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International 60 Jahre Ungarn-Aufstand: Die kurze Hoffnung auf Freiheit

Vor 60 Jahren lehnten sich in Ungarn die Bevölkerung gegen die Regierung und die sowjetische Besatzungsmacht auf. Der Volksaufstand wurde blutig beendet. 200'000 Menschen verliessen das Land – viele zog es in die Schweiz. Eine Chronologie der Ereignisse.

  • Studenten gehen auf die Strasse

Alles begann mit einer friedlichen Grossdemonstration: Am 23. Oktober 1956 gingen Studenten in Budapest auf die Strasse, um ihre Solidarität mit dem polnischen Arbeiteraufstand im Juni zu bekunden. Die Studenten wollten aber noch weitere politische Interessen kundtun. In einer 14-Punkte-Resolution forderten sie den Abzug der sowjetischen Truppen, Neuwahlen und eine Regierung unter Imre Nagy, einem geschassten Ministerpräsidenten, der als Reformer galt.

  • Der Aufstand wird blutig

Mit ihren Forderungen trafen die Studenten den Nerv der Zeit. Insgesamt beteiligten sich 200‘000 Menschen an der Demonstration. Über den staatlichen Radiosender wollten sie ihre Anliegen der ganzen Nation verkünden. Dem kommunistischen Regime gingen diese Massnahmen jedoch zu weit. Entgegen seinen ursprünglichen Versprechungen erteilte Parteichef Ernö Gerö den Schiessbefehl – die ersten Toten waren zu beklagen. Einige Offiziere und Soldaten sympathisierten mit den Aufständischen und es kam zu Strassenschlachten.

  • Hoffnung keimt auf

Die kommunistische Partei gab schliesslich dem Druck der Strasse nach und ernannte Imre Nagy zum neuen Ministerpräsidenten. Die Hoffnung auf Freiheit und Reformen keimte auf. Nagy versprach die Wiedereinführung des Mehrparteiensystems, Pressefreiheit und den Abzug der Sowjettruppen. Am 1. November verkündete er die Neutralität Ungarns und den Austritt aus dem Warschauer Pakt und bat die USA und die UNO um Hilfe – vergeblich.

  • Grausame Vergeltung

Die westliche Unterstützung traf nie ein und die Machthaber in Moskau wollten dem Treiben in Ungarn nicht tatenlos zusehen. Im Morgengrauen des 4. November marschierten die Truppen der Roten Armee ein. Mit ungeheurer Feuerkraft gingen die Sowjets in Budapest und anderen Städten gegen den Volksaufstand vor. Gut zehn Tage später war der Widerstand im Land gebrochen und der Traum von Freiheit zu Ende. Die Kämpfe forderten auf ungarischer Seite 2500 Todesopfer. Die sowjetischen Truppen verloren rund 700 Mann. Hoffnungsträger Nagy wurde verhaftet und nach einem Schauprozess 1958 hingerichtet. Insgesamt wurden 230 Todesurteile vollstreckt.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Die Ungarn erinnern sich an ihre Aufnahme als Flüchtlinge und behandeln ihrerseits Flüchtlinge wie den letzten Dreck. Wenn Flüchtlinge nachts absichtlich angefahren werden, interessiert das die Polizei überhaupt nicht. So kurz ist das Gedächntnis in Ungarn. Und die Sanktionen der EU gegen Russland lehnen sie ab - alte Allianz? Naja, zusammen mit Italien und Polen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Ich kenne viele Fluchtgeschichten. Die meisten waren froh, wenn sie es über die grüne Grenze bis zum Auffanglager in Wien geschafft haben. Sie wurden von dort aus verteilt. In die CH kamen die meisten mit dem Sonderzug in geordneten Gruppen (irgendwo existiert auch ein historisches Bild über den Zielbahnhof Enge). Viele reisten von Wien aber weiter, in die USA, Kanada. Manche durften Jahrzehntelang keinen Kontakt mit der Familie aufnehmen, ins Heimatland reisen. Die 60er in HU waren mörderisch.
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  • Kommentar von Bruno Vogt (b.vogt)
    Im Gegensatz zu heute waren die Ungarn nicht wählerisch und begaben sich einfach in die Nachbarländer um wirklich Schutz vor Verfolgung zu suchen. Wenn man heutige 'Flüchtlinge' fragt die in Italien oder Griechenland bereits in absoluter Sicherheit sind, wird verlangt nach Deutschland/Schweiz oder Schweden durchgelassen zu werden. Traurig zu sehen wie sich das Asylwesen entwickelt hat, so wird es nicht überleben.
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    1. Antwort von M. Fretz (MFretz)
      Seit wann ist die Schweiz ein Nachbarstaat Ungarns? Damals hat man den Flüchtlingen geholfen wenn man dem offiziellen Ungarn schon nicht helfen wollte.
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    2. Antwort von Claire McQueen (freedom)
      @MFretz: Siehe Kommentar von Mano! Zuerst Auffanglager in Wien dann organisiert nach CH, D, F, Canada, USA, Australien, etc. Keine wilde, steinwerfende, fordende Horden, sondern unendlich dankbar für die Aufnahmen.
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Ungarn sind eben auch Europäer! Und erinnere mich daran, dass in sämtlichen Schulhäusern, Buben wie Mädchen, an "Plätzli" strickten, die dann zu Wolldecken für Ungarn zusammen genäht worden sind. Es hat auf diese Weise ganz viele Hilfsaktionen für die Menschen in Ungarn gegeben. Es stimmt also nicht, dass man den Ungarn in Ungarn nicht helfen wollte.
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