Kenianischer Aktivist Mwangi Der Sohn einer Strassenhändlerin kandidiert fürs Parlament

Boniface Mwangi ist Kenias berühmtester Aktivist. Nun will er ins Parlament. Der 34-Jährige tritt als unabhängiger Kandidat an. Das Geld für seine Kampagne hat er über «Crowd Funding» und die Mobilisierung in sozialen Medien gesammelt.

Boniface Mwangi, der berühmteste Aktivist Kenias, will ins Parlament Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Boniface Mwangi, der berühmteste Aktivist Kenias, kämpft gegen Korruption Reuters

Politiker finden sich als Aasgeier an Häuserwänden von Nairobi gemalt. Schweine laufen durch Schweineblut vor dem Parlament in der kenianischen Hauptstadt. Mit diesen Kunstaktionen wollte Kenias wohl berühmtester Aktivist Boniface Mwangi auf die exorbitant hohen Gehälter und die Korruption der Politiker aufmerksam machen.

Ein politisches Amt hatte der 34-Jährige stets ausgeschlossen. Doch nun kandidiert der Sohn einer Strassenhändlerin bei den Wahlen vom 8. August selbst für dieses Parlament.

«  Ich war es leid, dass mir niemand zuhört, dass bei uns Diebe im Parlament sitzen »

Boniface Mwangi
Aktivist

«Ich war es leid, dass mir niemand zuhört, dass bei uns Diebe im Parlament sitzen», begründet er seinen Schritt. «Also muss ich dort die Stimme des Volkes sein.»

Vom Fotojournalisten zum Politiker

Der Aktivist hat sich in Kenias politischer Landschaft einen Namen gemacht. Seit der Unabhängigkeit des Landes, das bis 1963 fast 70 Jahre lang unter britischer Kolonialherrschaft stand, wird Kenia von einigen wenigen Familien dominiert, die die Wirtschaft des Landes bestimmen.

Korruption ist weit verbreitet und Wahlen sind hart umkämpft. Mwangi dagegen kommt aus armen Verhältnissen im Südosten des Landes. Er wurde als Fotojournalist international bekannt, als er die Gewaltwelle nach den Wahlen 2007 dokumentierte, in der mehr als 1000 Menschen starben. Diese Erfahrung habe sein Leben verändert, sagt er.

Keine grosse Partei im Rücken

Seitdem hat sich der Vater von drei Kindern als unerschrockener und lautstarker Verteidiger der Rechte der kleinen Leute gezeigt. Er hat Politiker an den Pranger gestellt, sich dafür eingesetzt, dass Bauunternehmer Schulkindern in Nairobi nicht den Spielplatz wegnehmen und ein Forum zur Förderung von Künstlern gegründet. Seine Kandidatur bestreitet er mit Spenden aus der Öffentlichkeit, ohne grosse Partei oder wohlhabende Sponsoren im Rücken.

Gerade junge Leute können sich mit dem Kandidaten identifizieren: Hunderttausende folgen ihm in den sozialen Medien. Kenias Wählerschaft ist überwiegend jung und will zunehmend die Geschicke des ostafrikanischen Landes mitentscheiden. Abzuwarten ist, ob Mwangi als gut bezahlter Staatsdiener seinen Prinzipien treu bleibt.

Wahl weitgehend friedlich verlaufen

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Kenia sind ohne grössere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Die Abstimmungen seien weitestgehend friedlich verlaufen, teilte der Polizeichef nach der Schliessung der Wahllokale am Dienstagabend mit. Allerdings hatten laut der Wahlkommission einige Wahllokale, vor allem im Nordwesten des Landes, wegen schlechten Wetters am Morgen zunächst nicht öffnen können. Alle Wahllokale, die verspätet geöffnet hätten, sollten entsprechend länger aufbleiben, sagte der Leiter der Wahlkommission

Neben dem Präsidenten und dem Parlament wurden auch  Gouverneure, Senatoren und Frauenvertreterinnen neu gewählt. Mehr als 150'000 Sicherheitskräfte sicherten die Abstimmungen ab. Die Wahlkommission muss innerhalb einer Woche ein amtliches Endergebnis veröffentlichen. Resultate werden aber schon in den nächsten Tagen erwartet.

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