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International Cameron: «Brexit wäre unumkehrbar»

Sprechen sich die Briten am Donnerstag für den Austritt aus der EU aus, so ist dies endgültig – zumindest aus Sicht von Premierminister David Cameron. Es werde keine zweite Chance geben, über die Rolle Grossbritanniens in der Europäischen Union zu bestimmen.

Legende: Video Harte Bandagen im Brexit-Abstimmungskampf abspielen. Laufzeit 01:20 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 19.06.2016.

Die Schicksalsabstimmung steht unmittelbar bevor: Grossbritanniens Premierminister David Cameron mahnt deshalb nochmals eindringlich, welche Konsequenzen ein EU-Austritt seiner Meinung nach für das Land hätte.

Sollten sich die Briten am Donnerstag für den sogenannten Brexit entscheiden, sei dies unwiderruflich. Es werde keine zweite Chance geben, über die Rolle Grossbritanniens in der Europäischen Union zu bestimmen.

Cameron: «Werde nicht zurücktreten»

«Das ist eine unumkehrbare Entscheidung mit sehr schlechten Konsequenzen für die britische Wirtschaft», sagte Cameron der «Sunday Times». Der Premier machte zudem klar, dass er auch im Falle eines Brexit nicht zurücktreten wolle. «Es wird kein Urteil über mich sein, wie auch immer der Ausgang ist.»

Endgültig oder nicht-endgültig, das bleibt die Frage. Die «Sunday Times» empfahl ihren Lesern in einem Leitartikel, zunächst für einen Austritt aus der EU zu stimmen. So solle der Druck erhöht werden, um eine tiefergehende Reform der EU zu erzielen. Diese würde es den Briten dann leichter machen, nach einem zweiten Referendum letztendlich doch in der Gemeinschaft zu bleiben. Die «Sunday Times» griff damit einen Vorschlag des ehemaligen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson auf, einem der prominentesten Verfechter eines «Nein» zur EU.

Legende: Video «Es gibt keine zweite Chance» abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.06.2016.

EU-Befürworter liegen knapp vorne

Die Zeitung veröffentlichte auch eine am Donnerstag und Freitag erstellte Umfrage, wonach die EU-Befürworter wieder leicht vorne liegen sollen. Sie kommen auf 44 Prozent, die zuletzt führenden EU-Gegner auf 43 Prozent. Auch andere am Samstag veröffentlichte Umfragen zeigen, dass die EU-Befürworter wieder mehr Zulauf bekommen.

Der Umschwung habe aber nichts mit dem tödlichen Attentat auf die Abgeordnete Jo Cox zu tun, erläuterte die «Sunday Times». Vielmehr spiegelten sich in der Erhebung wachsende Sorgen wegen möglicher wirtschaftlicher Folgen eines sogenannten Brexit wider.

Wahlkampf läuft wieder

Nach dem Attentat auf Cox war der Abstimmungskampf vorübergehend ausgesetzt worden. Heute Sonntag soll er weitergehen: Premierminister Cameron stellt sich am Abend (19.45 MESZ) im BBC-Fernsehen Fragen von Zuschauern. Auch Justizminister Michael Gove, ein Austritts-Wortführer, tritt öffentlich auf.

Mit Spannung wird erwartet, ob die Wortführer beider Lager ihren Ton im Wahlkampf mässigen. Kritiker hatten moniert, die Debatte sei zuletzt immer giftiger geführt worden. Sowohl Cameron als auch Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn plädierten nach dem Attentat dafür, Hass und Intoleranz in der Politik zu überwinden.

Die getötete Abgeordnete Cox hatte seit Beginn der Kampagne für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU geworben. Sie hatte sich zudem für Flüchtlinge eingesetzt.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Alles ist immer nur aufs Geld und momentane Wohlstands-Erhaltung und Verteidigung ausgerichtet. Freiheit und Selbstbestimmung wird sträflich vernachlässigt. Aber die Sinuskurve auf dessen Höhenflug momentan geschwommen wird, geht unweigerlich auch wieder nach unten oder sie ist schon im Sinkflug und darum diese Angstmacherei.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Cameron kann gar nicht mehr anders. Aus diesem Vorfall ist er geradezu verdammt dazu widerwillig dennoch Kapital für seine Sache aus diesem Mord schlagen zu müssen. Da erleben wir eine dramatische Tragödie, die nur die Geschichte schreiben kann. - Letztlich hat nun ein Moerder, ein Opfer in der Rolle der Maertyrerin und die Medien diese Abstimmung entschieden.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    In Zeiten von MSM und social medias ist es für Parteien enorm wichtig, entweder als die "Guten" oder als "Opfer" von Extremen dazu stehen. Obwohl die Brexit-Gegner bereits vor dem Mord an Cox Aufwind hatten, könnte diese extrem brutale Tat den Brexit-Gegnern entscheidend helfen. Die Informationsbreite ist heute sehr hoch, doch auch die Beeinflussbarkeit für breite Massen durch social medias. Das Schwimmen im Strom war schon immer bequem und man hat oft weniger Scherereien.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      In der Tat, die BREXiT-Gegner gewinnen nun diese Abstimmung problemlos. Es hätte für sie nicht besser laufen können. Sie haben nun eine Maertyrerin und nutzen die Gunst der Stunde knallhart aus. Man nennt so was Realpolitik. Wir sind nun Zeitzeugen einer Tagoedie, wo ein schändliche Tat eines Verwirrten, den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmt. - So perfekt wie es da nun abläuft, kann man es ja gar nicht planen um seinen Widersachern einen Strich durch die Rechnung machen zu können.
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