Der Komiker ist an allem Schuld

Beppe Grillo hat mit seiner «Fünf Sterne-Bewegung» die italienische Politlandschaft in Aufruhr versetzt. Die Basis des Ex-Komikers beginnt aber zu bröckeln. Sein autoritärer Führungsstil führt zu Unstimmigkeiten innerhalb der Bewegung.

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Sterne am Sinken

2:24 min, aus Tagesschau vom 4.7.2013

Italien hat nichts zu lachen. Die Weltwirtschafts- und die Eurokrise haben dem Land stark zugesetzt. Die Arbeitslosenquote kletterte zu Beginn dieses Jahres auf über elf Prozent. Das Wirtschaftswachstum notiert im negativen Bereich.

Vom «Tsunami» zum Stillstand

Es sind diese Missstände, welche die Politikverdrossenheit der Italiener befeuerten und der Protestbewegung eines ehemaligen Komikers zu einem überraschenden Resultat bei den Parlamentswahlen verhalfen. Giuseppe «Beppe» Grillo und seine «Fünf Sterne-Bewegung» bekamen im Februar ein Viertel aller Wählerstimmen und wurden zur zweitstärksten Partei Italiens.

Drei Monate sind vergangen – und von der anfänglichen Euphorie ist nicht mehr viel zu spüren. Grillo und seine Protestbewegung verweigerten die Bildung einer Koalition mit den weiteren Regierungsparteien und blockierten die politischen Prozesse in Rom für Monate. Der zunehmend autoritäre Führungsstil des Komikers aus Genua lässt den Zusammenhalt in der Bewegung bröckeln. Grillo, der das Land eigentlich mit seiner «Tsunami-Kampagne» in Bewegung setzen wollte, brachte es zum Stillstand. Es scheint, der Komiker sei an allem Schuld.

Vom Blog zur Bewegung

Mit seiner Haltung stärkte Grillo sogar die Partei seines erklärten Feindes Silvio Berlusconi, wie Italien-Korrespondent Philipp Zahn sagt. «Durch die Blockade von Grillo hatte das Linksbündnis um Ministerpräsident Enrico Letta keine andere Wahl, als auf die Partei Berlusconis zuzugehen. Nur so konnte Letta nach Wochen unproduktiver Verhandlungen endlich eine funktionierende Koalitionsregierung bilden.» Für Zahn ist die Verweigerung Grillos aber auch politisches Kalkül. «Dadurch kann er sich aus der Verantwortung ziehen und weiter mit dem Finger auf die alteingesessenen Parteien zeigen.»

Beppe Grillo inmitten von Reportern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beppe Grillo in Bedrängnis. Seine «Fünf Sterne-Bewegung» verliert an Rückhalt. Keystone

Beppe Grillo erlangte in den 1970er Jahren als Satiriker Berühmtheit und wurde mit italienischen Fernsehpreisen überhäuft. Zu Beginn zielte sein Humor vor allem auf die Gepflogenheiten der Italiener ab - bis er sich vermehrt politischen Themen zuwandte. Seine Wut und sein Spott richteten sich nun primär gegen das politische Establishment. Grillo eckte mit seiner Art so stark an, dass er vom damaligen Premier Bettino Craxi aus dem staatlichen Fernseher verbannt wurde.

Doch der Komiker wusste sich zu helfen und machte seinem Unmut über die Führung des Landes im Internet Luft. Auf seinem Blog führt er seine verbalen Angriffe gegen die Regierenden des Landes unzensiert. Grillo konnte sich so eine beachtliche Gefolgschaft aufbauen, welche mit Hilfe des Kommunikationsexperten Gianroberto Casaleggio 2009 in der «Fünf Sterne-Bewegung» mündete. Nur drei Jahre nach der Gründung hatte die Bewegung mehr als 250'000 Mitglieder.

Erster Rückschlag

Die Sterne von Beppe Grillo drohen nun so schnell unterzugehen, wie sie aufgegangen sind. Laut Italien-Korrespondent Zahn steht die Bewegung vor einem internen Spaltungsprozess. «Vor kurzem hat man eine Senatorin, die sich kritisch gegen Grillo äusserte, mit einem Parteiausschlussverfahren ruhig gestellt. Sie wird langfristig nicht die einzige sein. Immer mehr Mitglieder bekommen Bauchschmerzen von seinem autoritären Führungsstil und der undifferenzierten Kritik am Parlament.»

Wie sich die Bewegung in Zukunft entwickeln wird, hängt laut Zahn stark vom aktuellen italienischen Premierminister Enrico Letta ab. « Wenn es Letta schafft, die wirtschaftliche Lage zu verbessern und die Arbeitslosenzahlen zu senken, dann könnte auch die Bewegung der fünf Sterne an Zulauf verlieren.»