Die Medien wurden 2015 unfreier – und zwar fast überall

Selten war der Welttag der Pressefreiheit ein solch düsterer wie in diesem Jahr. Die UNO, der Europarat und Menschenrechtsorganisationen verurteilen die negative Entwicklung. Einfluss darauf haben sie praktisch keinen.

Razzia bei der grössten türkischen Oppositionszeitung Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die türkische Polizei macht eine Razzia in der Redaktion der grössten oppositionellen Zeitung des Landes (4. März 2016). Keystone

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon ist besorgt. So sehr besorgt, dass er es nicht beim alljährlichen, meist sehr allgemein gehaltenen Appell bewenden lässt. Diesmal ruft er ausdrücklich alle Bürger aller Länder auf, für die Pressefreiheit, für ihre Freiheit zu kämpfen.

Journalisten leben gefährlich

1:24 min, aus HeuteMorgen vom 03.05.2016

Tatsächlich ist das Bild für 2016 düster. Positive Entwicklungen muss man mit der Lupe suchen und findet gerade mal Burma oder Sri Lanka. Damit hat es sich. Fast überall sonst wird die Schraube angezogen, von Russland bis China, ebenso in weiten Teilen Afrikas oder im Nahen Osten.

Selbst in Europa sorgen Ungarn, Polen und vor allem die Türkei für eine äusserst negative Entwicklung. Deshalb klagt auch der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, dass der Freiraum enger werde. Immer öfter zerrten zudem potente Kreise Redaktionen in Prozesse wegen angeblicher Diffamierung. Anderswo werde, unter dem Verwand des Kampfs gegen den Terrorismus, der Quellenschutz aufgeweicht. Auch von Inserenten geraten finanziell klamme Medien zunehmend unter Druck.

Tausende Journalisten verloren ihr Leben

Das International Press Institute weist darauf hin, 2015 sei eines der blutigsten Jahre für Journalisten gewesen. Amnesty International kann unschwer neun Journalisten aus neun Ländern als Opfer anführen, symbolisch für tausende andere. Und Human Rights Watch kritisiert, dass die irakische Regierung ausgerechnet auf den Welttag der Pressefreiheit das Bagdader Büro des Senders «al-Jazeera» schliessen lässt. Das ist nur eines von zahllosen negativen Signalen.