Deutschland noch immer im Bann der Fluten

In einigen Bundesländern bangen die Menschen weiter um ihr Hab und Gut. Andere Regionen verzeichnen Pegelrückgänge. Die Politiker überlegen derweil, aus welchen Kassen die Hilfe für die Opfer kommt.

Die überflutete Altstadt von Lauenburg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hochwasser an der Elbe: Die Altstadt der niedersächsischen Stadt Lauenburg musste evakuiert werden. Keystone

Die Hochwasserwelle in Deutschland rollt weiter nach Norden: Vor allem in Schleswig-Holstein blicken die Menschen gebannt auf die Elbe.

Heftige Kritik nach Hochwasser

4:47 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.06.2013

Zugleich nimmt die Debatte darüber Fahrt auf, wie die Flutschäden in Milliardenhöhe bezahlt werden können. Wirtschaftsminister Philipp Rösler will die Opfer des Hochwassers mit Pauschalzahlungen aus einem Fluthilfefonds unterstützen.

Der Topf solle von Staat und Bundesländern gleichermassen gefüllt werden, sagte Rösler. Nach dem Hochwasser 2002 habe es einen ähnlichen Fonds gegeben. «Das hat sich bewährt.» Wie viel Geld über den Fonds zur Verfügung gestellt werden soll, liess Rösler offen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich an diesem Donnerstag mit den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer. Das Thema Fluthilfe wird bei dem Treffen zur Sprache kommen.

Das Wasser bahnt sich seinen Weg

Nach dem Deichbruch an der Elbe bei Fischbeck ergiessen sich die Wassermassen weiter ins Hinterland Sachsen-Anhalts. Die Bundeswehr warf mit mehreren Helikoptern grosse Sandsäcke in die Fluten. Damit wurde ein weiteres Aufreissen des Deiches verhindert und die Fliessgeschwindigkeit etwas abgemildert. Trotz langsam sinkenden Wasserstandes der Elbe ist die Lage weiter dramatisch.

Der Pegelstand der Elbe in Lauenburg in Schleswig-Holstein stieg zentimeterweise auf 9,61 Meter, das langjährige Mittel liegt bei etwa 5 Metern. «Mittwoch dürften wir den Hochwasser-Scheitel mit 9,63 Meter erreichen», sagte Feuerwehrsprecher Thomas Grimm. Es wird erwartet, dass der Pegel auch in den kommenden Tagen noch über neun Metern liegen wird. «Wir gehen davon aus, dass wir noch bis Sonntag hier bleiben werden», sagte Grimm.

Die Lage im Norden Brandenburgs verschärfte sich in der Nacht zum Dienstag nicht, blieb aber ernst. Am Morgen wurden nach Angaben des Krisenstabes in Wittenberge (Prignitz) am Pegel noch 7,75 Meter (Mittelwert: 2,77 Meter) Wasser gemessen. Die befürchteten 8 Meter sind laut Behörden damit vorerst nicht in Sicht.

Keine Entwarnung in Niedersachsen

Die Elbe erreichte in Mecklenburg-Vorpommern ihren Höchststand. Seit Dienstagmorgen stagnierte der Wasserstand in Dömitz bei 7,20 Meter, am Mittwoch soll er dann auf 6,95 Meter sinken. Im etwas weiter flussabwärts gelegenen Boizenburg stieg die Flut dem Internetportal pegelonline zufolge am Vormittag noch leicht auf 7,30 Meter – normal sind an beiden Stellen etwa zwei Meter. Auch dort werden sinkende Pegelstände erwartet.

Das Elbe-Hochwasser erreichte in Niedersachsen seinen Höhepunkt weitgehend. «Auch wenn wir davon ausgehen, dass an den meisten Pegeln in Niedersachsen der Höchststand erreicht ist, gibt es trotzdem noch keinen Grund zur Entwarnung», sagte Sprecher Achim Stolz vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. «Das Wasser wird noch mehrere Tage auf sehr hohem Niveau an den Deichen stehen und einen entsprechenden Druck ausüben.»

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Hochwasser Budapest und Magdeburg

2:11 min, aus Tagesschau vom 10.6.2013