Atomverhandlungen mit Iran: «Eine Einigung ist nahe»

Heute werden in Genf die Atomgespräche mit dem Iran fortgesetzt. Ziel ist eine Vereinbarung im Streit um das Atomprogramm des Irans. Am Verhandlungstisch sitzen die fünf UNO-Vetomächte sowie Deutschland. Der diplomatische Korrespondent Fredy Gsteiger sagt, welche Chancen eine Einigung hat.

Fredy Gsteiger: «Man ist einer Vereinbarung sehr nahe»

3:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.11.2013

SRF: Wie nahe ist man einer Vereinbarung mit dem Iran?

Fredy Gsteiger: Ich denke, man ist einer Einigung wirklich sehr nahe. Man war sich eigentlich schon vor zehn Tagen bei den letzten Gesprächen in Genf einig. Dies sagten die Aussenminister der USA und des Irans übereinstimmend. Das heisst aber nicht, dass der Durchbruch automatisch kommt, denn in dieser schwierigen Situation sind schon kleine Differenzen in der Substanz politisch oft schwierig auszuräumen.

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Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

Das hängt damit zusammen, dass nach dem jahrzehntelangen verfahrenen Konflikt auf beiden Seiten das Misstrauen sehr gross ist. Und es hängt damit zusammen, dass beide Seiten einen Kompromiss auch zu Hause gut verkaufen können müssen.

Und wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Es gibt zwei Varianten, die auf dem Tisch sind. Eine Variante wär ein Kompromiss, eine Minimallösung, der kleinste gemeinsame Nenner. Diese Lösung sieht vor, dass die UN-Vetomächte und Deutschland die Sanktionen gegenüber dem Iran leicht lockern. Der Iran würde im Gegenzug zumindest auf die höhere Urananreicherung verzichten. Das ist die Urananreicherung, die für Atomkraftwerke gar nicht nötig ist, sehr wohl aber aber für Atombomben.

Die zweite Variante ist die, dass die Sanktionen etwas stärker gelockert werden, möglicherweise sogar schon die Ölsanktionen. Und der Iran würde auf seinen Schwerwasser-Reaktor Arag verzichten, mit dem er später Plutonium herstellen könnte. Und das sich bereits jetzt höher angereicherte Uran, das sich im Land befindet, exportieren würde.

Wer würde von einer Übergangslösung profitieren?

Es würden alle profitieren. Nicht profitieren würden die Hardliner im Iran und in den in den vereinigten Staaten. Denn diese Gruppierungen profitieren davon, dass sich der Westen und der Iran feindselig gegenüber stehen. Aber für die westlichen Mächte allgemein wäre eine Annäherung an den Iran von Vorteil. Der Nahe Osten wäre sicherer und stabiler, wenn es das iranische Atomprogramm nicht mehr gäbe und der Iran wäre ein viel wohlhabenderes Land, wenn er wirtschaftlich integriert wäre.