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International «Der Kreml ist offenbar an einer Eskalation interessiert»

Mit einem angeblichen Anschlag ukrainischer Gruppen auf der Krim katapultiert Kreml-Chef Putin die Ostukraine-Krise wieder ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Russland sei offensichtlich an einer weiteren Eskalation interessiert, schätzt SRF-Korrespondent David Nauer in Moskau die Lage ein.

Präsident Putin informiert über die vereitelten Anschläge ukrainischer Gruppen auf der Krim.
Legende: Der russische Präsident Putin berät mit seinem Sicherheitsrat die jüngsten Ereignisse auf der Krim. Keystone

Der russische Geheimdienst FSB wirft der Ukraine einen versuchten Angriff auf Infrastruktureinrichtungen auf der Halbinsel Krim vor. Putin spricht von «dummen» und «kriminellen» Aktionen. Die Ukraine weist die Vorwürfe zurück. Fragen zu den Umständen an SRF-Korrespondent David Nauer in Moskau.

SRF News: Was genau soll passiert sein?

David Nauer: Gemäss russischer Version drangen am Wochenende zwei bewaffnete Gruppen von der Ukraine her auf die Krim ein, um Terrorakte zu verüben. Sie seien vom russischen Geheimdienst und russischen Soldaten gestellt worden. Zwei russische Soldaten seien getötet worden. Die Ukraine streitet jegliche Beteiligung ab. Der Vorwurf, hinter der Aktion stecke die ukrainische Regierung, sie frei erfunden, heisst es in Kiew.

Warum kommt der Vorfall vom vergangenen Wochenende erst jetzt ans Licht?

Russland ist offenbar an einer weiteren Eskalation des Konfliktes interessiert. Der Kreml hätte den Vorfall auch verschweigen oder herunterspielen können.

Was wollen die Russen damit erreichen, nachdem sie die Krim mit der Donbass-Region annektiert haben?

Es macht den Eindruck, als ob Russland den Druck auf die ukrainische Regierung erhöhen will. Ein Zeichen dafür ist auch, dass im Donbass in der Ostukraine die Kämpfe wieder sehr stark aufflammen. Nun wird von Moskau aus – zumindest medial – eine zweite Front auf der Krim eröffnet. Wohl mit dem Ziel, die pro-westliche Regierung in Kiew zum Sturz zu bringen. Das zeigen Aussagen Putins, er könne nicht mit einer Regierung verhandeln, die zu Terrormassnahmen greife. Putin spricht der ukrainischen Regierung die Legitimität quasi ab, wie nach dem Maidan-Umsturz.

Könnte die Ukraine mit den jüngsten Vorfällen etwas zu tun haben?

Das ist sehr wohl denkbar. Man weiss zwar nicht genau, was passiert ist. Aber die ukrainische Regierung steht auf sehr wackligen Beinen und kontrolliert bei weitem nicht die ganze politische Landschaft und auch nicht den ganzen Sicherheitsapparat. Es ist durchaus denkbar, dass sich ukrainische Nationalisten oder Extremisten zu einer solchen Aktion entschlossen haben. Aber es ist noch sehr viel Nebel in dieser Geschichte.

Kann es sein, das Putin den Fokus wieder auf die Krim lenkt, um beispielsweise vom Krieg in Syrien abzulenken?

Diese These wird in kritischen Kreisen in Moskau diskutiert und sogar für wahrscheinlich gehalten. In den letzten Jahren war immer wieder zu beobachten, dass Russland einen äusseren Feind braucht, den man dem TV-Publikum präsentieren kann. Mit dem im September anstehenden Parlamentswahlen könnte die Versuchung im Kreml gross sein, den Ukraine-Konflikt anzuheizen – mit Blick auf einige Stimmen mehr für die Regierungspartei Einiges Russland.

Das Gespräch führte Simon Leu.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

53 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Die Zeit zum Zündeln drängt für Putinocchio:Die USA sind die nächsten paar Monate wegen des Präsidentenwahlkampfes handlungsunfähig,Europa ist mit der Flüchtlingskrise,dem Terrorismus und Erdogan beschäftigt.Da wird es Zeit für Putin neben dem Krisenherd Syrien auch die Lage in der Ukraine,mit der er seit zwei Jahren hybriden Krieg führt,eskalieren zu lassen um noch rechtzeitig einen Flächenbrand auszulösen, hegemonialer Ziele willen.Wer hätte sonst Interesse an der Destabilisierung der Ukraine?
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  • Kommentar von Urs Graf (U.Graf)
    Die permanente anti Russland Kampagne der europäischen Massenmedien ist so was von durchschaubar. Man findet immer weniger nicht manipulative, sachliche und journalistisch hochstehende Information. Eine ganze Berufsgilde demontiert sich selbst. Zu Glück haben das sehr viele Leser schon lange bemerkt. Aber es wird unbeirrt weiter manipuliert..
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  • Kommentar von Urs Graf (U.Graf)
    Die permanente anti Russland Kampagne der europäischen Massenmedien ist so was von durchschaubar. Man findet immer weniger nicht manipulative, sachliche und journalistisch hochstehende Information. Eine ganze Berufsgilde geht vor die Hunde. Zu Glück haben das sehr viele Leser schon lange bemerkt. Aber es wird unbeirrt weiter manipuliert..
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