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Terror in London «Die Hauptbedrohung kommt nicht aus dem Ausland»

Wer steckt hinter dem jüngsten Anschlag? Für Londons Polizeichefin sind die Drahtzieher in Grossbritannien zu suchen.

Legende: Video «Die Identität der mutmasslichen Attentäter ist bekannt» abspielen. Laufzeit 4:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.06.2017.
  • Nach Ansicht der Londoner Polizeichefin Cressida Dick wurden die Anschläge in London nicht aus dem Ausland vorbereitet.
  • Zudem wurden von Seiten Scotland Yards, wie auch von Premierministerein Theresa May, weitere Anschläge in Grossbritannien nicht ausgeschlossen
  • Derweil wurden weitere Festnahmen im Zusammenhang mit dem Attentat in London durchgeführt.

Der verheerende Terror in Grossbritannien in den vergangenen Wochen ist aus Sicht von Londons Polizeichefin Cressida Dick nicht aus dem Ausland gesteuert worden. Die jüngsten Anschläge hätten «zweifellos» eine internationale Dimension gehabt, der Schwerpunkt liege aber in Grossbritannien selbst, sagte Dick der BBC. «Wir werden immer sehen, ob irgendetwas aus dem Ausland gesteuert wurde. Aber ich würde sagen, die Hauptbedrohung, der wir momentan gegenüberstehen, scheint nicht aus dem Ausland gesteuert zu sein.»

Einen weiteren Anschlag schloss Dick nicht aus. Es sei «sicherlich möglich», dass die Angriffe in Manchester und London einen weiteren Anschlag nach sich zögen, sagte Dick weiter. Mit ihrer Rhetorik hätten der IS und andere Organisationen Menschen dazu aufgefordert, «mit einfachen Mitteln» die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Einige Menschen fühlten sich sicher davon inspiriert.

Die Hauptbedrohung, der wir momentan gegenüberstehen, scheint nicht aus dem Ausland gesteuert zu sein.
Autor: Cressida DickLondoner Polizeichefin

Die auf die Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group hatte am Wochenende vor IS-Einflüssen in Grossbritannien gewarnt. Die Direktorin der Site-Group, Rita Katz, verwies darauf, dass am Anschlagstag in einer dem IS nahe stehenden Chat-Gruppe Mitglieder aufgefordert worden seien, Zivilisten mit Fahrzeugen, Schusswaffen und Messern zu töten.

Weitere Verhaftungen

Derweil vermeldete die Polizei weitere Festnahmen. Bei Durchsuchungen im Osten der britischen Hauptstadt seien mehrere Verdächtige in Gewahrsam genommen worden, teilte Scotland Yard mit.

Die Razzien fanden demnach in den östlichen Stadtteilen Newham und Barkin statt. Anti-Terror-Einheiten hätten dort zwei Immobilien durchsucht. Die Ermittlungen liefen weiter, gab die Polizei bekannt.

Sicherheitskabinett tagte

Zuletzt hatte sie von bislang zwölf Festnahmen gesprochen. Demzufolge befanden sich noch sieben Frauen und vier Männer in Gewahrsam, nachdem ein Mann auf freien Fuss gesetzt worden war.

Unter Leitung von Premierministerin Theresa May kam das Sicherheitskabinett zusammen. Dabei wurden Konsequenzen aus dem dritten Anschlag in Grossbritannien binnen drei Monaten beraten werden.

Identität der Täter bekannt

Die Polizei habe nun alle drei Attentäter identifiziert, erklärte May. Wenn die Ermittlungen weiter fortgeschritten seien, werde die Polizei auch ihe Namen bekanntgeben.

Dabei handelt es sich um einen 27-jährigen in Pakistan geborenen Briten und einem 30-jährigen Mann, der sich als Marokkaner oder auch als Libyer ausgegeben habe, teilte die Polizei am Montagabend mit. Beide wohnten demnach im Ostlondoner Stadtteil Barking.

Die Behörden schätzten die Gefahr für die nationale Sicherheit weiterhin als «schwerwiegend» ein, sagte May weiter. Ein terroristischer Angriff sei «sehr wahrscheinlich». «Das war ein Angriff auf London und auf das Vereinigte Königreich. Aber es war auch ein Angriff auf die freie Welt», sagte die Regierungschefin.

