Zum Inhalt springen
Inhalt

Kim Jong Uns grosser Nachbar China hat kein Interesse am Zusammenbruch Nordkoreas

Jeder Punkt sei nun militärisch in Reichweite, behauptet Nordkorea. Doch was ist eigentlich das Ziel der Provokation?

Legende: Audio Nordkorea provoziert erneut mit Raketentest abspielen. Laufzeit 02:17 Minuten.
02:17 min, aus Rendez-vous vom 04.07.2017.

Eine Interkontinentalrakete sei es gewesen, verkündeten Nordkoreas Staatsmedien heute Vormittag stolz. Damit sei nun jedes Ziel auf der Welt in Reichweite. Die US-Amerikaner tippten dagegen auf eine Mittelstreckenrakete. Wer von beiden auch immer recht haben mag: Fest steht, dass Nordkorea schon länger an einer Interkontinentalrakete arbeitet und sein Atomwaffenprogramm vorantreibt.

Der grösste Druck, Nordkoreas nuklearen Ambitionen einzudämmen, lastet auf China. Es ist der letzte Verbündete des Regimes in Pjöngjang.

USA bestraft chinesische Bank

Offiziell spricht sich auch China für Sanktionen gegen Nordkorea aus. Zum Beispiel hat China den Import von Kohle aus Nordkorea so gut wie gestoppt. Das tut Nordkorea weh. Gleichzeitig aber handeln chinesische Unternehmer in den Grenzregionen weiterhin mit Nordkorea. So beschlossen die USA erst letzte Woche Sanktionen gegen eine chinesische Bank, die gegen das Embargo verstossen haben soll.

Denn auch wenn die chinesische Regierung über die Raketenstarts im Nachbarland mehr als nur genervt ist; Nordkorea wirtschaftlich ausbluten lassen, will sie auf keinen Fall.

Denn sollte Nordkoreas Regierung zusammenbrechen, wäre China neben Südkorea als erstes Land betroffen. Millionen von Flüchtlingen würden über die Grenze in Chinas Nordosten kommen.

Vereinigtes Korea wäre ein Problem für China

Ein wiedervereinigtes Korea unter der Führung des Südens hiesse zudem, dass in Korea stationierte US-Truppen direkt an der chinesischen Grenze stehen könnten.

Dessen ist sich auch Kim Jong Un bewusst, und so werden seine kalkulierten Provokationen wohl weitergehen. Sein Kalkül: Je näher Nordkorea seinen nuklearen Zielen kommt, desto riskanter wird es für andere Staaten, Druck auf das Land auszuüben.

China und Russland wollen nach Raketentests vermitteln

Nach Nordkoreas Raketentest wollen die beiden Nachbarstaaten Russland und China gemeinsam eine Entspannung im Konflikt erreichen. Beide Länder schlugen nach Angaben des russischen Aussenministeriums bei einem Staatsbesuch in Moskau vor, Pjöngjang solle seine Tests einstellen. Im Gegenzug sollten die USA und Südkorea auf gemeinsame Grossmanöver verzichten. «Eine unserer gemeinsamen Prioritäten ist es, eine umfassende Lösung für die Probleme auf der koreanischen Halbinsel zu finden», sagte Kremlchef Wladimir Putin bei dem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Beide Länder wollten für langanhaltenden Frieden und Stabilität im Nordosten Asiens sorgen, sagte er der Agentur Tass zufolge. Sowohl Moskau als auch Peking pflegen freundschaftliche Beziehungen zu dem ansonsten isolierten Pjöngjang.

Martin Aldrovandi

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen
Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Die Chinesen haben immer schon mit gezinkten Karten gespielt -sie sind schlau wie der hungernde Fuchs - ich sehe in den Chinesen die grösste Gefahr für die gesamte Welt - nicht der Russe ist gefährlich ! China will den Norden als sein Puffergebiet gegen die USA - darum darf der Chinalakai Kim Raketenspiele machen -ja würde sagen - heimlich unterstützt von China die mit gespaltener Zunge reden und heimlich dem Kim die Möglichkeiten zu dieser Politik erhalten . Sollte es Trump wagen den Kim ?Wow !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Kennen sie Grimms Märchen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      darf ich antworten. ich kenne sie und wie oft im Märchen besiegt das Gute das Böse. Aber hier bin ich mir auch nicht so sicher,welche andere böse Kraft hinter dem Ganzen steckt. Und dann versuchen sie noch Russland mit hinein zu ziehen. Listig wie im Märchen, am Schluss einen Sündenbock zu haben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans Fürer (Hans F.)
      Da scheinen mir die Begründungen von Mario Aldrovandi schon logischer. Zur Gefahr für die ganze Welt wird China kaum je werden, ausser dass das Land wirtschaftlich von Jahr zu Jahr stärker werden dürfte, ohne aber je den Einfluss der USA erreichen zu können, die weltweit schon unermesslichen Schaden angerichtet haben und noch immer anrichten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Die Gefahr die von China ausgeht sehe ich darin, dass sie Schritt für Schritt alles aufkaufen um ihr Standbein überall hinzustellen. Bald werden wir wirtschaftlich in eine grosse Abhängigkeit von ihnen kommen, Herr Fürer.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Ich sehe in China die grösste Hoffnung: endlich eine Grossmacht, die nicht durch Krieg sondern durch Frieden gross geworden ist. Was Europa weltweit zerstört, bauen die Chinesen hoffentlich in den nächsten Jahrhunderten wieder auf: Ethik, Frieden, Respekt, Selbstbestimmung der Kulturen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Träume können so schön sein. Das tönt ja, als wäre China der Retter der Menschheit. Durch Ethik, Respekt dem Menschen gegenüber und Anerkennung unserer Kulturen. Das sind für imich zu viel Phantasien. Nein sie haben erkannt, dass der Weg des Ausverkaufs Europas jetzt die Gelegenheit ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oliver St. Holmenolmendolmen (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Naja, das Spiel kann man auch umdrehen: Die USA haben ebenfalls kein Interesse am Fall von Kims Regime, da sonst der Grund für die eigene Präsenz in Südkorea hinfällig wäre, möchte man nicht offen feindselig gegenüber China auftreten. Allein aus diesem Grund hält sich das Regime so hartnäckig. Kim ist für beide Seiten nützlich, während die Südkoreaner einen Grossteil des Risikos tragen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. S. (JJ17)
    Martin Aldrovandi, besten Dank für diese kurze, aber äusserst präzise Analyse! Sie schreiben hier in etwa genau das, was ich seit Monaten den Leuten versuche zu erklären. Ich habe vor einigen Wochen versucht, die Interessen der Konfliktparteien zusammenzufassen. Da realisiert man, dass das bestehen Nordkoreas zu vielen zu sehr nützt. An einem Zusammenbruch dieses Landes ist niemand wirklich interessiert. Eine Öffnung Nordkoreas muss von innen kommen, alles andere könnte verheerend enden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen