Berlusconi betritt Neuland: Cavaliere leistet Sozialarbeit

Neue Töne von Italiens Ex-Premier. Milliardär Berlusconi will zur Strafe für sein Steuervergehen gemeinnützige Arbeit leisten. Das jedenfalls sagt der Anwalt des Cavaliere. Dem Gericht soll bald ein entsprechender Antrag zugehen.

Berlusconi faltet die Hände Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sozialstaat, ich komme: Silvio Berlusconi. Reuters/Archiv

Der wegen Steuerbetrugs verurteilte Medien-Mogul mit einem unübersehbaren Drang zur Extravaganz will zur Strafe Sozialstunden leisten.

Sein Anwalt sagte, ein entsprechender Antrag werde innerhalb einer Woche gestellt, danach werde man über Details sprechen. Berlusconi war wegen eines Steuerdelikts rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde später auf ein Jahr reduziert.

Mitarbeit im Altersheim?

Wegen seines hohen Alters von 77 Jahren kann er zwischen Hausarrest oder gemeinnütziger Arbeit wählen. Als Sozialarbeit kommen unter anderem Dienste im Altersheim oder Mitarbeit bei Wohn- oder Umweltprojekten infrage. In Italien kann sich jedoch kaum jemand vorstellen, dass der Milliardär beispielsweise einen Park säubert.

Am Freitag empfahl der Immunitätsausschuss des italienischen Senats, Berlusconi aus der Kammer auszuschliessen. Damit rückt der Rauswurf des Politikers aus dem Parlament näher. Eine Entscheidung wird binnen drei Wochen erwartet.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Das System Berlusconi

    Aus 10vor10 vom 2.10.2013

    Heute haben Silvio Berlusconi die eigenen Leuten im Stich gelassen. Bis anhin schien es, als wäre er Politiker auf Lebzeit. Trotz unzähliger Skandale war er in den letzten 20 Jahren drei Mal Ministerpräsident. Immer wieder wurde er totgesagt - immer wieder ist er auferstanden. Wie konnte er sich so lange halten?

  • «Berlusconi ist politisch tot»

    Aus Echo der Zeit vom 2.8.2013

    Dies twitterte Beppe Grillo, nachdem das oberste italienische Gericht den ehemaligen Ministerpräsidenten zum ersten Mal rechtskräftig verurteilt hatte. «Berlusconi wird einfach aus dem Hintergrund Einfluss nehmen», sagt hingegen Karl Zeller. Er sass mit Silvio Berlusconi im Senat.

    Roman Fillinger