«Das Grundproblem besteht weiter in Mali»

Seit 2009 vermittelt die Schweiz zwischen der malischen Regierung und der Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad (MNLA). Trotz der militärischen Intervention Frankreichs werden die Vermittlungen weiter geführt. Warum das so ist, erklärt Spitzendiplomat Yves Rossier.

Tuareg auf Kamelen reitend Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mali: Die Völker des Nordens – zu denen auch die Tuareg gehören – fühlen sich von der Regierung benachteiligt. Keystone

«Das Grundproblem bleibt bestehen»

5:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.01.2013

«Die Vermittlerrolle ist wahrscheinlich wichtiger denn je im heutigen Konflikt», sagt Yves Rossier. Er ist Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Seit 2009 versucht die Schweiz, einen Dialog zwischen den Minderheiten in Nordmali und der Regierung in Bamako in Gang zu bringen. Das EDA ist in Kontakt mit der malischen Regierung und der Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad (MNLA). Der Azawad ist der nördliche Teil des westafrikanischen Staates Mali. Er besteht aus den Regionen Timbuktu, Gao und Kidal.

Spannungen seit Jahrzehnten

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Schweizer Vermittlerrolle

Die Guten Dienste der Schweiz haben eine lange Tradition. Neben den Schutzmacht-Mandaten spielen sie eine wesentliche Rolle in der schweizerischen Friedenspolitik. Das EDA will in politisch-diplomatischen Friedenprozessen eine aktive Rolle spielen. Damit will sie mit zeitgemässen Guten Diensten zur friedlichen Beilegung von Konflikten beitragen.

«Die MNLA hat keinen islamistischen Hintergrund. Sie ist nicht in die aktuellen Gefechte verwickelt. Militärisch spielt die MNLA keine Rolle.» Erst kürzlich habe sich die Bewegung öffentlich zur Einheit Malis bekannt, sagt Rossier in der Sendung «Heute Morgen». Die bestehende Mediation habe nicht zum Ziel, die aktuellen Gefechte zu beenden.

Die Spannungen zwischen den wandernden Völkern im Norden und der sesshaften Bevölkerung bestehen seit Jahrzehnten. «Diese Spannungen sind die Grundlage aller heutigen Probleme», erklärt Spitzendiplomat Rossier. Werden diese Spannungen nicht abgebaut, könne es in zwei, drei Jahren wieder die gleiche Situation geben – auch wenn die militärische Intervention erfolgreich war.

Integration und Beteiligung

«Es geht um die Integration und Beteiligung des Nordens im heutigen Mali», sagt Rossier. Es bestehe kein Kontakt zu den terroristischen Gruppierungen der radikalen Dschihadisten. «Da kann die Schweiz nicht vermitteln», betont der Spitzendiplomat.

«Die Nord-Süd-Spannungen bestehen nicht nur in Mali sondern auch in Nachbarländern», sagt Rossier. Solange dieses Problem nicht gelöst sei, bestehe die Gefahr, dass andere Organisationen davon profitierten. «Im Moment leisten wir in Mali allerdings humanitäre Hilfe. Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf die Vermittlerrolle im Hinblick auf die Zeit nach der Militäraktion», sagt Yves Rossier.