Das Comeback der 1-Euro-Jobs

Deutschland hat im EU-Vergleich am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Und die Regierung hat einiges vor. Sie will 100'000 sogenannte 1-Euro-Jobs für Flüchtlinge schaffen. Sie sind Bestandteil eines neuen Gesetzes, welches aber noch genehmigt werden muss. Diese Billiglohn-Jobs sind aber umstritten.

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Für einen Euro die Stunde arbeiten

2:23 min, aus Tagesschau vom 20.6.2016

100'000 sogenannte 1-Euro-Jobs will die deutsche Regierung für Flüchtlinge schaffen. Kleinere Arbeiten zum Stundenlohn von 1 Euro, welche die Integration der Flüchtlinge beschleunigen – und für diese einen ersten Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt sein sollen.

«  Geld steht nicht im Vordergrund. Ich zeige hier, dass ich arbeiten kann – pünktlich und zuverlässig. »

Jamshid Akbari
Flüchtling

«Geld steht im Moment nicht im Vordergrund. Ich zeige hier, dass ich arbeiten kann – pünktlich und zuverlässig bin», sagt etwa Jamshid Akbari. Akbari und seine Frau arbeiten als Flüchtlinge für einen Euro pro Stunde. Der ehemalige Offizier der afghanischen Armee hilft in der Küche der Berliner Flüchtlingsunterkunft – während sein Asylverfahren läuft.

Doch: Ist es nicht menschenunwürdig Flüchtlinge zu solchen Billiglöhnen arbeiten zu lassen? «Die Flüchtlinge erhalten eine Wohnung und die Grundversorgung. Das bedeutet ein Wert von rund 750 Euro», sagt Friedrich Kiesinger, Leiter einer Flüchtlingsunterkunft. «Dazu bekommen sie noch den 1-Euro-Job. Insgesamt erhalten sie damit etwa 930 Euro netto. Das verdient manch einer, der 40 Stunden pro Woche arbeitet, nicht so einfach.»

Damit packt Angela Merkels Regierung ein Instrument der Zeit von Altkanzler Gerhard Schröder aus: 1-Euro-Jobs für Langzeitarbeitslose, um sie zurück an den Arbeitsmarkt zu führen.

«Sackgassen» der Vergangenheit

Was jetzt Flüchtlinge für einen Euro tun sollen, taten damals 840'000 Arbeitlose. Wäschearbeiten, Park säubern, Küchenhilfe. Damit konkurrenziere der Staat den Arbeitsmarkt. Und auch sonst habe das System schon damals nicht getaugt – kritisieren Experten.

«Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es bei Flüchtlingen anders sein sollte», sagt Christian Joppke, Sachverständigenrat für Integration und Migration. «Es sind Sackgassen», so Joppke weiter. Im Park Laub auffegen, mache Menschen nicht fit für die Arbeitswelt.

Parlament muss zustimmen

Die 1-Euro-Jobs sind Bestandteil des neuen Integrationsgesetzes, welches die Regierung diese Woche vorgestellt hat – und welches noch vom Parlament genehmigt werden muss.