Terrorabwehr im Mittelpunkt des Wahlkampfes

In Grossbritannien wird der Terror zum zentralen Wahlkampfthema. Theresa May demonstriert eine harte Haltung. Sie unterstütze die «Shoot to Kill»-Linie der Polizei, also gezielte Schüsse in Tötungsabsicht auf Angreifer, sagte May.
Zugleich wies die Regierungschefin Vorwürfe der oppositionellen Labour-Partei zurück, dass sich ihre Regierung nicht ausreichend um Sicherheit kümmere. Sie verwies auf Aussagen von Cressida Dick. Demnach sei die Polizei hinreichend ausgestattet. «Wir können die Bevölkerung nicht billig beschützen», sagte hingegen Labour-Chef Jeremy Corbyn und forderte 10'000 zusätzliche Stellen bei der Polizei. In Mays Zeit als Innenministerin waren Tausende Jobs bei den Sicherheitskräften abgebaut worden.
Ihrerseits warf May ihrem Herausforderer vor, er verfüge über keine Führungsqualität. Corbyn habe zudem keinen Plan, wie er auf die Herausforderungen etwa durch den geplanten Brexit reagieren wolle.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Terroranschlag in London für sich. IS-Kämpfer hätten die Tat begangen, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Sonntagabend in einem Bekenntnis im Internet.

Facebook will handeln

Facebook hat nach der jüngsten Terrorattacke von London versichert, das weltgrösste Online-Netzwerk wolle eine «feindselige Umgebung» für Terroristen sein. «Mit einer Mischung aus Technologie und Aufsicht durch Menschen arbeiten wir aggressiv daran, terroristische Inhalte von unserer Plattform zu entfernen, sobald wir von ihnen erfahren», erklärte Facebooks Politik-Chef Simon Milner.
Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, Extremismus finde im Internet eine sichere Brutstätte – und die grossen Internetunternehmen liessen dies zu. Firmennamen nannte sie nicht. May forderte eine Zusammenarbeit demokratischer Regierungen für «internationale Verträge, die den Cyberspace regulieren, um die Ausbreitung von Extremismus und terroristische Planung zu verhindern».

41 Kommentare

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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Die Hauptbedrohung kommt doch von eingewanderten Ausländern aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Einwanderung in England und Frankreich hat nur früher angefangen und die Auswirkungen kommen jetzt und in Zukunft. Dieser Terror kommt bei den anderen Europäischen Staaten - auch in der Schweiz - in absehbarer Zukunft. Die unkontrollierte Einwanderung und die Willkommenskultur im Asylwesen werden sich noch rächen.
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  • Kommentar von Markus Glauser (mgl)
    Manchmal muss ich mich schon fragen ob sich nicht die Geschichte resp. Historie wiederholt. Früher waren es die Kreuzritterzüge und die katholischen Inquisitoren. Heute sind es die radikalen Islamisten. Und das alles in Gottes und Mohammeds Namen und mit Segen.
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Die britische Fernsehdokumentation mit dem Titel «Die Jihadisten von nebenan» zeigt einen den Attentäter deutlich. Warum haben die Behörden weiterhin alles zugelassen? Warum zahlen unschuldige Menschen für das Versagen der Politik, warum bezahlen die Steuerzahler für ihren Unterhalt? Wann folgen die politische Konsequenzen und die Rücktritte?
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    1. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      20 000 islam. radikale Verdächtige nur in England, 3 000 davon gelten als höchst terrorverdächtig.18 Attentate wurden laut Polizei in den letzten 5 Jahren vereitelt,5 davon nur in den letzten 2 Monaten.Wieviel Polizisten und Geheimd. kann sich eine offene Gesellschaft, für die sich die EU leider in den letzten Jahren ausgibt, leisten, um diese riesige Zahl von Verdächtigen zu kontrollieren? Warum findet keine offene Diskussion über die Vorhaben des IS,unsere Werte und Europa zu zerstören, statt?
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