Bombenserie in Thailand: Über Täter wird wild spekuliert

In thailändischen Ferienorten sind mehrere Sprengsätze explodiert. Es gab Tote und offenbar Dutzende Verletzte. Schweizer sind keine betroffen. Die Behörden spielen die Ereignisse herunter. Es handle sich nicht um Terroranschläge, sondern um örtliche Sabotage. Zwei Männer wurden festgenommen.

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Explosionen in Thailand

1:32 min, aus Tagesschau am Mittag vom 12.8.2016
  • Innerhalb von 18 Stunden sind in zentralen und südlichen Provinzen mindestens elf Bomben detoniert
  • Es gibt 5 Schauplätze in zentralen und südlichen Provinzen: Trang, Hua Hin, Phuket, Surat Thani und Phang Nga
  • Offenbar sind vier Personen getötet und Dutzende verletzt worden – unter ihnen mehrere Ausländer
  • Die Polizei schliesst einen Terrorakt aus und macht örtliche Saboteure für die Anschläge verantwortlich
  • Wer hinter den Anschlägen steht, ist noch ungewiss – zwei Männer wurden laut Behörden verhaftet und befragt
  • Gemäss EDA sind keine Schweizer verletzt oder getötet worden
  • Die Reiseveranstalter Kuoni und Hotelplan Suisse bieten ihren Kunden bis zum 15. August kostenlose Umbuchungen un Stornierungen an

Eine Bombenserie mit Toten und Dutzenden Verletzten hat Thailand erschüttert. Mindestens vier thailändische Staatsbürger sind gestorben. Dutzende Personen, darunter auch Ausländer, wurden verletzt.

Bomben in Trang und in Hua Hin

Gestern Nachmittag (Ortszeit) soll zunächst auf einem Markt in der südlichen Stadt Trang eine Bombe detoniert sein. Womöglich sind eine Person gestorben und sechs Menschen verletzt worden.

Kurz vor Mitternacht sollen dann in kurzem Abstand zwei Sprengsätze in Hua Hin detoniert sein – einer bei Touristen beliebten Stadt, die rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Bangkok liegt. Bei den Explosionen in einem Ausgehviertel wurde offenbar eine thailändische Verkäuferin getötet, rund 20 Menschen erlitten Verletzungen. Am Freitagmorgen sollen dann in Hua Hin zwei weitere Bomben unter dem Glockenturm explodiert sein. Dabei ist laut Medienberichten ein Mann gestorben, angeblich drei Personen wurden verletzt.

Einschätzungen von Pascal Nufer

1:52 min, aus Tagesschau am Mittag vom 12.8.2016

Explosionen auf Ferieninsel Phuket und in Provinz Surat Thani

Ebenfalls am Morgen wurden zwei Bombenexplosionen aus Phuket gemeldet. Bei der Detonation, zu der es in der Nähe des ebenfalls bei Urlaubern beliebten Badestrands Patong kam, wurde nach Polizeiangaben ein Taxifahrer verletzt.

Zwei weitere Bombenanschläge gab es im äussersten Süden Thailands, der mehrere hundert Kilometer von Hua Hin und Phuket entfernt ist. In der Provinz Surat Thani wurde womöglich eine städtische Angestellte getötet, als vor der Küstenpolizei eine Bombe explodierte.

Schliesslich detonierten zwei Bomben vor einem Markt in Phang Nga. Bisher gibt es aus der südlichen Provinz keine Berichte von Verletzten oder Toten.

Einschätzung von SRF-Korrespondentin Wenger

Einschätzung von SRF-Korrespondentin Wenger
Laut Karin Wenger, SRF-Südostasien-Korrespondentin, gibt es noch «keine gefestigten Informationen, wer die Urheber der Anschläge sind.» Es werde jedoch «wie wild darüber spekuliert.»

«Als Täter genannt werden muslimische Aufständische aus dem Süden Thailands, IS oder gar die Armee. Alles Spekulationen», betont Wenger.

«Die Anschläge treffen Thailand, wo es am meisten schmerzt: An Stränden und Ferienorten. Kein gutes Zeichen für den Tourismus», so die SRF-Korrespondentin.

Keine Schweizer Opfer

Laut den thailändischen Behörden sind drei Deutsche, drei Niederländer, drei Italiener und eine Österreicherin verletzt worden. Zuvor war auch von zwei Briten die Rede gewesen.

Schweizer Staatsangehörige befinden sich nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) weder unter den Todesopfern noch unter den Verletzten.

Das EDA hat im Rahmen seiner Reiseempfehlungen schon länger auf das Risiko von Anschlägen und Sabotageakten in Thailand hingewiesen. Die Reiseveranstalter Hotelplan Suisse und Kuoni bieten ihren Kunden nach der Bombenserie kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen an. Das Angebot gilt bis zum 15. August. Laut den beiden Unternehmen befinden sich derzeit Dutzende ihrer Kunden in den betroffenen Gebieten. Zu Schaden gekommen sei nach derzeitigem Kenntnisstand aber keiner.

Kein Terrorakt?

«Die Bombenattentate tragen dieselbe Handschrift», sagte Armeegeneral Danai Kritmethavee. «Wir gehen zurzeit davon aus, dass es sich um eine koordinierte Attacke handelt.» Wie die Behörden weiter mitteilten, wurden im Zusammenhang mit den Attentaten zwei Männer festgenommen und befragt.

