Die UNO demokratisiert sich

Jahrelange Reformbestrebungen bei den Vereinten Nationen könnten bald erste Früchte tragen. So wird die Wahl des Generalsekretärs nach einem Beschluss der Vollversammlung demokratisiert. Auch UNO-Friedensmissionen sollen künftig neu ausgerichtet werden.

UNO-Plenarsaal in New York Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vielen Kritikern gilt die UNO schon lange als Podium für Machtzirkel. Keystone

Die UNO-Vollversammlung hat beschlossen, die Wahl für den Posten an der Spitze der Vereinten Nationen im kommenden Jahr offener als bisher zu gestalten.

Bewerbungsgespräch in der Vollversammlung

In einer per Konsens verabschiedeten Entschliessung werden die Kandidatinnen und Kandidaten angehalten, ihre Lebensläufe und Vorstellungen für das Amt allen 193 Mitgliedstaaten vorzulegen. Das Mandat des derzeitigen UNO-Generalsekretärs Ban Ki Moon läuft Ende 2016 aus.

Der UNO-Sicherheitsrat und die Vollversammlung werden allen Mitgliedstaaten ein gemeinsames Schreiben zukommen lassen, in dem die neuen Regelungen für die Kandidatur erläutert werden. Ausdrücklich werden Frauen zur Bewerbung ermutigt. Die Namen der Kandidatinnen und Kandidaten werden veröffentlicht, woraufhin sie sich einem Bewerbungsgespräch in der Vollversammlung stellen können.

Ausschliesslich mit Männern besetzt

Bisher hatten die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats einen Bewerber ausgesucht, den die Vollversammlung anschliessend bestätigte. Seit der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 war der Spitzenposten ausschliesslich mit Männern besetzt.

Erste Namen für Bans Nachfolge machen bereits die Runde. Genannt werden unter anderen die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, Neuseelands ehemalige Regierungschefin Helen Clark und die Chefin der UNO-Kulturorganisation UNESCO, die Bulgarin Irina Bokowa.

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Bildlegende: Ban sieht den Schwerpunkt von Blauhelm-Einsätzen künftig in der Prävention und Vermittlung. Keystone

Prävention statt spätes Eingreifen

Auch die Friedensmissionen der Vereinten Nationen sollen überdacht werden. Nach dem Willen von Generalsekretär Ban Ki Moon soll die UNO künftig mehr auf Prävention und Vermittlung statt auf spätes Eingreifen setzen. Das erklärte Ban in einem Statement zum Report «Die Zukunft von UNO-Friedensmissionen».

Ban will auch die Planung und Durchführung der Missionen verbessern, um schneller und verantwortungsbewusster eingreifen zu können. Ausserdem sollen regionale Strukturen zur Steuerung der Einsätze geschaffen werden. Hier soll eine stärkere Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union als Pilotversuch dienen.

Der Report enthält auch ein Dutzend Massnahmen, die sexuelle Übergriffe bei den UNO-Einsätzen verhindern sollen. Von 2008 bis 2013 gab es nach einem UNO-Bericht 480 Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Soldaten oder Mitarbeiter der Weltorganisation, vor allem bei den Einsätzen in Haiti, im Kongo sowie im Sudan und Südsudan.

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