Xi Jinping besucht Trump «China will mehr über den Neuen wissen»

Beim ersten Kontakt geht es ums persönliche Kennenlernen. Denn was Peking gar nicht mag, sind Überraschungen, wie SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi erklärt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chinas Staatspräsident Xi Jinping wird heute in den USA von Präsident Donald Trump empfangen.
  • Das Treffen findet nicht im Weissen Haus in Washington statt, sondern auf Trumps Privatanwesen Mar-al-Lago in Palm Beach in Florida.
  • Der Ausgang des ersten persönlichen Kontakts der beiden Staatsmänner dürfte den künftigen Ton zwischen den Ländern bestimmen.

SRF News: Wie berichten die chinesischen Medien über den Besuch?

Martin Aldrovandi: Chinas Medien betonen kurz vor dem Treffen vor allem die positiven Seiten. Zum Beispiel, wie wichtig die beiden Staaten füreinander seien. Bereits gestern meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, das Treffen werde wichtig sein, um den zukünftigen Ton zwischen den Ländern zu bestimmen. Die Online-Seite von Xinhua wird das Treffen in einer speziellen Rubrik vor allem bildmässig begleiten. Auch in einem Video der Chinesischen Volkszeitung liegt der Fokus auf Präsident Xi Jinping.

Das Trump-Anwesen Mar-al-Lago in Palm Beach erwartet hohen Besuch aus China: Präsident Xi Jinping. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Trump-Anwesen Mar-al-Lago in Palm Beach erwartet hohen Besuch aus China: Präsident Xi Jinping. Reuters/Archiv

Was erwartet China vom Treffen?

Es geht vor allem darum, den neuen US-Präsidenten erstmals auf persönlicher Ebene zu treffen. Trump sorgte in den letzten Monaten für ziemlichen Wirbel und für Verunsicherung, etwa mit dem Vorwurf der Währungsmanipulation. Ebenso liess Trump verlauten, China stehle US-Jobs. Dazu drohte er mit Importzöllen. China will nun wissen, was Trump für einer ist. Wichtig sind aber auch schöne Bilder von Xi Jinping als Staatsmann.

«  China will nun wissen, was Trump für einer ist. »

Martin Aldrovandi

Trump kritisierte China, es bringe Nordkorea nicht zur Vernunft. Stellt sich Peking auf ein konfrontatives Verhältnis zur neuen US-Führung ein?

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Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

Das ist schwer zu sagen. China versucht bekanntlich, den Forderungen der USA und der internationalen Staatengemeinschaft in Sachen Nordkorea entgegenzukommen. Etwa mit dem vor einiger Zeit verhängten Kohle-Importstopp. China kritisiert Nordkorea auch für die Raketentests, hat aber kein Interesse daran, dass das Land zusammenfällt. Denn Nordkorea ist für China ein wichtiger geopolitischer Puffer. Was immer die chinesische Führung jetzt auch ankündigen wird, so wird sie Nordkorea nicht komplett fallenlassen. Daran wird auch Trump nichts ändern können.

Wie wichtig ist das Spitzentreffen für China?

Es ist wichtig, um sich auf den neuen US-Präsidenten einstellen zu können. Wenn es etwas gibt, was Peking nicht mag, dann sind das Überraschungen. Etwa Trumps Telefongespräch mit Taiwans Präsidentin kurz nach seiner Wahl oder Twitter-Ankündigungen zu höheren Zöllen. Es war nicht klar ist, wie ernst das alles gemeint ist. Hier will man die Beziehungen verbessern. Es ist auch gut möglich, dass China den USA Investitionen und Warenkäufe verspricht, damit Trump seinem Heimpublikum etwas vorweisen kann.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

USA – China: Der Vergleich

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