Getöteter Botschafter Ankara und Moskau ermitteln gemeinsam

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Russischer Botschafter ermordet

2:09 min, aus Tagesschau am Mittag vom 20.12.2016
  • Nach der Tötung des russischen Botschafters in der Türkei wurden sechs Personen festgenommen. Der Schütze war gestern von Sicherheitskräften erschossen worden.
  • Die Türkei und Russland haben eine gemeinsame Ermittlergruppe gebildet zur Aufarbeitung des Delikts. Moskau hat dafür 18 Personen nach Ankara geschickt.
  • Das für heute angesetzte Aussenminister-Treffen zwischen Russland, der Türkei und dem Iran zum Kriegsverlauf in Syrien findet wie geplant in Moskau statt.
  • Der Leichnam ist nach Moskau überführt worden.

Nach der Tötung des russischen Botschafters Andrej Karlow hat die türkische Polizei sechs Personen festgenommen. Das berichten türkische Staatsmedien. Es handle sich dabei um Familienangehörige des Täters sowie um dessen Mitbewohner.

Kreml schickt Ermittler nach Ankara

Zudem wollen die Türkei und Russland eine gemeinsame Ermittlergruppe bilden, um den Fall zu untersuchen. Dafür hat der Kreml ein 18-köpfiges Ermittlerteam nach Ankara entsandt. Das Team bestehe aus Experten des Geheimdienstes, der Polizei und des Aussenministeriums, meldet die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow legt Blumen nieder im Andenken an den getöteten Botschafter Andrej Karlow. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Aussenminister Russlands und des Iran legen Blumen nieder im Andenken an den getöteten russischen Botschafter. Keystone

Trotz des Anschlags haben die Aussenminister Russlands, der Türkei und des Iran heute wie geplant an einem Treffen in Moskau über Syrien diskutiert. Russland und der Iran sind Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, während die Türkei Einfluss nimmt auf die syrische Opposition.

Täter trug keine Uniform

Am Montag war Andrej Karlow, der russische Botschafter in der Türkei, bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in Ankara von einem türkischen Polizisten erschossen worden. Der 22-jährige Attentäter soll sich in ziviler Kleidung mit seinem Dienstausweis Zugang zur Galerie verschafft haben. Er soll «Vergesst nicht Aleppo, vergesst nicht Syrien» und «Allah ist gross» in die laufenden Kameras gerufen und dann das Feuer auf den Diplomaten eröffnet haben. Er wurde anschliessend von Spezialkräften getötet, wie die Zeitung «Hürriyet» berichtet.

Schüsse auf US-Botschaft

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Leichnam überführt

Ein Flugzeug mit dem Leichnam des ermordeten russischen Botschafters Andrej Karlow ist am Dienstagabend in Moskau eingetroffen.

Wenige Stunden danach kam es vor der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara zu Schüssen. Verletzte gab es keine, der Schütze sei in Polizeigewahrsam. Die diplomatischen Vertretungen der USA in der Türkei bleiben daraufhin heute geschlossen. Betroffen sind neben Ankara die Konsulate in Istanbul und Adana.

Einschätzung von ARD-Korrespondent Reinhard Baumgarten

«Die Türkei ist im Moment nicht stabil. Das zeigt das Attentat auf den russischen Botschafter, ausgeführt von einem Polizisten, von dem keiner weiss, zu welcher Gruppe er gehört. Er rief einerseits islamistische Parolen, die die al-Nusra-Front und zum Teil auch der «Islamische Staat» verwenden. Zum anderen behaupten Leute in der Türkei, der Mann habe der Gülen-Bewegung nahegestanden. Doch es ist egal, wem er nahestand: Fakt ist, ein Polizist erschiesst hinterrücks den russischen Botschafter und niemand kann etwas dagegen machen. Das ist wirklich ein Gau.»

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