Trump-Interview Auch deutsche Autobauer müssen sich warm anziehen

Donald Trump holt erneut zu einem Rundumschlag aus. Neu im Visier: der deutsche Autohersteller BMW.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In einem Zeitungsinterview sagt Trump, dass deutsche Autobauer, die ihre in den USA verkauften Autos nicht dort produzieren, mit massiven Einfuhrzöllen zu rechnen haben.
  • Für Trump ist die Flüchtlingspolitik der deutschen Kanzlerin Merkel ein katastrophaler Fehler.
  • Die Nato bezeichnet Trump als «obsolet», die EU sieht er vor allem als wirtschaftlichen Konkurrenten der USA.

«Ich habe grosse Achtung vor Merkel», sagt Trump im Interview mit der «Bild»-Zeitung und der Londoner «Times». «Aber ich finde, es war sehr unglücklich, was passiert ist.» Deutschland habe «all diese Leute» ins Land gelassen, wo auch immer sie herkamen, sagte Trump. Und weiter: «Sie wissen, dass ich Deutschland liebe, weil mein Vater aus Deutschland stammt. Ich will mich nicht in einer ähnlichen Situation wiederfinden.» Deshalb würden die USA von seinem ersten Amtstag an auf sichere Grenzen setzen.

Trump übernimmt das Amt des US-Präsidenten offiziell am Freitag, den 20. Januar. Am Montag darauf werde er einen entsprechenden Erlass unterzeichnen, sagte er. «Die Leute wollen nicht, dass andere Leute in ihr Land kommen und es zerstören.» Es werde künftig «extreme Sicherheitsprüfungen» geben, sagt er weiter. Es gehe dabei vor allem um Muslime «aus verschiedenen Teilen der Welt, die viele Probleme mit Terrorismus haben».

«  Mir ist es ziemlich egal, ob die EU- getrennt oder vereint ist. Für mich spielt es keine Rolle. »

Der Europäischen Union sagt Trump nach dem Brexit schwere Zeiten voraus. «Wenn Sie mich fragen: Es werden weitere Länder austreten.» Der Zustand der EU sei ihm aber nicht sehr wichtig. «Schauen Sie, zum Teil wurde die Union gegründet, um die USA im Handel zu schlagen, nicht wahr? Also ist es mir ziemlich egal, ob sie getrennt oder vereint ist, für mich spielt es keine Rolle.»

FOKUS: Jetzt spricht Trump

3:57 min, aus 10vor10 vom 11.1.2017

Drohung mit exorbitanten Strafzöllen

Deutsche Autoproduzenten könnten unter Trump in den USA harte Zeiten bevorstehen. Er sagt: «Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen.» Dem Hersteller BMW, der 2019 eine Fabrik in Mexiko eröffnen will, legt Trump nahe, die Fabrik in den USA zu bauen. Wenn BMW von Mexiko aus in andere Länder verkaufen wolle, sei das in Ordnung, so Trump. «Aber wenn sie in Mexiko eine Fabrik bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen.»

Hunderttausende BMW aus den USA exportiert

Eine Sprecherin von BMW sagte zu den Trump-Ankündigungen auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters, BMW beschäftige direkt und indirekt rund 70'000 Menschen in den USA. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr im US-Werk Spartanburg rund 411'000 Fahrzeuge der X-Modelle gebaut. Damit sei es das grösste BMW-Werk weltweit. 70 Prozent der X-Modelle aus Spartanburg seien aus den USA ausgeführt worden. Damit gehöre BMW zu den führenden Exporteuren der USA. BMW plant, ab 2019 Autos der 3er-Serie im mexikanischen San Luis Potosi zu bauen.

Europäer bezahlen zu wenig für die Nato

Erneut bezeichnet Trump die nordatlantische Verteidigungsallianz Nato als obsolet. Sie sei vor langer Zeit entworfen worden, und viel zu wenige Mitgliedsländer stellten der Nato zu wenig Geld zur Verfügung. «Wir sollten diese Länder schützen, aber viele dieser Länder zahlen nicht, was sie zahlen müssten», sagt er. «Das ist sehr unfair gegenüber den USA. Abgesehen davon ist mir die Nato sehr wichtig.»

Den Irakkrieg bezeichnet der designierte US-Präsident als möglicherweise schlechteste Entscheidung in der Geschichte der USA. «Wir haben da etwas entfesselt. Das war, wie Steine in ein Bienennest zu schmeissen», sagt er. «Und nun ist es eines der grössten Schlamassel aller Zeiten.»

Atomare Abrüstung gegen Aufhebung der Sanktionen?

Auf die Frage, ob Russlands Eingreifen in den Syrienkrieg gut oder schlecht gewesen sei, sagt Trump: «Nein, das war eine sehr üble Sache, schlimm.» Die USA hätten aber die Gelegenheit versäumt, sehr früh etwas zu tun. «Es ist zu spät, jetzt ist alles vorbei», so Trump weiter. «Irgendwann wird es ein Ende haben, aber Aleppo war scheusslich.» Die Stadt sei in einer furchtbaren humanitären Lage.

Trump in Nahaufnahme. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Nato hält Trumpf für «obsolet». Getty Images

Trump deutet in dem Interview eine Neubewertung der Russland-Sanktionen an. Er stellt dies in einen Zusammenhang mit atomarer Rüstung. «Zum einen finde ich, dass es deutlich weniger Nuklearwaffen geben sollte und sie erheblich reduziert werden müssten, das gehört dazu. Aber da sind diese Sanktionen, und Russland leidet im Moment schwer darunter.» Er glaube, es könne manches gehen, von dem viele Leute profitierten.

Offen lässt Trump die Zukunft des Atomabkommens mit Iran. Er wolle sich nicht in die Karten schauen lassen. Klar ist für ihn: «Es ist eines der schlechtesten Abkommen, die je getroffen worden sind. Es ist eines der dümmsten Abkommen, die ich je gesehen habe.»