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International Brüssel: «Mann mit dem Hut» gefasst

Der am Freitag festgenommene Mohamed Abrini hat gestanden, der «Mann mit dem Hut» zu sein. Der dritte Terrorverdächtige der Anschläge am Brüsseler Flughafen ist somit gefasst. Der ebenfalls am Freitag festgenommene Osama Krayem wurde derweil als Begleiter des Metroattentäters identifiziert.

Legende: Video Weitere Polizeieinsätze in Brüssel abspielen. Laufzeit 1:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.04.2016.

Der als «Mann mit dem Hut» gesuchte dritte Terrorverdächtige der Anschläge am Brüsseler Flughafen ist gefasst. Es handele sich um den am Freitag verhafteten Mohamed Abrini, teilte die Brüsseler Staatsanwaltschaft mit.

Porträt von Mohamed Abrini
Legende: Mohamed Abrini gestand, der gesuchte «Mann mit Hut» zu sein. Keystone

Abrini sei mit Ermittlungsergebnissen konfrontiert worden und habe seine Anwesenheit am Tatort zugegeben, hiess es. Auf Fahndungsfotos und -videos vom Flughafen war er stets mit einer hellen Jacke und einem dunklen Hut zu sehen gewesen. Diese Jacke hat Abrini laut Staatsanwaltschaft in einen Mülleimer geworfen, den Hut danach verkauft.

Dem 31-jährigen Belgier werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in leitender Funktion sowie terroristische Morde vorgeworfen. Auch in die Pariser Terroranschläge war er demnach verwickelt, obwohl seine genaue Rolle unklar ist.

Offen blieb zunächst, ob ein neuer Fahndungsaufruf zu dem Ermittlungserfolg geführt haben könnte. Erst am Donnerstag hatte die Polizei ein Video sowie detaillierte Informationen zur Fluchtroute des Mannes mit dem Hut veröffentlicht.

Zwei Porträts von Osama Krayem.
Legende: Als Begleiter des Brüsseler Attentäters, der sich in der Metro in die Luft sprengte, identifiziert: Osama Krayem. EVN

Osama Krayem als Metroattentäter identifiziert

Neben Abrini sprach der Untersuchungsrichter Haftbefehle gegen drei weitere Personen aus. Einer von ihnen wurde als Begleiter des Brüsseler Metroattentäters identifiziert, wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte. Es handelt sich um den ebenfalls am Freitag festgenommenen Osama Krayem. Auch beim Einkauf der Taschen, die die Terroristen bei den Anschlägen in Brüssel nutzten, sei Krayem dabei gewesen, teilten die belgischen Behörden mit. Der Schwede hielt sich im vergangenen Jahr in Deutschland auf.

Krayem wurde nach den bisherigen Ermittlungen am 3. Oktober vergangenen Jahres vom mutmasslichen Paris-Terroristen Salah Abdeslam in Ulm in Baden-Württemberg abgeholt und nach Belgien gebracht.

Weitere Festnahme

Ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft bestätigte zudem die Festnahme eines weiteren Verdächtigen in Brüssel. Weitere Angaben zu dem Mann machte er vorerst nicht.

Der flämische Sender VRT und die Zeitung «De Standard» identifizierten den Mann als Bilal El Makhoukhi. Der 27-Jährige wird als Helfer von Abrini und Krayem eingestuft. Er war vergangenes Jahr wegen Mitgliedschaft in der Islamisten Organisation Sharia4Belgium zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, kam aber vorzeitig frei. El Makhoukhi wurde am Freitagabend festgenommen.

Islamisten töteten 162 Menschen

Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einem U-Bahn-Wagen hatten die Terroristen am 22. März 32 Menschen getötet.

Die Terrorserie von Paris am 13. November vergangenen Jahres kostete 130 Opfer das Leben, zudem starben am Tag der Anschläge und bei einer späteren Polizeiaktion insgesamt neun Attentäter.

Die Urheber der Bluttaten standen nach Erkenntnissen der Ermittler in Verbindung. In beiden Fällen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu den Anschlägen, die in Syrien, im Irak und in Libyen grosse Gebiete beherrscht.

Attentäter keine Verbindung zur Schweiz

Die Attentäter von Brüssel weisen nach Einschätzung des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) keinen Bezug zur Schweiz auf. Das sagte NDB-Chef Markus Seiler in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Temps». Die Anschläge seien für den Nachrichtendienst keine Überraschung gewesen, sagte Seiler weiter. «Seit dem November 2015 gehen wir von einer erhöhten terroristischen Bedrohung in Europa aus, auch in der Schweiz.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Reagan und seine ideologischen Nachfolger haben grosse Schuld am heutigen Ausmass an islamistischen Söldner/Feinden. Die Unterscheidung wird zusehends schwieriger, weil fast alle einmal von US-Kräften missbraucht werden. Gilt in geringerem Masse auch für andere Mächte in West und Ost. Doch gemeinsam an der Strategie ist das enorme Gewinnpotential durch Ankurbelung der Kriegsindustrie und nachfolgendem Wiederaufbau. Die Verschuldung betroffener Gebiete ist riesig und erzeugt wiederum Renditen.
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  • Kommentar von Erwin Jenni (ej)
    Ich danke der belgischen Polizei für diese gute Fahndungsarbeit. Man vergisst sehr schnell,was für einer Gefahr sich diese Polizisten Tag für Tag aussetzen. Sicher,die belgischen Sicherheitsbehörden haben grosse Fehler gemacht,aber die Hauptschuldigen sitzen in Brüssel! Das komplete Versagen der EU und dessen Elite bei der Beurteilung der terroristischen Gefahr durch den Islamismus,muss als erstes angeprangert werden! Jahrzehntelang redete man diese Gefahren schön.Nun scheint es zu spät zu sein.
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  • Kommentar von Peter Holzer (Peter Holzer)
    Schonungsloses vorgehen gegen Terroristen kann man sicher nur befürworten! Wer aber denkt der Staat oder geschlossene Grenzen könnten solche Taten verhindern ist wohl eher als gutgläubig zu bezeichnen. Je schwieriger es scheint ein solches Attentat verüben zu können, desto grösser die "Anerkennung" unter gleichgesinnten für die Täter und die Motivation genau dort zuzuschlagen.
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