donnerstag gegen Mitternacht ein bewaffneter Mann ein Casino überfallen. Die Anlage liegt nur etwa eineinhalb Kilometer von Manilas internationalem Flughafen entfernt.
  • Der Mann hat mit einer Schnellfeuerwaffe um sich geschossen und sich dann im Casino- und Hotelkomplex in einem Hotelzimmer zurückgezogen. Dort hat er offenbar einen Brand gelegt, bei dem er selbst ums Leben gekommen ist.
  • Laut der Polizei sind Hunderte Menschen in Panik geflohen. Mindestens 54 Menschen wurden verletzt. Mehrere werden wegen Rauchvergiftung und Knochenbrüchen im Spital behandelt.
  • Mehrere Stunden nach dem Angriff finden Feuerwehrleute 36 Leichen. Die Menschen sind laut dem Polizeichef bei dem Brand erstickt. Einen Terroranschlag schliesst die Polizei aus.

Die Behörden vermuten, dass es sich beim Angreifer um einen Einzeltäter handelte, der sich an dem Casino rächen oder es ausrauben wollte.

Bei der Schussattacke hat der Mann nach Angaben der Polizei nur Bildschirme und Fernseher getroffen. Auf Menschen zielte er offenbar nicht. Dafür setzte er mehrere Teppiche und Spieltische in Brand. Er sei vor den Sicherheitsleuten geflüchtet und habe auf sie geschossen. Danach hat er sich in ein Hotelzimmer zurückgezogen, wo er dann auch das verhängnisvolle Feuer gelegt hat.

Auch viele Stunden nach dem Überfall war die Situation noch unübersichtlich. Mit seinen Schüssen hat der Mann unter den Besuchern der Anlage Panik ausgelöst. Viele vermuteten offenbar einen Angriff mehrerer Terroristen und haben versucht zu fliehen.

Täter war vermutlich spielsüchtig

Der Polizeichef der Philippinen, Ronald dela Rosa, hat jedoch betont: «Wir können sagen, dass dies kein terroristischer Akt war.» Dela Rosa widersprach damit Behauptungen der islamistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die den Überfall für sich reklamiert hatte.

«  Wir können sagen, dass dies kein terroristischer Akt war. »

Ronald dela Rosa
Der Polizeichef der Philippinen

Zur Identität des Angreifers machte die Polizei keine näheren Angaben. Der Polizeichef der philippinischen Hauptstadt, Oscar Albayalde, sagte gegenüber den Medien: «Das ist das Werk eines Verrückten. Vielleicht war er spielsüchtig, hat all sein Geld verloren und ist dann durchgedreht.»

Nach Angaben der Polizei wurden in einem Rucksack des Toten gestohlene Spiel-Jetons im Wert von umgerechnet etwa zwei Millionen Euro entdeckt.

Islamistische Rebellen auf Vormarsch

Auf den Philippinen geht die Armee seit mehr als einer Woche hart gegen islamistische Rebellen vor, die sich in der Stadt Marawi im Süden des Landes verschanzt haben. Seit Dienstag vergangener Woche gab es bereits mehr als 180 Tote. Präsident Rodrigo Duterte hat über Marawi und die gesamte Philippinen-Insel Mindanao mit mehr als 20 Millionen Bewohnern das Kriegsrecht verhängt.