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Durchatmen in der Corona-Krise Macht der Lockdown die Luft besser? Ja!

Zahlen aus mehreren Städten zeigen: Die Feinstaubbelastung sinkt im Lockdown – mit einer Ausnahme. Die Daten dazu.

Tief Durchatmen. Das ist im indischen Delhi aktuell zwar immer noch keine gute Idee, aber die Luft war auch schon schlechter. Dies belegen Zahlen des Schweizer Unternehmens Iqair. Dessen Experten haben die Feinstaubwerte von zehn Städten während einer dreiwöchigen Lockdown-Phase gemessen.

Das Ergebnis: Die Werte waren in neun Städten niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – zum Teil deutlich. Nur Rom bildet eine Ausnahme.

Weltkarte mit einzelnen Städten und deren Feinstaubbelastung.
Legende: SRF

Für Jubelschreie ist es dennoch zu früh. Erstens handelt es sich beim Lockdown um eine zeitlich befristete Sache – auch wenn weitere Lockdowns nicht ausgeschlossen sind. Und: Trotz der starken Abnahme der Feinstaubbelastung ist die Luft in Delhi, London, Mumbai, Rom, Seoul und Wuhan immer noch nicht gut, sondern bloss «moderate».

Der Unterschied zur Situation vor einem Jahr ist dennoch frappierend, wie ein Blick nach Delhi verdeutlicht.

Bildvergleich

Regler nach links verschieben Regler nach rechts verschieben
Legende:Das Indian Gate in Neu-Delhi: Links am 17. Oktober 2019, rechts während des Lockdowns am 8. April 2020.reuters

Und was hat es nun mit Rom auf sich? Auch in Italiens Hauptstadt sind im Lockdown kaum noch Menschen unterwegs – der Flug- und Personenverkehr ist grösstenteils zum Erliegen gekommen. Trotzdem ist die Feinstaubbelastung während des Lockdowns in der «ewigen Stadt» um 30 Prozent gestiegen.

Die Forscher vermuten, dass während des untersuchten Zeitraums in Rom eine Inversionswetterlage geherrscht hat, die zur Folge hatte, dass die Feinstaubpartikel nicht entweichen konnten. Bei einer Inversionswetterlage nimmt die Temperatur mit der Höhe zu. Mit der unteren kalten Schicht findet so kein Austausch mehr statt. Die warme Luft wirkt dann wie ein Deckel, unter dem sich alles staut.

Bleibt die Frage, wie es um die Schweizer Luft bestellt ist. Diese sei besser geworden, heisst es beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Auch, weil weniger Autos unterwegs sind.

Jörg Sintermann, der für das Luftqualitätsmessnetz im Kanton Zürich zuständig ist, erklärte kürzlich bei SRF, dass es noch nicht klar sei, ob die Verbesserung auf die Massnahmen gegen das Coronavirus zurückzuführen sei. Denn verantwortlich für die Luftqualität sei nicht allein der Menge an ausgestossenen Schadstoffen. «Wichtig ist auch, wie sich die Schadstoffe in der Atmosphäre verbreiten.» Das hänge wiederum stark von der Witterung ab. So habe die Bise während des Lockdowns die Schadstoffe relativ schnell verteilt.

SRF 4 News, 21.04.2020, 19:00 Uhr;

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Eine gute Nachricht. Umso mehr sollten wir in den Klimaschutz investieren.
  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Brisanter ist die umgekehrte Frage: In wie fern der Feinstaub die Viren-Verbreitung beeinflusst?

    Die Corona-Viren sollen an den Feinbstaubpartikeln haften bleiben und erreichen dadurch eine deutliche grössere Reichweite durch die Troposphäre, vor allem wenn es windig ist.

    Also, je mehr Feinstaub, desto stärkere Ausbreitung der Viren.

    Quelle: https://www.3sat.de/wissen/nano/200422-sendung-nano-102.html
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Interessante These. Man darf sich fragen, warum man diesen Faden nicht breiter kommuniziert. Die Bemühungen um eine Normalisierung, sprich: zurück zur Luftverpestung durch Autos und Flugzeuge, wären dadurch allerdings massiv torpediert. Und damit zeigt sich, worum es geht. Nicht um Netto Null, nicht um Klimaschutz, nicht um Luftqualität, nicht um Flugscham. Nur um zurück zum Reibach auf dem bequemstmöglichen Weg. Chance für einen Change verpasst!
    2. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      @Steiner: Diese These zeigt doch eher die Ambivalenz der Covid19-Massnahmen. Man investiert zig Milliarden und nimmt gigantische wirtsch. Schäden in Kauf, um einen relativ kleinen Teil der Bevölkerung zu schützen (Risikogruppen Covid19), war aber bisher nicht bereit, die Gesundheit der Gesamtbevölkerung langfristig zu schützen (Luft, Klima).
      Kommt hinzu, dass die Rezession nun wieder fossile Energieträger attraktiv machen wird und uns bzgl. Luft & Klima um Jahre zurückwirft.
  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    Gestern ein Bild von Los Angeles erhalten. Blauer Himmel, weisse Wolken über der Skyline. Dazu Vergleichsbilder der Prä-Covid-Zeit. Welten liegen dazwischen.
    Wünschenswert wäre, als Nebenwirkung von COVID19, die Menschheit begriffe (endlich), um wie viel wichtiger saubere Luft, sauberes Wasser, nicht-kontaminierte Böden für uns sind, als der ganze materielle Wohlstandsplunder, der ganze Luxus, den es zum Leben gar nicht braucht. Nichts gegen schöne, qualitativ hochwertige Dinge; aber mit Mass.