Der «regierende Partymeister» Klaus Wowereit tritt ab

«Berlin ist arm, aber sexy». Dieser oft zitierte Satz stammt von Klaus Wowereit, dem Mann, der die deutsche Hauptstadt und das Bundesland Berlin 13 Jahre lang regiert hat. Jetzt tritt der angeschlagene Berliner Bürgermeister ab.

Den Ruf des «regierenden Partymeisters» wurde Klaus Wowereit nicht los. Als Berliner Bürgermeister liebte der Sozialdemokrat die grosse Bühne und war gern gesehener Gast bei Parties, Galas und Premieren.

Auch wirtschaftlich ging es in seiner Regierungszeit aufwärts. Am Ende aber trübte vor allem der immer noch nicht unvollendete Grossflughafen Wowereits Bilanz.

2001 hatte der in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Berliner nach einem Misstrauensvotum gegen den damaligen CDU-Bürgermeister Eberhard Diepgen das Regierungsamt angetreten.

Mit den Worten «Ich bin schwul, und das ist auch gut so» machte er damals auf einem Parteitag seine Homosexualität publik. Er adaptierte dabei den Wahlspruch der SPD Berlin «… und das ist gut so.» Dieser Satz stand fortan für ein weltoffenes und tolerantes Berlin. Und in Erinnerung bleibt auch «Berlin ist arm, aber sexy», ein anderer der vielen Sprüche Wowereits.

Klaus Wowereits Berlin

6:50 min, aus Echo der Zeit vom 10.12.2014

Wirtschaftlich schwache Hauptstadt

Die deutsche Hauptstadt ist wirtschaftlich recht schwach. Sie leidet unter den Folgen der Teilung: Während im Ostteil nach der Wiedervereinigung die marode DDR-Industrie zusammenbrach, musste der Westteil nach 1990 ohne die üppige Berlin-Förderung klarkommen.

Wowereit und sein langjähriger Finanzminister Thilo Sarrazin schafften es aber mit einem rigiden Austeritätskurs («Sparen bis es quietscht»), den Haushalt der mit mehr als 61 Milliarden Euro verschuldeten Bundeshauptstadt zu sanieren.

2013 erzielte Berlin einen Haushaltsüberschuss, die Wirtschaft wuchs stärker als der Durchschnitt der Bundesländer. Die Arbeitslosigkeit liegt aber weiter über dem Bundesdurchschnitt, knapp ein Fünftel der 3,4 Millionen Einwohner erhält staatliche Sozialleistungen.

Die Lachnummer «Hauptstadtflughafen BBI»

Zum grössten Debakel in Wowereits Amtszeit wurde der Bau des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) am südöstlichen Stadtrand. Die eigentlich für Ende 2011 geplante Eröffnung wurde wegen unzähliger Probleme – an erster Stelle der Brandschutz – immer wieder verschoben.

Jetzt gibt es nicht einmal mehr einen Termin. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates wurde Wowereit für das Planungschaos mit verantwortlich gemacht.

«0,01 Prozent»

Den «Partymeister» bezeichnete der scheidende Bürgermeister in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» aber als Klischee. «Ich bin Preusse durch und durch», sagte Wowereit. Und auf die Frage, wie gross der Anteil von Terminen mit rotem Teppich am Leben als Regierungschef tatsächlich war, sagte er bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte: «0,01 Prozent».