Amnesty-Bericht: Kurden vertreiben irakische Araber

Amnesty International hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der kurdischen Kämpfern vorwirft, Tausende von Häusern in eroberten Gebieten zerstört zu haben. Offenbar gebe es eine Kampagne, um arabische Iraker zu vertreiben. Für die westlichen Staaten ist der Bericht heikel.

Ein Mann zeigt auf eine Gemeinde im Hintergrund, ein anderer schaut dorthin Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vorwürfe an einen der wichtigsten Verbündeten des Westens: Kurdische Kämpfer im Irak. Keystone

In einem neuen Bericht wirft Amnesty International (AI) den kurdischen Kämpfern im Nordirak Menschenrechtsverletzungen vor. Demnach sollen sie in von ihnen eroberten Gebieten Tausende von Häusern zerstört haben, in denen Araber leben. Die kurdische Autonomie-Regierung stehe offensichtlich an der Spitze einer Kampagne, arabische Iraker mit Gewalt zu vertreiben, heisst es im Bericht.

AI sieht im kurdischen Vorgehen Hinweise auf einen Rachefeldzug gegen die arabische Bevölkerung, die als Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wahrgenommen würde. Die Menschenrechtsorganisation berief sich auf
Untersuchungen vor Ort, Zeugenaussagen und Satellitenbilder. Sie beschuldigte die Kurden zudem, Arabern die Rückkehr in die Gebiete zu verwehren, aus denen der IS vertrieben wurde. Die Zerstörung von Häusern ohne militärische Rechtfertigung und die Vertreibung von Zivilisten könnten Kriegsverbrechen gleichkommen, so AI.

Westliche Staaten unter Druck

Der Amnesty-Bericht ist für die westlichen Staaten äusserst heikel, da sie den Kampf der Kurden gegen den IS militärisch unterstützen – auch mit Waffenlieferungen an die Autonomieregierung in Erbil. Die nordirakischen Kurden gelten als einer der wichtigsten Verbündeten des Westens im Kampf gegen den IS.

Kein Wunder also zeigen sich Vertreter westlicher Regierungen besorgt. Martin Schäfer, Sprecher des Auswärtigen Amtes von Deutschland, erklärt: «Es ist völlig selbstverständlich, dass wir den Vorwürfen nachgehen und und bemühen herauszufinden, ob und was an diesen Vorwürfen dran ist.»

Kurden weisen Vorwürfe zurück

Die kurdische Regionalregierung wies die Vorwürfe indes zurück. Die zerstörten Häuser gingen noch auf Gefechte der kurdischen Peschmerga mit dem IS sowie die Luftangriffe der US-geführten Allianz zurück, sagte Regierungsvertreter Dindar Sebari. Zudem würden alle Zivilisten aufgefordert, sich von der Front fernzuhalten und vorerst nicht in ihre Dörfer zurückzukehren. Dies gelte auch für Kurden.

Gräueltaten ohne Ende im Irak

26 min, aus Das war der Tag vom 19.01.2016

Der IS hatte im Sommer 2014 rund ein Drittel des Irak erobert. Mit Unterstützung von Luftangriffen drängten kurdische Peschmerga die Miliz im Norden zurück. Die Kurden dehnten ihren Einfluss dabei auch auf ethnisch gemischte Gebiete aus, die sie nun für sich beanspruchen. Unter der Herrschaft des ehemaligen
irakischen Präsidenten Saddam Hussein waren bei einer Arabisierungskampagne Tausende Kurden aus der Region vertrieben worden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Aus 10vor10 vom 28.12.2015

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