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International «Das ist maritimes Ping Pong mit menschlichem Leben»

Schätzungsweise 8000 Bootsflüchtlinge befinden sich zurzeit auf dem offenem Meer – in der Hoffnung, in Indonesien, Malaysia oder Thailand an Land gehen zu können. Doch nur Indonesien ist bisher bereit, einen Bruchteil der Flüchtlinge aufzunehmen. Menschenrechtler sind empört.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon
Legende: Fordert die Staaten Südostasiens auf, die Flüchtlinge zu retten: UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Reuters

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Staaten Südostasiens aufgefordert, Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Die Rettung von Flüchtlingen auf hoher See sei eine völkerrechtliche Pflicht, sagte Ban.

Auch die US-Regierung drängte die Staaten zum Handeln. «So viele Menschenleben sind in Gefahr», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums. «Wir ermahnen die Regierungen, diese Leute weiter aufzunehmen.»

Diese mahnenden Worte haben nun anscheinend erste Ergebnisse erzielt. So hat Indonesien am Freitag rund 800 Bootsflüchtlinge an Land gelassen. Zeitgleich wies das Land allerdings andere Boote mit Hunderten anderen Flüchtlingen ab.

Tausende auf dem offenen Meer

Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass derzeit etwa 8000 Flüchtlinge auf Booten im offenen Meer unterwegs sind. Die Staaten der Region weigern sich jedoch, sie an Land zu lassen.

An Bord der Schiffe sind vor allem Menschen aus Bangladesch und Angehörige der Rohingya aus Burma. Dabei handelt es sich um eine Minderheit, die im eigenen Land nicht anerkannt wird. Ziel der Schiffe sind vor allem Indonesien und Malaysia, aber auch Thailand.

Menschenrechtler empört

Malaysia und Thailand weigern sich allerdings inzwischen, die Schiffe mit den Flüchtlingen an Bord an Land zu lassen. Die malaysischen Behörden schickten in der Nacht auf Donnerstag denn auch zwei Schiffe mit rund 600 Flüchtlingen an Bord zurück aufs offene Meer.

Legende: Video Thailand bleibt hart gegen Bootsflüchtlinge abspielen. Laufzeit 00:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.05.2015.

Die Regierungen mehrerer Länder in der Region sowie Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Praxis, die Flüchtlinge wieder zurück aufs Meer zu schicken.

Von verschiedenen Ländern wurde der Ruf laut, Such- und Rettungseinsätze zu starten und eine koordinierte Strategie zum Umgang mit den Flüchtlingen zu entwickeln. Thailand berief für den 29. Mai einen regionalen Gipfel zur Flüchtlingsproblematik ein.

«Sie trinken ihren eigenen Urin.»

Hilfsorganisation drängen hingegen darauf, die Flüchtlinge gleich aufzunehmen. «Sie haben kein Essen, kein Wasser und sie trinken ihren eigenen Urin. Dies ist maritimes Ping Pong mit menschlichem Leben», sagte Joe Lowry von der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Eine Lösung müsse schnell her, ansonsten werde man Boote voller Leichen in der Andamanensee finden. Die IOM stelle eine Million Dollar bereit, um die Regierungen bei der Bereitstellung von Essen und Wasser zu unterstützen.

Von Burma nach Malaysia

Wer sind die Rohingya?

Wer sind die Rohingya?

Rund eine Million Angehörige der Rohingya leben in Burma. Die muslimische Minderheit hat es schwer in dem buddhistischen Land: Ihnen wird die Staatsangehörigkeit verweigert, zehntausende Rohingya wurden in den vergangenen Jahren in Lager gepfercht. Viele von ihnen versuchen, das Land zu verlassen. Mehr.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Jury Maligan, Chiang Mai
    Ausgerechnet die USA wollen wieder mal andere Staaten belehren, wie man das Flüchtlings- bzw. Schlepperproblem lösen soll: Flüchtlinge aufnehmen. Das ist ein klarer Lockruf für die Schlepperbanden. Zuerst Thailand die Militärhilfe verweigern, und dann den Drohfinger zeigen? Die UNO bläst ins gleiche Horn - die sollen doch erst mal in Myanmar, Bangladesh etc. helfen, dass die Schlepper ausgemerzt werden. Denn nur durch diese Geschäftemacher gibt es die Bootsflüchtlinge überhaupt.
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  • Kommentar von olga frick, triesen
    Wieviele flüchtlinge hat die USA aufgenommen.ich habe noch nichts gehört.Wie anmassend ist dass denn über anderen länder zu richten und selber kein bischen helfen und flüchtlinge aufnehmen .
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    1. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Wissen sie, wieviele Latinos in den USA leben? Das waren übrigens zum überwiegenden Teil Wirtschaftsflüchtlinge im Gegensatz zu den Boatpeople!
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    2. Antwort von Robert Frei, Wettingen
      Die USA haben ihr Immigrantenproblem an der Südgrenze, wo Wirtschaftsmigranten aus Zentralamerika einströmen. Bereits sind dutzende Millionen illegale Immigranten in den USA. Im Vergelich dazu, hat Europa mit viel weniger Migranten zu tun.
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    3. Antwort von c.jaschko, Bern
      Die USA sind an der Armut der Süd-Amerikaner schuldig, lesen Sie bitte nach über Nikaragua und der Chicita Banane wegen der alleine Hunderttausende sterben mussten :-)
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen, Amlapura
    Vielleicht würde es dem Westen besser gefallen, wenn Indonesien, Malaysia und Thailand sich zusammenschlössen und die Küsten von Bangladesch und Myanmar bombardierten? So wie die EU und die NATO es in Libyen zu tun gedenken? Himmeltraurig ist das alles. Aber diese Doppelmoral und Heuchelei des Westens, allen vorab der US-Regierung - "so viele Menschenleben sind in Gefahr!" - ist einfach nur widerlich.
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    1. Antwort von u.felber, luzern
      Jup, ist es. Aber alles nicht so einfach, denn nur mit dem Bashing gegen uns selbst wird es halt auch nicht besser ;)
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