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International An Russland gibt es kein Vorbeikommen

Mit der Verletzung des türkischen Luftraums hat Russland für Aufregung in der Nato gesorgt. Der Politologe Markus Kaim sieht hinter der Aktion politisches Kalkül. Eine baldige Eskalation sei jedoch nicht zu erwarten.

Legende: Video «Russland spielt mit dem Feuer» abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.10.2015.

Die Verletzung des türkischen Luftraums durch zwei russische Kampfflugzeuge am Wochenende hat zu Spannungen zwischen Ankara und Moskau geführt. Die Türkei bestellte den russischen Botschafter ein. Die Nato warnte Russland vor weiteren Verletzungen des Luftraumes ihres Bündnispartners.

Im Baltikum schon gesehen

«Es ist offenbar zu einer Regel der russischen Luftwaffe geworden, die Fähigkeiten anderer Nationen im Bereich der Luftabwehr und der Aufklärung zu testen», sagt Markus Kaim. Der Politologe verweist darauf, dass russische Flugzeuge schon im Zuge der Ukraine-Krise in den Nato-Luftraum über den baltischen Staaten, Schweden oder Finnland eingedrungen seien. Nun wolle man aufgrund des russischen Engagements in Syrien die Fähigkeiten der türkischen Luftwaffe austesten.

An eine versehentliche Verletzung des Luftraumes wegen schlechten Wetters, wie von der russischen Regierung kolportiert wurde, glaubt Kaim also nicht: «Ich denke, die russischen Piloten fliegen besser, als die Regierung öffentlich zugegeben hat.»

Vielmehr macht er hinter der Aktion politisches Kalkül aus: «Hier wurde das Signal gegeben, dass man an allen militärischen Überlegungen betreffend Syrien nicht mehr an Russland vorbeikommt.»

Russland bestimmt Flugzonen

Der Politologe verweist auf den Fakt, dass nun russische und westliche Flugzeuge auf einem relativ engen Gebiet über Syrien gleichzeitig operieren. Bereits jetzt ist ein hohes Mass an Koordination erforderlich, um ungewollte Zusammenstösse zu verhindern: «Wenn sich Russland dieser Koordination verweigern sollte, entsteht de facto eine Flugverbotszone, die von Russland bestimmt wird, weil westliche Flugzeuge in russisch kontrolliertes Gebiet nicht mehr einfliegen werden», ist sich Kaim sicher.

Eskalation unwahrscheinlich

Russland hat sich somit ein patentes Mittel geschaffen, um seine Macht zu demonstrieren und ernst genommen zu werden. An eine echte Eskalation im Sinne eines Zusammenstosses eines russischen und eines amerikanischen Kampfjets glaubt der Politologe aber nicht: «Es herrscht kein Stau über Syrien. Die westliche Allianz fliegt weniger als zehn Luftangriffe pro Tag gegen den IS.» Es sei also durchaus machbar, Korridore festzulegen.

Die Furcht vor einer unmittelbaren militärischen Konfrontation zwischen der Nato und Russland in den nächsten Tagen sieht Kaim folglich als falschen Alarmismus an. Die Aktion illustriere in erster Linie, die Entschlossenheit der russischen Führung, ihren Geltungsanspruch im Nahen Osten auch militärisch und politisch zu untermauern.

Markus Kaim

Porträt Markus Kaim
Legende: SWP

Markus Kaim führt den Bereich Sicherheitspolitik der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Er beschäftigt sich mit transatlantischen Sicherheitsbeziehungen, der Rolle der UNO bei internationalen Konfliktregelungen und den Rahmenbedingungen multinationaler Militäreinsätze.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Die USA ist ein tolles Land, darum reisen so viele Europäer jedes Jahr dort hin. Russland interessiert ausser ein paar korrupte FIFA Funktionäre fast niemand. Nicht mal unsere Verschwörer getrauen sich dort hin. Deshalb: Es führen fast alle Wege an Russland vorbei.
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    1. Antwort von Christa lohmann (Saleve2)
      Wenn Sie da mal nicht irren Herr Schmidel. Ich bin selbst schon oft in Russland gewesen. Ein prachtvolles Land mit liebenswerten Menschen. Für Kulturinteressierte sowieso. Dann trennen Sie doch Politik und Kultur abet schreiben Sie nicht, alle Wege führen an Russland vorbei. sowieso.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Mir ist bewusst, dass im syrischen Bürgerkrieg niemand eine weisse Weste hat. Auch die Propaganda in RU gegen den Westen ist äusserst problematisch. Sie schadet der Entwicklung der Bevölkerung und behindert zukünftige Kontakte mit der Welt. Die Propaganda der USA ist viel subtiler, durchdringt alle Bereiche der Gesellschaft und wird von vielen gar nicht wahrgenommen. Besonders Filme mit Militär/Polizei-Hintergrund kontrolliert das US-Militär bzw. Justiz seit JZ'en und legt die Fassungen fest.
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  • Kommentar von Lukas Bruelisauer (lbruelisauer)
    Die Stiftung Wissenschaft und Politik ist genau die Organisation, die zusammen mit der Opposition ein Syrien nach Assad plante. "Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf" lautet beispielsweise ein Artikel auf Zeit Online (26.7.2012). Diese Meinung ist ebenso unabhängig wie die Berichterstattung ausgeglichen…
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