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Boom in den USA Wie lange hält Trumps Wirtschaftswunder?

Legende: Audio Die US-Wirtschaft läuft gut - aber wie lange? abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
03:44 min, aus Echo der Zeit vom 28.07.2018.

Die amerikanische Wirtschaft boomt. Um gut vier Prozent ist die weltgrösste Volkswirtschaft im zweiten Quartal gewachsen; das wurde Ende Woche bekannt.

US-Präsident Donald Trump betonte vor den Medien das amerikanische Wirtschaftswunder. Für ihn sind die jüngsten Wachstumszahlen erst der Anfang. Die Zahlen seien sehr, sehr nachhaltig, sagte er; sie seien weit mehr als ein kurzzeitiger Erfolg.

Legende:
Die US-Wirtschaft boomt Wachstumsrate des US-Bruttoinlandprodukts (BIP) in Prozent pro Quartal, jeweils auf ein Jahr hochgerechnet (annualisiert). U.S. Bureau of Economic Analysis

Tatsächlich erwarten auch viele Ökonomen, dass die USA bis auf weiteres das Zugpferd der Weltkonjunktur bleiben. Ein Grund sei der kräftige Privatkonsum im Land, erklärt Thomas Gitzel, Chefökonom der international tätigen VP Bank im liechtensteinischen Vaduz: «Der private Konsum in den USA wird sehr robust weiterlaufen.» Das läge daran, dass in der grössten Volkswirtschaft der Welt Vollbeschäftigung herrsche.

Zollkonflikt mit China als ernste Gefahr

Solange die Amerikanerinnen und Amerikaner Arbeit hätten und weiter rege konsumieren würden, sei der Aufschwung intakt. Das Wachstums-Tempo jedoch könne rasch wieder abnehmen, warnt der Ökonom. Denn der Zollkonflikt mit China und anderen wichtigen Handelspartnern sei eine ernste Gefahr.

«Sollten weitere Zölle – zum Beispiel gegenüber China – den US-Unternehmenssektor stark verunsichern, dürften wir den Effekt bekommen, dass Unternehmensinvestitionen zurückgestellt werden und damit das Wachstum insgesamt abgeschwächt wird.»

Das heisst: Die US-Firmen würden beispielsweise weniger Geld in neue Fabriken stecken, solange sie befürchten müssen, dass der Handelszwist eskaliert, den Trump vom Zaun gerissen hat.

Zollmauern: ein zweischneidiges Schwert

Bereits sind Wirtschaftsvertreter beim Weissen Haus in Washington vorstellig geworden und haben versucht, dem US-Präsidenten klar zu machen: Auch amerikanische Firmen leiden, wenn Trump die heimischen Märkte mit Zollmauern abschottet.

Denn die Firmen sind global vernetzt. Die US-Autoindustrie zum Beispiel bezieht Autoteile auch aus Europa und China. Höhere Zölle würden amerikanische Autos für den US-Heimmarkt verteuern, sagt Thomas Gitzel. Und damit bestehe die potenzielle Gefahr, dass der Absatz von Autos in den USA ins Stocken gerate.

Verunsicherung als Investitionshemmnis

Das Hauptproblem sei dabei die wachsende Verunsicherung in den Köpfen der Firmenmanager: Weil diese nicht wüssten, was auf sie zukomme bei einer handelspolitischen Eskalation – etwa mit China. Ein negativer Effekt, der mit ökonomischen Modellen schwer zu fassen sei. «In solch einem Umfeld werden die Unternehmen nicht mehr Geld in die Hand nehmen und in ihr eigenes Unternehmen stecken», was die Unternehmensinvestitionen härter treffen werde, als es die Modelle abbilden.

Am Ende doch auf der Verliererseite

Trump werde sich aber davon kaum gross beeindrucken lassen, meint der Chefökonom der VP Bank. Der US-Präsident werde wohl an seiner konfrontativen Handelspolitik festhalten. Und am Ende könnten deshalb die US-Wirtschaft und Trump selbst auf der Verliererseite stehen. «Trump schiesst sich mit diesen Massnahmen ins eigene Knie», so Gitzel.

Auf den Jubel über den Aufschwung in den USA könnte darum schon in wenigen Quartalen die Ernüchterung über das Ende des Booms folgen.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von elize naude (elize)
    es ist schon erstaunlich wie viel aufmerksamkeit ein mensch mit negativität erzielt... ich arbeite mit menschen die so ein krankes gestörtes verhalten haben... mehr muß ich nicht erklären oder?
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Es war doch immer so: unter den Republikanern wurden kräftige Schulden angehäuft und die Wirtschaft mit besonders günstigen KOnditionen aufgepumpt. Wenn dann die Demokraten an die Macht kamen, mussten die erst mal konsolidieren und das mögen die US-Amerikaner nun überhaupt nicht - Sparen ist nicht unbedingt populär.
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  • Kommentar von Florian Kleffel (Hell Flodo)
    Nach Reagan, auch schon angetreten mit dem Slogan "MAGA", platzte an der Wallstreet bis 2008 ungefähr alle 10 Jahre eine grossartige Blase. (Parallel dazu nahm die Polarisierung der Gesellschaft zu.) Erst Obamas Administration brachte hier eine Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit. Von dieser soliden Basis profitiert Trump. Demselben traue ich allerdings noch Grossartigeres zu als Reagan: Vielleicht schafft er es sogar innerhalb von 4 Jahren, eine grossartige Blase platzen zu lassen.
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Obama hat die Schulden extrem nachhaltig in die Höhe getrieben und die Blase genauso befeuert wie alle anderen.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Haller, ganz korrekt ist Ihre Aussage nicht. Die Vorgänge in Mitteleuropa nach WW2 kann man mit Fug und recht als Wirtschaftswunder bezeichnen, und nachhaltig war es auch.
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    3. Antwort von Jana Vilim (Jana Vilim)
      NZZ 9.11.2016, 07:15 Uhr: Obama hinterlässt gigantischen Schuldenberg Angeblich wachsen die Staatsschulden der USA täglich um 2,8 Mrd. $. Insgesamt belaufen sich die Schulden der USA auf fast 20 Bio. $. In Obamas Amtszeit haben sie sich nahezu verdoppelt.
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