Zum Inhalt springen

International Bericht zeigt: Janukowitsch wollte Todesschüsse

Ein Untersuchungsbericht der ukrainischen Übergangsregierung kommt zum Schluss: Der damalige Präsident Viktor Janukowitsch hat die tödlichen Schüsse auf dem Maidan Platz angeordnet. Im Februar starben auf dem Protestplatz in Kiew fast 90 Menschen im Kugelhagel der Polizei.

Legende: Video Kiew macht Janukowitsch für Maidan-Blutbad verantwortlich abspielen. Laufzeit 3:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.04.2014.

Auch Agenten des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB seien in das Blutvergiessen verwickelt gewesen. Dies sagte der Chef der ukrainischen Sicherheitsdienste, Valentin Naliwaitschenko. Dies wurde von dem Dienst in Moskau umgehend dementiert.

Die monatelangen Proteste gegen Janukowitsch in Kiew waren vom 18. bis zum 20. Februar in offene Gewalt umgeschlagen. Auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) im Zentrum der Hauptstadt wurden fast 90 Menschen getötet. Viele wurden von Scharfschützen der Polizei erschossen.

Sarg wird durch eine Menschenmenge getragen.
Legende: Die Bestürzung in Kiew war nach den tödlichen Schüssen riesig. Keystone

Mehrere Polizisten verhaftet

Die Regierungsgegner machten Staatschef Janukowitsch für die Toten verantwortlich. Nach dem Blutbad wurde er gestürzt. Unabhängige Erkenntnisse zu den Tätern und ihren Motiven liegen bislang aber nicht vor.

Naliwaitschenko präsentierte den ersten Zwischenbericht zu den laufenden Ermittlungen zusammen mit Interims-Innenminister Arsen Awakow und Generalstaatsanwalt Oleg Machnizki.

Laut Machnizkis Stellvertreter Olexi Baganez hatten Verdächtige der «Schwarzen Einheit» – einer Spezialeinheit der mittlerweile aufgelösten Bereitschaftspolizei Berkut – in Vernehmungen ausgesagt, sie hätten nur Waffen an Berkut-Mitglieder verteilt, damit sich diese gegen Angriffe von Demonstranten wehren könnten.

«Aber wir glauben ihnen nicht», sagte Baganez. Zwölf Mitglieder der «Schwarzen Einheit» wurden deshalb am Mittwoch festgenommen. Den Polizisten wird vorgeworfen, friedliche Demonstranten erschossen zu haben.

Europarat will neutrale Aufklärung

«Die Polizisten wurden für Sondereinsätze trainiert, zu denen auch die Tötung von Menschen gehört», sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. «Sie wurden direkt vom Präsidialamt überwacht.»

Nach dem Machtwechsel in Kiew waren Zweifel an der Darstellung aufgekommen, dass allein Janukowitschs Führung das Blutbad provozierte. So äusserte Estlands Aussenminister Urmas Paet in einem publik gewordenen Telefonat mit EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton den Verdacht, radikale damalige Oppositionskräfte könnten in die Todesschüsse verwickelt sein, um die Proteste weiter anzuheizen. Auch der Europarat forderte eine neutrale Aufklärung.

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Wer erinnert sich noch an Benno Ohnesorg? Das war der Student, der am 2. Juni 1967 während des Schah-Besuchs in West-Berlin von einem Polizisten erschossen wurde, obwohl er unbewaffnet war. Das war der Auslöser zu den nachfolgenden Unruhen. Jahre später stellte es sich heraus, dass sein Mörder ein Stasi-Spitzel mit dem Auftrag war, bewusst Unruhen anzuheizen. - Seht ihr den Zusammenhang? Ich bezweifle nicht, dass Spezialisten aus Russland am blutigen Donnerstag mitgemischt haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Wahnsinn, dieser Meinungs-Einheitsbrei da unten! Ihr solltet nicht nur SRF-Nachrichten auf "Blick"-Niveau lesen, sondern euch z.B. auch in der NZZ informieren. Dort wird das bestätigt, was von der jetzigen Regierung in Kiew behauptet wird. Und was den estnischen Aussenminister betrifft, hat dieser bereits gesagt, dass sein Telefonat mit C. Ashton falsch wiedergegeben und aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. Ob es euch passt oder nicht, Russland WAR wirklich mitverwickelt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Ich glaube Sie müssen mir nicht sagen was ich zu lesen habe, das weiss ich selber gut genug. Viel wichtiger ist: Warum glauben Sie jedes Wort das in der Zeitung steht?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    War ja anzunehmen. Und in diesen Bericht wird noch ein wenig Gift gegen Russland gestreut & fertig ist das "Hexen-Bräu." Positiv ist, dass der Europarat auf eine unabhängige Untersuchung besteht. Doch wenn man üble Dinge vertuschen will, dürfe eine solche ziemlich schwer werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen