Zum Inhalt springen

International Bagdad will Sunniten in Kampf gegen IS einbinden

Der Irak treibt den Kampf gegen den IS voran – mit einer mehrheitlich sunnitischen Nationalgarde. Ein neuer Gesetzesvorschlag soll den Provinzen erlauben, eigene Brigaden aufzustellen. Ob das Gesetz im schiitisch dominierten Parlament durchkommt, ist allerdings offen.

Mitglieder des irakischen Kabinetts im Gespräch
Legende: Viele Sunniten unterstützen den IS, weil sie sich von der Regierung diskriminiert fühlen. Reuters

Durch die Schaffung einer neuen Nationalgarde will die irakische Regierung die Sunniten im Land stärker in den Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) einbinden. Das Kabinett in Bagdad stimmte nach Regierungsangaben einem entsprechenden Gesetz zu.

Dieses sieht vor, dass künftig die Provinzen – auch die mehrheitlich sunnitischen – eigene Kampfbrigaden aufstellen dürfen, die unter dem Kommando des Gouverneurs stehen. Die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad kann den Kampf gegen den IS nach Ansicht von Beobachtern nur gewinnen, wenn sie die Sunniten stärker auf ihre Seite zieht.

Sunnitische Stämme unterstützen den IS

Das Gesetz zielt vor allem auf die von Sunniten bewohnten Regionen im Norden und Westen des Landes ab, die derzeit unter Kontrolle des IS stehen. Dort fällt es der irakischen Regierung schwer, lokale Kräfte wie die sunnitischen Stämme in den Kampf gegen die ebenfalls sunnitische Terrormiliz einzubinden.

Viele irakische Sunniten unterstützen den IS, weil sie sich von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert fühlen. Sie lehnen auch eine Kooperation mit der Armee ab, die sie als Werkzeug der Schiiten betrachten.

Nationalgarde könnte Einheit des Landes gefährden

Die nun zu schaffende Nationalgarde geht auf einen Vorschlag Washingtons zurück und knüpft an die sunnitischen Sahwa-Milizen an. Dabei handelte es sich um sunnitische Stammeseinheiten, welche die USA einst bewaffneten, um ebenfalls sunnitische Aufständische zu besiegen.

Kritiker warnen, die Nationalgarde leiste dem Zerfall des Iraks in einen schiitischen und sunnitischen Teil Vorschub. Diese Gefahr sieht auch SRF-Nahost-Korrespondent Philip Scholkmann. Doch: «Was ist die Alternative?», fragt er rhethorisch. Es gehe darum, die gemässigt-sunnitischen Stämme zu stärken, um so dem IS möglichst den Nährboden zu entziehen. «Experten sind sich einig», sagt der Korrespondent: «Nur sunnitische Kräfte können die sunnitischen Extremisten des IS wirksam bekämpfen.»

Für Scholkmann ist allerdings offen, ob der Gesetzesvorschlag der irakischen Regierung im schiitisch dominierten Parlament durchkommt. «Es gibt Stimmen, die vor den Risiken warnen, vor allem bei Kurden und Schiiten.» Sie befürchteten, dass die Nationalgarde den Boden für den nächsten irakischen Bürgerkrieg vorbereiten könnte.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Auf Europa werden bald einige Fragen zukommen. Insbesondere dann, wenn der IS vernichtet ist und seine Kämpfer, Anhänger und Unterstützer nach Europa kommen und hier um Asyl anfragen. Und sollten sie hier ordentlich zu Gefängnis verurteilt werden, stellt sich wiederum die Frage, wie man sie abschieben kann, da sie nun in ihren Ländern an Leib und Leben gefährdet sind... Fragen über Fragen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @B.Kerzenmacher. Es ist höchste Zeit, dass Europa endlich anfängt "den Islam" in Politik und Religion zu trennen. Freiheitsliebende Muslime in der Schweiz und Europa sind bereit dazu - sie brauchen aber politische Unterstützung, denn sie sind eine viel zu kleine Minderheit, um selber etwas bewegen zu können. Nur so kann Europa sich von den Islamisten wirklich abtrennen und muss sich nicht permanent "Einschränkung der Religionsfreiheit" vorwerfen lassen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen