Ärger für den US-Präsidenten in Argentinien

US-Präsident Obama besucht Argentinien ausgerechnet am Jahrestag des letzten Militärputsches. Das kommt nicht bei allen gut an. Trotz des Versprechens, Archive zu öffnen und bei der Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen zu helfen.

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Obama in Argentinien

1:33 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.3.2016

US-Präsident Barack Obama weilt für einen zweitägigen Besuch in Argentinien. Die Unterstützung seines Landes für die lateinamerikanischen Diktaturen in den 1970er-Jahren bewertet er im Rückblick kritisch. Damals sei den Menschenrechten derselbe Rang eingeräumt worden wie dem Kampf gegen den Kommunismus.

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Proteste gegen Obama

Ein Demonstrant sprayt «Fuera Yankee» auf den Boden

Reuters

Etwa 1000 Argentinier haben ihren Ärger über den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama zum Ausdruck gebracht. Anhänger von linksgerichteten Organisationen und Menschenrechtsgruppen demonstrierten in der Nähe der US-Botschaft in Buenos Aires gegen die Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Das habe sich geändert, sagte Obama bei einer Medienkonferenz mit seinem argentinischen Amtskollegen Mauricio Macri in Buenos Aires. «Heute ist alles, was wir tun, darauf gerichtet, auf Transparenz und Menschenrechte zu achten», sagte er.

Umstrittener Besuch einer Gedenkstätte

Sein Besuch fällt mit dem 40. Jahrestag der Machtübernahme der letzten argentinischen Diktatur zusammen, die von 1976 bis 1983 anhielt.

Obama will aus diesem Anlass eine Gedenkstätte für die Opfer der Militärjunta besuchen. «Wir wollen unsere Anerkennung denen bezeugen, die sich mit unglaublicher Heldenhaftigkeit und Mut gegen diese Verletzungen der Menschenrechte erhoben», sagte Obama.

Gleichzeitig kündigte er die Freigabe von US-Geheimdokumenten aus der Zeit der argentinischen Diktatur an. «Wir hoffen, mit dieser Geste das Vertrauen wieder aufbauen zu können, das zwischen den beiden Ländern verloren gegangen sein kann», sagte Obama.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Argentinische Menschenrechtsorganisationen hatten Abstand von dem Obama-Besuch genommen. Sie lehnten die Einladung ab, mit Obama zur Gedenkstätte zu gehen. «Es ist nicht gut, eine Gedenkstätte nur für einen politischen Showeffekt zu besuchen», sagte Estela Carlotto, Vorsitzende der «Abuelas de Plaza de Mayo» (Grossmütter des Maiplatzes).

Die Menschenrechtsorganisation sucht seit fast 40 Jahren nach den unter falscher Identität zu Adoptiveltern gegebenen Kinder der von der Militärdiktatur verschleppten Oppositionellen. Carlotto begrüsste hingegen die Freigabe der Geheimdokumente.

Sie forderte Obama auf, auch die Anforderung von DNA-Proben zur Identifizierung von möglichen Kindern von argentinischen Verschwundenen in den USA über die dortige Justiz zu ermöglichen. «Wir haben bereits einen Fall in Miami und einen anderen in den Niederlanden identifiziert», begründete Carlotto den Antrag. Von den rund 500 während der Diktatur verschleppten Kindern wurden bisher 119 gefunden.