Gemäss der thailändischen Polizei handelt es sich bei der Anschlagsserie nicht um einen Terrorakt. «Das ist nur örtliche Sabotage, die sich auf begrenzte Gebiete und Provinzen beschränkt», teilte ein Sprecher in Bangkok mit.

Regierungschef Prayut Chan-o-cha erliess nach den Worten von Regierungssprecher Winthai Suvaree Notverordnungen. Die Sicherheitsvorkehrungen in Städten und an Touristenzielen sollten erhöht werden, vor allem in Busbahnhöfen, Bahnhöfen, Flughäfen, Touristenattraktionen, Restaurants und Vergnügungsvierteln.

Königin hat Geburtstag

Heute Freitag wird in Thailand der 84. Geburtstag von Königin Sirikit gefeiert. Ob ein Zusammenhang zwischen den Feierlichkeiten und der Bombenserie besteht, ist noch unklar. Die Militärjunta geht eine Woche nach dem Verfassungsreferendum von politischen Motiven aus.

Die Militärjunta, die 2014 nach einer Phase blutiger Unruhen die Macht ergriffen hatte, hält sich selbst zu Gute, das Königreich wieder zu Stabilität und Ordnung geführt zu haben. Allerdings ist es auch dem Militär nicht gelungen, den seit Jahren im äussersten Süden des Landes schwelenden Aufstand muslimischer Rebellen in den Griff zu bekommen. In dem Konflikt wurden bereits mehr als 6500 Menschen getötet.

Vor knapp einem Jahr waren bei einem Anschlag in Bangkok zudem an einem beliebten Hindu-Schrein 20 Menschen getötet worden, die meisten davon ausländische Touristen. Die Behörden machen zwei Uiguren aus dem Westen Chinas dafür verantwortlich. Die beiden Männer, die demnächst vor Gericht erscheinen sollen, bestreiten jedoch jede Verwicklung.

Anschläge in Thailand in den letzten fünf Jahren

Anschläge in Thailand in den letzten fünf Jahren
2016 August
Bei elf Bomben an fünf Schauplätzen – Hua Hin, Phuket, Trang, Surat Thani, Phang Nga – sterben mindestens vier Menschen, Dutzende werden verletzt. Auch Touristen sind unter den Verletzten.
2016 August
Eine doppelte Detonation in der Feriendestination Hau Hin reisst eine Frau, die Papayas verkauft, in den Tod. 19 Menschen werden verletzt, darunter auch Touristen.
2016 August
Eine Explosion auf einem Strassenmarkt in der Provinz Trang tötet einen Verkäufer und fünf Personen, die in seiner Nähe stehen.
2016 Februar
Eine Autobombe explodiert vor einer Polizeistation im südlichen Thailand. Sieben Menschen werden verletzt.
2015 August

Eine Explosion beim Erawan-Schrein reisst in Bangkok 20 Menschen in den Tod, die meisten davon sind chinesische Touristen.
2015 Februar
Zwei kleine Bomben detonieren neben einem Shoppingcenter in Bangkok. Ein Mann wird verletzt.
2014 April
Eine Autobombe in einer Tiefgarage eines Einkaufszentrums in der thailändischen Hauptstadt verletzt sieben Personen, darunter ein italienisches Mädchen.
2014 März
Eine Kette von Anschlägen mit Handgranaten trifft Chiang Mai, vier Verletzte sind die Folge. Die Stadt im Norden Thailands ist bei Touristen bliebt.
2014 Februar
Eine Granate schlägt in einem Bangkoker Einkaufsviertel ein. Drei Menschen sterben, darunter zwei Kinder.
2014 Februar
Eine Frau und ein Kind sterben durch eine Granate während einer Kundgebung von Regierungsgegnern ebenfalls in einem Einkaufsquartier in der thailändischen Hauptstadt.
2014 Januar
28 Menschen werden bei einem doppelten Bombenanschlag während eines Protests von Regierungsgegnern im Zentrum Bangkoks verletzt.
2013 Mai
Eine neben Abfalleimern versteckte Bombe explodiert in einem dicht gefüllten Einkaufszentrum in einem Vorort von Bangkok. Sie verletzt sieben Personen.
2012 Februar
Eine Serie von eher dilettantisch ausgeführten Bombenanschlägen in Bangkok verletzt zahlreiche Personen. Sie werden Iranern angelastet, die angeblich versucht hätten, israelische Diplomaten zu töten. Zwei der Iraner, darunter auch derjenige, der beim Anschlag ein Bein verloren hat, wurden 2013 zu Haftstrafen zwischen 15 Jahren und lebenslänglich verurteilt.
2011 Dezember
In der thailändischen Hauptstadt wird in der nähe der staatlichen Lotterie ein explosives Gerät gefunden. Einsatzkräfte können es entschärfen. Die Behörden geben an, die Täter hätten die Regierung angreifen wollen.
2010 Oktober
Eine Explosion in einem Wohnkomplex in Bangkok kostet neun Menschen das Leben. Die Regierung beschuldigt die «Rothemden»-Bewegung. Diese streitet die Urheberschaft ab.
2010 Juli

Ein Sprengsatz jagt eine Busstation in Zentralbangkok in die Luft. Der mutmassliche Anschlag verletzt 9 Menschen und heizt die Spannungen zwischen der amtierenden Regierung und Oppositionellen wieder an.

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