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International Ariel Scharon ist tot

Nach achtjährigem Koma ist einer der umstrittensten Politiker Israels gestorben: Ariel Scharon. An ihm schieden sich bis zuletzt die Geister. Die einen verehrten ihn als Vertreter der Gründergeneration Israels und Kriegshelden, die anderen sahen in ihm den Provokateur und Kriegsverbrecher.

Legende: Video Das Leben des Ariel Scharon abspielen. Laufzeit 2:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.01.2014.

Acht Jahre lag Ariel Scharon im Koma. Jetzt ist der ehemalige israelische Ministerpräsident im Krankenhaus Tel Haschomer bei Tel Aviv gestorben. Wegen eines schweren Nierenleidens hatte sich sein Zustand in den vergangenen Tagen erheblich verschlechtert.

Der frühere Armeegeneral und Politiker war am 4. Januar 2006 nach einem schweren Schlaganfall ins Koma gefallen und hatte seitdem nie wieder volles Bewusstsein erlangt. In den Jahren seines Siechtums hatten seine Söhne Omri und Gilad ihn ständig besucht.

Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa war während seiner langen Karriere in Armee und Politik von Anhängern verehrt, aber von Gegnern gefürchtet und gehasst. Sein legendäres Stehvermögen, gepaart mit einem robusten Naturell, brachten ihm den Spitznamen «Bulldozer» ein.

Zum Ende seiner politischen Karriere vollzog er den Wandel zum angesehenen und in Israel sehr beliebten Staatsmann. Seine Vision von einer endgültigen Regelung des Konflikts mit den Palästinensern konnte er aber nicht mehr umsetzen.

Gefeierter Kriegsheld

Scharon, der früher als Vater der israelischen Siedlerbewegung galt, hatte während seiner knapp fünfjährigen Amtszeit einen dramatischen Kurswechsel vollzogen. Er setzte im Sommer 2005 den Abzug Israels aus dem Gazastreifen gegen massiven Widerstand im eigenen Land durch.

Dieser Schritt führte zum Bruch mit langjährigen politischen Weggefährte und zur Gründung der Kadima-Partei im November 2005.

Der oft hitzköpfige Draufgänger wurde als Kriegsheld gefeiert, nachdem er 1973 während des Jom-Kippur-Kriegs seine Panzerdivision auf eigene Faust über den Suez-Kanal geführt hatte.

Siedlungsbauer wird zum Siedlungsräumer

Legende: Video Scharon polarisiert über den Tod hinaus abspielen. Laufzeit 1:24 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.01.2014.

Den Bau israelischer Siedlungen in den 1967 besetzten arabischen Gebieten unterstützte Scharon anfangs massiv. «Jetzt muss sich jeder in Bewegung setzen, rennen und sich so viele Hügel wie möglich schnappen, um die Siedlungen auszubauen», hatte Scharon noch im November 1998 bei einem Treffen mit Siedlern geraten.

Scharon hat damit entscheidend zum Ausbau der Siedlungen beigetragen, die bis heute als eines der Haupthindernisse auf dem Weg zu einer Friedensregelung in Nahost gelten. Andererseits liess er 1982 nach dem Friedensvertrag mit Ägypten jüdische Siedlungen auf der Sinai-Halbinsel evakuieren.

Massaker an Palästinensern kostete ihm das Amt

Mit dem Namen Scharon ist auch der Besuch des Jerusalemer Tempelbergs im Jahr 2000 verbunden, mit dem er die zweite Intifada provozierte. Andere erinnern sich vor allem an das Massaker von 1982 im palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatila im Libanon. Scharon musste danach als Verteidigungsminister zurücktreten.

Rückblick

Rückblick

Wer war Ariel Scharon? Ein Porträt in Text, Bild und Ton. Mehr dazu lesen Sie hier.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Kern, Zürich
    Mutiger Kämpfer, brillianter General, großer Patriot seines Landes. Diesem Mann hat Israel viel zu verdanken, selbst sein Überleben, das mehrmals in größter Gefahr war.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    "Wie das schmiegsame Wachs sich formt zu neuen Gebilden,so nicht bleibt wie es war,die gleiche Gestalt nicht behält,und doch das selbe verbleibt,so lehre ich,ist auch die Seele immer die selbe,doch wandelt sie stets in neuen Gestalten."(aus Metamorphosen des römischen Dichters OVID;43v.Chr.-17n.Chr.)"Nicht den Tod sollte man fürchten,sondern,dass man nie beginnen wird zu leben."(Mark Aurel)Leben Liebe und Tod sind EINS.
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  • Kommentar von Ai.Chai, Herisau
    ...die 2. Intifada war vor Sharons Tempelbergbesuchs beschlossene Sache...der Familie wünsche ich Kraft und Trost. Shalom.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Das kann ich bestätigen. Wenige Monate vor dem Beginn der zweiten Intifada bekam ich zu lesen, dass die "Palästinenser" schon Gewehr bei Fuss bereitstanden und nur noch auf die erstbeste Gelegenheit zum Zuschlagen warteten. Der Besuch Scharons auf dem Tempelberg war auch deshalb berechtigt, weil er damals nicht mehr Ministerpräsident und nur noch als Privatperson unterwegs war. Nochmals: Erst sein Handstreich westlich des Suez-Kanals im Jom-Kippur-Krieg von 1973 brachte die Wende.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Chai - sehr richtig, die 2. Intifada war schon vor Sharons Gang zum Tempelberg beschlossene Sache - das bestätigte im Dezember 2012 auch Arafats Witwe Suha in einem TV-Interview im arabischen Fernsehen (das untertitelte Video findet man unter: 'Suha Arafat, Widow of Yasser Arafat: The 2000 Intifada Was Premeditated, Planned by Arafat'). Es ist traurig, dass diese palästinensische Propaganda-Lüge in den westlichen Medien weiterhin unreflektiert verbreitet und damit der Israelhass befeuert wird.
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