Reportage aus der Türkei Der türkische Tourismus leidet

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Touristen meiden Türkei

1:42 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 7.1.2017

Anschläge, Massenverhaftungen von angeblichen Putsch-Sympathisanten und Oppositionellen – in der Türkei regiert die Unsicherheit. Die Türken wollten das alte Jahr hinter sich lassen und auf ein neues, friedlicheres Jahr 2017 anstossen. Dann erschoss ein islamistischer Attentäter in der Silvesternacht im Istanbuler Reina Club 39 Menschen.

Mehmet Kocarslan ist Co-Besitzer des beliebten Nachtclubs am Bospurus. Er spürt die Auswirkungen der Anschläge auf sein Land: «Das letzte Jahr war schon sehr traurig für uns. Unser Land wurde wirklich von nichts verschont. All die Anschläge haben dazu geführt, dass weniger Touristen hierher reisen», sagt er.

Auf dem Bazar kauft niemand mehr ein

Den Rückgang des Tourismus bestätigt auch Muslim Besenk, ein Ladenbesitzer auf dem grossen Bazar in Istanbul. «Überall explodieren Bomben. Wieso sollten die Touristen also ausgerechnet hierher zu Besuch kommen?», klagt er. Normalerweise ist der Bazar ein Touristenmagnet. Das Einkaufen wäre für Ausländer günstig, denn die türkische Lira sank diese Woche auf ein Rekordtief. Nur: Es kommen weniger Kunden.

Ein Verkäufer wartet auf dem grossen Bazar auf Kundschaft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dem grossen Bazar in Istanbul fehlen die Kunden. Reuters

«  Überall explodieren Bomben. Wieso sollten die Touristen ausgerechnet hierher zu Besuch kommen? »

Muslim Besenk
Ladenbesitzer

Die politische Unsicherheit, die Massenverhaftungen und die Anschläge schrecken auch Investoren ab. Für sie ist die Türkei zu einem Risiko-Partner geworden. Die Wirtschaftsleistung ging letztes Jahr im dritten Quartal erstmals seit sieben Jahren zurück. Inzwischen, versichert das Wirtschaftsministerium, gehe es aber wieder aufwärts.

Terroristen wollen Wirtschaft schwächen

Yasemin Pirinccioglu ist Reiseleiterin und weiss: «Die Terroristen wollen unsere Wirtschaft schwächen, also versuchen sie zuerst den Tourismus zu treffen.» Das sei eine neue Art von Krieg.

Dass die Türkei ihr ehrgeiziges Ziel erreicht, bis 2023 zu den weltweit zehn grössten Volkswirtschaften aufzusteigen, ist eher fraglich. Aktuell die grössten Sorgen bereitet der Regierung der drastische Kursverfall der Lira. Präsident Erdogan hat schon an seine Landsleute appelliert, Fremdwährungen zu verkaufen, um den Wertverfall stoppen.