«Die Lage im südafrikanischen Bergbau ist explosiv»

In Südafrikas Bergwerken brodelt es weiter: Am Montag gab es in der Platinmine von Marikana nach einer Schiesserei einen Toten und einen Verletzten. In der gleichen Mine hatte die Polizei im vergangenen August 34 streikende Arbeiter erschossen.

Hunderte protestierende Minenarbeiter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Minenarbeiter von Marikana bei einem wilden Streik im Mai. Reuters

«Südafrikas Bergbau steht unter enormem Druck», sagt die in Johannesburg lebende Journalistin Dagmar Wittek. Die Gründe dafür liegen vor allem im Ausland: In Europa herrscht Wirtschaftskrise und auch aus China ist die Nachfrage nach Platin zurückgegangen.

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Streik bei Glencore

Wegen eines illegalen Streiks entlässt der Zuger Rohstoffkonzern Glencore-Xstrata rund 1000 Arbeiter einer Chrommine in Südafrika. Ein Arbeiter soll von einem Vorgesetzten angegriffen worden sein, daraufhin kam es zu Ausschreitungen. Der Vorfall wird untersucht. Dagmar Wittek geht davon aus, dass man «eine Lösung» finden werde.

Der Preis für das Edelmetall steht entsprechend unter Druck, die Gewinne der Bergbau-Unternehmen sinken. Trotzdem fordern die Bergarbeiter höhere Löhne. «Ein Bergarbeiter verdient nicht mehr als umgerechnet 150 Franken pro Monat, lebt meist in einer Wellblech-Hütte ohne Strom und Wasser», sagt Wittek.

Proteste reissen nicht ab

Doch die Bergbau-Konzerne verweisen auf die schwierige Wirtschaftslage und drohen ihrerseits mit Entlassungen. Dies führe natürlich zu einem angespannten Verhältnis: «19 Jahre nach dem Ende der Apartheid haben die Arbeitnehmer in Südafrika die Nase voll – sie gehen auf die Strasse und streiken», sagt die Journalistin. Entsprechend schätzt sie die Lage im südafrikanischen Bergbau als «prekär und explosiv» ein.

Die Situation sei auch fast ein Jahr nach der Tragödie von Marikana noch angespannt – «und sie kann ruckzuck auch wieder ausser Kontrolle geraten», ist Wittek überzeugt. Wie im letzten August würden auch jetzt wieder tausende Bergarbeiter demonstrieren.

Die Masse dieser Protestierenden sei eine Kraft, die schnell ausser Rand und Band geraten könne. Trotzdem glaubt Wittek nicht, dass es nochmals zu einem Blutbad wie in Marikana kommen werde. Alle Beteiligten seien sensibilisiert und setzten auf Deeskalation. Trotzdem: «Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder etwas ähnliches passiert.»